23. August 2019

Gottesdienst am 16. November 2014

Predigt: Frank Moritz-JaukEnglish

Tod, wo ist dein Stachel nunLautsprecher

Lied 224

Liebe Gemeinde, wir nähern uns unaufhaltsam dem Ende des Kirchenjahres.

In Deutschland ist heute Volkstrauertag und nächsten Sonntag endet unser Kirchenjahr mit dem Toten- oder Ewigkeitssonntag. Dem Allerseeligen der Evangelischen.

Es ist also nicht verwunderlich, dass jetzt Texte gelesen werden die sich mit dem Ende beschäftigen und ob uns das gefällt oder nicht, es ist nun einmal so und es führt kein Weg daran vorbei: Am Ende eines jeden Lebens steht der Tod.

Der Tod, das große Faszinosum der Menschheit.

Faszinosum damit meine ich den Tod als etwas, das wir nicht wirklich begreifen, etwas dass wir eigentlich nicht wahr haben wollen, etwas dass eben weil wir es nicht fassen können uns irgendwie ängstigt und verunsichert.

In der Angst vor dem Tod offenbart sich unser zutiefst verletzter Stolz, dass wir nicht Herr der Lage sind, dass wir endlich sind und Grenzen haben.

Es kann doch nicht sein, dass es ohne mich auch geht, dass man mich nicht mehr braucht, dass jetzt wirklich Schluss ist, dass ich nicht mehr bin.

Gewiss heutzutage denken manche Menschen, dass mit dem Tod alles vorbei ist und es macht ihnen auch scheinbar nichts aus.

Aber dem Großteil der Menschen macht der Tod eben doch etwas aus. Ich behaupte das jetzt einmal und erinnere an die zahllosen Geschichten, Märchen und Sagen, Bilder und Filme in denen der Tod Thema ist. Der Tod der interessanterweise fast immer als Person dargestellt wird. Der Schnitter oder der Sensenmann.

Untrennbar mit dem Tod verbunden ist die Frage: Was ist dann? Was wird nach dem Tod sein?

Der menschliche Geist tut sich in der Regel schwer, Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren und allein wegen dieser Frage: was ist dann?, muss man den Tod wohl als eine der genialsten Erfindungen Gottes preisen: Ja, was ist dann, was wird dann sein? Gibt es etwas außerhalb unserer menschlichen Existenz?

Ja die gibt es, sie nennt sich Gott. Jahwe, der Vater, der mit dem Sohn und dem Heiligen Geist angebetet und verherrlicht wird.

Ich weiß, das sehen nicht alle Menschen so, aber ich darf das sagen, denn ich glaube an ihn, für mich ist dieser Gott Wirklichkeit.

Für Menschen, die an Gott glauben und die Texte der Bibel hören, lesen und studieren ist dann auch klar, was nach dem Tod kommen wird: Jener große Tag, der Tag des Herrn, wie wir heute in der ersten Lesung gehört haben.

Es wird ein Tag sein an dem die Herrschaft Gottes wieder hergestellt wird.

Damit kommt alles Leiden der Schöpfung zu einem Ende.

Das klingt so einfach, fast ein wenig banal. Vielleicht hat es damit zu tun, dass wir in unserem Leben – normalerweise – nicht so hart bedrängt werden. Es hat auch mit der Fülle an Elend zu tun der wir gegenüberstehen und gegenüber welcher wir abstumpfen. Es ist die Einsicht in die Hoffnungslosigkeit unserer menschlichen Bemühungen jemals umfassend wirklichen Frieden schaffen zu können.

Aber die große Sehnsucht nach diesem Tag die kann ich schon spüren, wenn ich alle Not sehe, sie mir mit den Augen der Betroffenen vorstelle.

Kein Krieg mehr, keine vergewaltigten Frauen in Indien, keine Menschen auf der Flucht keine 47 toten nigerianischen Kinder, weil ein Selbstmordattentäter sich beim Morgenapell in die Luft sprengt. Keine versklavten chinesischen ArbeiterInnen mehr mit 16h Schichten. Keine Hungersnöte, keine Ebolaepidemie, kein Krebs – alles aus und vorbei.

Wie gesagt, vielleicht geht es uns zu gut, vielleicht sind wir zu „realistisch“ geworden – immerhin sind seit Christi Tod fast 2000 Jahre vergangen – aber es gibt für viele Menschen auf dieser Erde eine begründete Sehnsucht nach diesem Tag, dem großen Tag des Herrn.

Ein Tag, der mit unserem Tod beginnt.

Wegen der Schmerzen oder der Gebrechlichkeit oder allen Unannehmlichkeiten, die oft dem Tod vorausgehen, wird dies oft vergessen aber es ist so, der große Tag des Herrn beginnt für uns mit unserem Tod.

Tote warten nicht. Sie stehen außerhalb der Zeit.

Paulus um nur ein Beispiel zu nennen hat das gewusst. Im Philliperbrief (Phil 1, 23) schreibt er: „Ich bin hin- und hergerissen: Am liebsten würde ich dieses irdische Leben hinter mir lassen und bei Christus sein; das wäre bei weitem das Beste.“

Hier hören wir die Stimme eines Mannes der sich eben nicht ans Leben klammert, der diese Sehnsucht nach Vollkommenheit hat und der davon ausgeht, dass er nach seinem Tod bei Christus sein wird. Sein wird, nicht sein könnte.

Früher gab es dafür ein Wort, das heute ganz und gar aus der Mode gekommen ist: Heilsgewissheit!

Ja dieser Mann hat Heilsgewissheit. Er geht davon aus, dass er nach seinem Tod bei Christus sein wird. Diese Zuversicht lässt die Seele aufatmen.

Warum ist sich Paulus dessen so sicher?

In seinem Fall muss man sagen: Weil er glaubt, was er verkündet.

In seinem wohl theologisch ausgereiftesten Werk, dem Römerbrief (Röm 3, 22-24) schreibt er: „Es ist eine Gerechtigkeit, deren Grundlage der Glaube an Jesus Christus ist und die allen zugute kommt die glauben. Dabei macht es keinen Unterschied, ob jemand Jude oder Nichtjude (Jüdin oder Nichtjüdin) ist, denn alle haben gesündigt, und in ihren Leben kommt Gottes Herrlichkeit nicht mehr zum Ausdruck, und dass sie für gerecht erklärt werden, beruht auf seiner Gnade. Es ist sein freies Geschenk auf Grund der Erlösung durch Jesus Christus.“

Sola fide und sola gratia. Allein der Glaube an Christus und allein aus Gottes Gnade.

Aber das ist es liebe Gemeinde, das ist es und das reicht!

Viele von euch kennen noch diese Londoner Buswerbung, die mir zumindest immer im Zusammenhang mit dem Tod einfällt. Dort hieß es: „There`s probably no God, so stop worrying.“ Übersetzt: Höchst wahrscheinlich gibt es keinen Gott, also hört auf euch Sorgen zu machen.

Offensichtlich liegt es in der Natur der Menschen sich wegen dem Tod Sorgen zu machen, aber wir Christen und Christinnen müssten dem doch voll Überzeugung entgegenhalten:

„I´m not worrying. There is a God, but I`ve got Jesus!“ Übersetzt: Ich mache mir keine Sorgen. Es gibt einen Gott, aber ich habe Jesus!

Heilsgewissheit.

Jesus Christus hat den Tod überwunden. Unsere Namen sind verzeichnet im Buch des Lebens.

Warum wir dann wachsam und nüchtern und für den Kampf gerüstet sein müssen, wie wir vor allem in der 2. Lesung gehört haben?

Diese Fragen liebe Gemeinde, gekoppelt mit der Frage: Warum der Tag des Herrn so plötzlich, „wie ein Blitz der den ganzen Himmel erhellt“ (Lk 17, 24) kommen muss oder wird, hätten mich fast das Handtuch werfen lassen vor dieser Predigt.

Wenn wir doch aus Gnade gerechtfertigt sind und diese Gnade uns doch Gelassenheit, Gewissheit, ja Heilsgewissheit geben kann, warum braucht es dann diese Alarmbereitschaft?

Warum kommt der Tag des Herrn „wie ein Dieb in der Nacht“ (1.Thess 5, 2)?

An dieser Stelle muss ich zugeben, dass ich nur den jetzigen Stand meiner Gedanken mit euch teilen kann. Es sind harte Fragen und ich bin mir nicht sicher, ob ich den Hintergrund richtig und vollständig verstanden habe. Ich kann mir aber mittlerweile zu den einzelnen Punkten etwas vorstellen.

Zur Frage der Wachsamkeit:

Ich glaube fest daran, dass ich aus Gnade und aus Glauben gerettet bin. Aber es ist keine billige Gnade. Jesus hat sein Leben dafür hingegeben. Glaube, so wie Liebe sind keine Gegenstände die ich in die Tasche stecken kann. Glaube muss gelebt werden, Liebe zeigt sich am Mitmenschen und in meiner Hinwendung zu Gott. Nicht gelebter Glaube ist nicht vorhanden, er ist tot.

Die Wachsamkeit ist also notwendig, damit ich auf dem Weg der Nachfolge bleibe oder auf diesen Weg zurückkehre.

Zur Frage der Rüstung:

Der Brustpanzer des Glaubens und der Liebe sowie der Helm der Hoffnung sind keine Angriffswaffen. Sie schützen mich. In einer wissenschaftlich dominierten Gesellschaft schützen mich dieser Panzer und dieser Helm vor der Forderung des naturwissenschaftlichen Beweises: Beweis mir, dass es deinen Gott gibt. Kannst du Gott messen und nachvollziehbar machen? Wie früher fordern die Menschen Zeichen, aber so wie früher gilt auch heute: Gott ist nicht beweisbar, er ist erfahrbar. Gott lässt sich nicht in die Enge unserer Logik und unseres Denkvermögens pressen.

Zur letzten Frage, der Frage nach der Plötzlichkeit:

Hier finde ich, dass der gehörte Text der 1. Lesung, also aus dem Lukasevangelium, ein wenig Licht in diese Angelegenheit bringt. Es ist die Macht des Faktischen. Es wird einfach so sein. Nicht Gott will die Menschen überraschen, sondern die Menschen werden einfach überrascht sein. Es ist so, nicht jeder Mensch antwortet auf das Liebesangebot Gottes.

Irgendwann und sei es mit dem eigenen Tod hört die Mitgestaltung des Menschen einfach auf. Und wie ich schon vorher ausgeführt habe sind wir mit dem Tod unmittelbar beim großen Tag des Herrn.

Dann kann es sein, dass ich nur noch den gerechten Lohn für meine Taten empfangen werde.

Ob es so sein wird muss ich Gott sei Dank nicht sagen, aber es gibt begründete Hinweise in der Schrift, dass es so sein könnte.

Der Dreh- und Angelpunkt zu all diesen Fragen, zu allen Fragen unseres Lebens und Sterbens ist der Glaube.

Der Glaube tröstet uns, wenn wir ob des Leides in der Welt versucht sind zu verzweifeln. Gottes großer Tag wird kommen. Der Herr wird die Tränen abwischen und wahren Frieden schaffen.

Der Glaube ist es, der uns beständig erinnert, dass wir Gottes Kinder sind und Gott gerecht urteilen wird. Auch wenn wir weit davon entfernt sind die Gedanken Gottes zu verstehen, so bewirkt doch der Glaube, dass wir Gott vertrauen.

An Gesichts des Tode ist es der Glaube der uns zuversichtlich macht, wahrlich zuversichtlich und guten Mutes: „I´m not worrying. There is a God and I have Jesus!“

Amen.