21. November 2019

Gottesdienst am 28. Dezember 2014

Predigt: Frank Moritz-JaukEnglish

Galater 4, Verse 4 – 7                     Kinder GottesLautsprecher

Liebe Gemeinde, in den heute gehörten drei Versen des Galaterbriefes finden wir ein Thema, das ich für sehr bedeutend und wichtig halte: Durch Jesus Christus sind wir zu Kindern Gottes geworden. Kinder Gottes, die rufen dürfen „ Abba, lieber Vater!“

Unglaublich, oder?

Wir haben es heute schon gesungen, aber ist uns eigentlich bewusst, welche Freude in dieser Aussage liegt?

Ich erwarte jetzt keine Jubeltänze oder „Halleluja“ Rufe, wie in manchen Kirchen an dieser Stelle durchaus üblich, aber ich glaube schon, dass wir uns bewusst machen sollen, was das heißt: Du bist ein Sohn, du bist eine Tochter Gottes!

In einer älteren Übersetzung von Luther lautet der letzte heute gehörte Vers: „So bist du nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott.“ und diese Gliederung möchte ich heute gerne aufgreifen und damit folgenden drei Fragen nachgehen: Was bedeutet es, nicht mehr Knecht oder Sklave zu sein?

Was bedeutet es, Kind zu sein?

Und was bedeutet es, Erbe oder Erbin zu sein?

Wenn Paulus den Galatern schreibt, dass sie nicht mehr Knechte oder Sklaven sind, dann bezieht er sich auf das Gesetz, also auf die 5 Bücher Mose oder die Thora. Ganz konkret ging es bei den Galatern um die Beschneidung, welche eine Gruppe von gesetzestreuen Judenchristen einführen wollte. Was auf den ersten Blick nicht besonders tragisch erscheint, aber eben grundlegend wird, wenn diese Beschneidung zur Voraussetzung für die Zugehörigkeit zur endzeitlichen Heilsgemeinde angesehen wird.

Dagegen wehrt sich Paulus mit aller ihm bekanntermaßen zur Verfügung stehenden Vehemenz und bezeichnet diejenigen, die sich an das Gesetz und alle damit verbundenen Vorschriften halten, als Sklaven. Ein Sklave hat überhaupt keine Rechte. Eine Sklavin kann man, wie Hagar die Ägypterin, mit einem Stück Brot und etwas Wasser in die Wüste schicken. In den sicheren Tod.

Und um diesen Tod geht es ja auch: Diejenigen, die durch die Einhaltung des Gesetzes hoffen, einmal vor Gott bestehen zu können, werden scheitern.

Das ist das Credo, also der zentrale Glaubenssatz, in der gesamten Theologie des Paulus: Nicht indem ihr ohne Sünden, also fehlerfrei bleibt, werdet ihr das Heil empfangen, sondern indem ihr euch von Christus retten lasst. „Doch als die Zeit dafür gekommen war, sandte Gott seinen Sohn.“(Gal 4,4)

Sklave. Bei uns heute ist die Sklaverei natürlich schon längst abgeschafft. An vielen Orten auf dieser Welt aber gibt es sie noch. Im Kontext des Galaterbriefes geht es bei der Sklaverei um eine Beschreibung, für den Zustand des Menschen im Angesicht Gottes: Ich kann das Gesetz nicht erfüllen. Ich schaffe es nicht aus eigener Kraft. Und weil ich das einsehe, fühle ich mich wie ein Sklave – ich kann nichts tun, ich bin in der Gewalt eines anderen.

Welch eine Befreiung ist es daher, von Jesus aus dieser aussichtslosen Lage erlöst zu werden: Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.(Jes 43,1)

Unser heutiger Text geht aber noch über die Befreiung hinaus: „Weil ihr nun also seine Söhne und Töchter seid, hat Gott den Geist seines Sohnes in eure Herzen gesandt.“

Was bedeutet es, Gottes Kind zu sein?

Um sich diesem Thema zu nähern, müssen wir vielleicht selbst einmal nachspüren, was es für uns heißt, entweder Kinder zu haben oder Kind zu sein. Leider sind wir als Menschen fehleranfällig, sodass folgende Beschreibung nicht immer zutrifft, aber grundsätzlich bezeichnet Kindschaft ein Näheverhältnis: Mit welchem Menschen auf der ganzen Welt fühle ich mich am meisten oder am engsten verbunden? Wer bedeutet mir etwas, wer kann mich am leichtesten verletzen und um wen weine ich, wenn er oder sie gestorben ist?

Wie gesagt, wir Menschen sind fehlerhaft und uns gelingt nicht nur Gutes, sondern auch Böses. Was bedeutet, dass unsere Erinnerung nicht ausschließlich positiv sein kann, aber es besteht glaube ich kein Zweifel daran, dass wir uns unseren Eltern und, so vorhanden, unseren Kindern in besonderer Weise verbunden fühlen.

Manche von uns würden sagen, die stärkste Verbindung habe ich zu meinen Kindern, andere würden sagen, die stärkste Bindung habe ich zu meinem Mann oder zu meiner Frau, wieder andere würden zum jetzigen Zeitpunkt sagen, die stärkste Bindung habe ich zu meiner Mutter – das Thema Kind möchte ich nicht so verallgemeinern, dass ich werten muss.

Festhalten möchte ich, dass die Verbindung eines Vaters oder einer Mutter zu ihrem Kind ganz stark und ganz besonders und mit ganz viel Liebe verbunden ist.

Diese Verbindung bietet uns der Herrscher der Welt an.

Die Anrede Gottes als „unser Vater“ ist uns als Christen bestens vertraut, aber selbstverständlich ist sie nicht.

Wie innig diese Verbindung ist, wie liebevoll ich als Kind mit meinem Vater umgehe, hängt ja nicht unwesentlich von meinen Antworten ab, aber grundsätzlich hat Gott den Geist seines Sohnes in mein Herz gesandt, damit ich mich Gott als Kind nähern kann.

Kind. Kinder sind ja nicht besonders begeistert, dass sie Kinder sind und noch nicht all das dürfen, was die Erwachsenen dürfen. Wir sind aufgefordert Gott so wie ein Kind zu vertrauen. Bedingungslos, mit dem tiefen Glauben an den guten, liebevollen Vater, der Gott sein will. Paulus beantwortet die Frage nach unserem Status als Kinder dann auch im letzten Vers: „Wenn du also ein Sohn oder eine Tochter Gottes bist, bist du auch ein Erbe.“

Wir sind keine unmündigen Kinder, die noch nicht alles tun dürfen, sondern wir sind Erben.

Was bedeutet es Erbe oder Erbin zu sein?

In erster Linie ist hier sicher das Heil gemeint, dass Christus für uns erworben hat. Wir erben sozusagen die Versöhnung mit Gott, die Jesus für uns bewirkt hat.

Beim Erben geht es aber auch um ein Vermächtnis. Derjenige der uns als Erben einsetzt hinterlässt uns ja etwas. Etwas, für das wir nach dem Tod des ursprünglichen Besitzers jetzt verantwortlich sind. Was könnte das sein?

In Wirklichkeit ist es sehr einfach. Sehr einfach und treffend im Doppelgebot der Liebe zusammengefasst: Wir sollen Gott lieben und unseren Nächsten und unsere Nächste wie uns selbst.

Paulus und Wesley schreiben vom Glauben, der in der Liebe tätig ist. (Gal 5,6)

Dieses tätig sein in der Liebe umfasst so viele Bereiche unseres Lebens und lässt sich nicht auf diakonisches Handeln beschränken. Tätig zu sein in der Liebe umfasst jedes gute Wort, das wir einander schenken, es kann ein Gebet sein, das wir für jemanden in Not vor Gott bringen, es sind Dienste, die im Verborgenen geschehen und die doch so wichtig für unsere Gemeinschaft sind.

Erbe. Erben bedeutet auch, etwas geschenkt zu bekommen, das wir nicht selbst geschaffen oder verdient haben. Damit ist das Wesen des Glaubens eigentlich sehr gut beschrieben. Weder haben wir die Welt geschaffen in der wir leben noch haben wir unser Heil verdient durch unsere Taten. Nein, unser Leben und unser Glaube bleibt ein Geschenk, ein großes, wundervolles Geschenk Gottes.

„So bist du nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott.“

Ich wünsche uns, dass wir das wirklich glauben können.

Nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern wirklich glauben.

Jetzt an Weihnachten ist mir wieder bewusst geworden, welch einen Unterschied es ausmacht ob wir etwas wirklich glauben oder nur zur Kenntnis nehmen.

Wenn ich glaube, dass Jesus wirklich Gottes Sohn ist und dass mit seiner Geburt etwas ganz Neues, Rettendes passiert, dann kann ich doch gar nicht anders, als mich zu freuen. Gerührt, voller Dank, bin ich glücklich vor Gott.

Wenn ich das Kind im Stall so wie jede andere Nachricht zur Kenntnis nehme, dann berührt mich an Weihnachten nichts oder nicht viel – wie denn auch.

Glauben heißt wirklich zu vertrauen, zu bezeugen und hinter dieser Botschaft zu stehen, ob es jetzt gesellschaftlich angesagt ist oder nicht. Ob die anderen es auch tun oder nicht.

Der Geist Gottes bezeugt meinem Geist, dass wir Gottes Kinder sind und wir sind es auch.

Wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott.

Das glaube ich.

Amen.