23. Oktober 2017

Gottesdienst am 28. Mai 2017

28. Mai 2017
10:00bis11:00

Predigt: Christine WalzerEnglish

Johannes 17, 1-11          Ewiges Leben

Liebe Gemeinde!

Abschiede begleiten uns durch unser ganzes Leben. Kleine und große Abschiede. Der schwerste Abschied ist sicher der, wenn man weiß, dass der Tod nahe ist.

Wer vom Leben Abschied nimmt, den bewegen bestimmt viele Themen. Die Gedanken an Menschen, die man liebt und zurücklassen wird, werden im Vordergrund stehen. Die Sorge, ob alles geregelt ist. Hat man klar und deutlich gesagt, wie groß die Liebe und Dankbarkeit für ein gemeinsames Leben ist? Wurde über alle Ängste, die einen beim letzten Weg begleiten, gesprochen? Hat man Missverständnisse ausgeräumt, sich entschuldigt? Kann man in Frieden gehen? Was lässt man zurück?

Ähnliches gilt für die, die zurückbleiben. Wirklich nicht leicht. Diejenigen unter uns, die schon so einen Abschied hinter sich haben, wissen genau, wovon ich spreche.

Jesus nimmt Abschied von seinen Jüngern. Er weiß, was auf ihn wartet. In seinem Abschiedsgebet spricht Jesus genau über die Themen, die ich vorher erwähnt habe.

Jesus öffnet sein Herz in diesem Gebet. Wir können in sein Herz und seine Gedanken schauen. Alles, was ihm wichtig ist, kommt darin vor. Er spricht über seine Visionen, sein Lebenswerk.

Ich kann mir gut vorstellen, wie verängstigt seine Jünger waren. Sie wussten, dass der Abschied nahe ist. Einen so vertrauten und lieben Menschen zu verlieren ist furchtbar.

Aber auch im Abschied war Jesus ein Tröster. Er beruhigte alle und war ihnen und auch uns ein Vorbild im Gehen.

Wie ein Mensch sich auf den Tod vorbereitet, hilft oft den Menschen, die weiterleben. Ich habe es selbst erlebt. Die Art und Weise, wie meine Mutter starb, hat mir in meinem Leben geholfen. Wie sie auf den nahen Tod zugegangen ist, hat mir eine andere, hellere Sicht auf sie und unsere Beziehung geschenkt. Sie hat mich getröstet und gestärkt. Sie war sich so sicher, nach dem Tod meinem Vater zu begegnen. Sie hat gesagt, er wird sie im Himmel erwarten und ihr alles zeigen, was wichtig ist. Sie hatte so einen tiefen Glauben, dass nach dem Tod Gott für sie eine Heimat mit allen Menschen vorbereitet hat, die ihr wichtig waren und vor ihr gestorben sind. Diese Ruhe im Glauben war ein Segen für unsere letzten gemeinsamen Monate und Stunden. Deshalb auch für mein Leben.

Dass ich diese Gelegenheit hatte, dafür bin ich sehr dankbar. Dies ist leider nicht für alle Menschen möglich. Manche Menschen sterben so plötzlich oder weit weg, dass keine Zeit da ist, die man gemeinsam verbringen kann.

„Vater, die Zeit ist jetzt da. Offenbare die Herrlichkeit deines Sohnes, damit der Sohn deine Herrlichkeit offenbart. Du hast ihm ja Macht über die ganze Menschheit gegeben, damit er allen, die du ihm anvertraut hast, das ewige Leben schenkt. Und das ewige Leben zu haben heißt, dich zu kennen, den einzigen wahren Gott, und den zu kennen, den du gesandt hast.“

Ewiges Leben. Das wirft viele Fragen auf. Viele Vorstellungen hängen an diesen beiden Wörtern.

Für mich beginnt das ewige Leben schon hier und jetzt.

Ich verstehe das so: Wer Gott und Jesus zu begreifen versucht, nicht nur mit dem Verstand, sondern mit dem Herzen und der Seele, für die kann das ewige Leben jetzt schon beginnen. Das ewige Leben ist dann eine gegenwärtige und nicht zukünftige Größe. Es beginnt in dem Moment, wo jemand Gott vertraut mit Herz, Geist und Seele. Wo jemand mit all den Zweifeln, die man zwischendurch hat, Jesus zu lieben versucht und das Leben von Liebe und Barmherzigkeit leiten lässt.

Es kann in dem Moment beginnen, wo jemand gläubig wird.

Glauben zu können ist eine Gnade. Wie die Liebe wird uns die Gnade geschenkt. Wir müssen nichts dafür tun. Die Wahl, ob wir die Liebe und Gnade Gottes annehmen, liegt bei uns.

Versuchen wir uns zu erinnern, wie es war, als wir zu glauben begannen. Es sind sicher so viele verschiedene Geschichten, wie hier Menschen sind. Spannende, berührende Geschichten, von denen wir vieles lernen können.

Deswegen möchte ich jetzt meine Predigt unterbrechen und zwei Menschen darum bitten uns zu erzählen, wie sie gläubig wurden.

< Felizitas Petau

< Josef Fabian

Unser Glaube wird von der Bibel geprägt. Sie begleitet uns. Manchmal mehr, manchmal weniger. Wie auch immer, sie ist präsent und sehr wichtig. Unser Glaube wird aber nicht nur wegen dem Lesen in der Bibel wachsen. Eine unserer Aufgaben ist es, das Wort der Bibel lebendig zu machen.

Einer von mehreren Wegen dahin ist es, Gemeinschaft zu pflegen. Begegnungen, miteinander reden, zuhören und Beziehungen sind dafür grundlegend. Sich umeinander kümmern, einander wahrnehmen und sich gegenseitig kennen lernen, ist wesentlich für ein Gemeindeleben.

Wenn wir mehr voneinander wissen, können wir voneinander lernen, das verbindet uns, und wir werden uns besser verstehen. Dann können wir gemeinsam versuchen unseren Glauben zu leben und zu wachsen. Wir können uns in unseren Bemühungen unterstützen und einander Vorbild sein.

Wir haben jetzt zwei Gemeindemitglieder gehört. Zwei persönliche Geschichten, wir wurden durch ihre Offenheit beschenkt.

Diese Zeugnisse und das Beispiel meiner Mutter zeigen uns, wie wichtig wir für einander sind. Wie wir uns positiv beeinflussen können, wenn wir unsere Geschichten hören. Hören, was bedeutsam im Leben anderer ist.

Unser Mittelpunkt ist Gott, Jesus und der heilige Geist. Wer glaubt, antwortet auf etwas: Auf das Angebot der Liebe und Gnade von Gott an alle Menschen. Wenn wir dieses Angebot annehmen, können wir auch glauben, dass uns nichts von der Liebe und Achtung Gottes trennen kann. Versuchen wir mit unserem Leben darauf zu antworten. Versuchen wir immer wieder das Beste zu geben, dass dies gelingt. So wird Jesus weiterleben und wirken. Sein Wort wird lebendig, und das ewige Leben kann beginnen.

Amen