23. Oktober 2017

Gottesdienst am 4. Juni 2017- Pfingsten

4. Juni 2017
10:00bis11:00

Predigt: Frank Moritz-JaukEnglish

1. Korintherbrief 12, 3b-13       Die Gaben des Heiligen Geistes

Liebe Gemeinde, Connor ist getauft worden und wir haben ihn somit hochoffiziell in unsere Gemeinschaft als Christinnen und Christen aufgenommen. Er ist jetzt ein Teil von uns, ein Teil des einen, gemeinsamen Leibes den wir untereinander bilden, wie wir es in der 2. Lesung gehört haben.

So schön dieser Tag auch ist und so sehr ich mir für euch wünsche, dass er euch lebendig in Erinnerung bleiben wird, so wirklich ist heute Pfingsten.

Pfingsten, 50 Tage nach der Auferstehung Christi, feiern wir als Kirche sozusagen unseren Geburtstag: Mit der Herabsendung oder Gabe des Heiligen Geistes beginnt die Weitergabe der frohen Botschaft von Christi Herrlichkeit, die vorher undenkbar gewesen wäre. Diese frohe Botschaft wird von Menschen als lebensverändernde Wirklichkeit wahrgenommen, also geglaubt. Und dieser Glaube führt in eine neue Gemeinschaft mit Gott. Aber eben auch mit anderen, die glauben, und diese Gemeinschaft nennen wir Kirche.

Der Heilige Geist, als Odem des Lebens und Teil der Dreieinigkeit Gottes ist natürlich ein viel zu umfassendes Thema, um es in einer Predigt behandeln zu können. Daher möchte ich mich in der heutigen Predigt auf folgende Fragen konzentrieren: Wie geschieht die Taufe mit dem Heiligen Geist – heute, unter uns? Was sind die Gaben des Heiligen Geistes, was bewirken sie? Und dann vielleicht noch konkreter: Wo erlebe ich das Wirken des Heiligen Geistes oder der Geisteskraft in meinem Leben?

Die Taufe mit dem Heiligen Geist. Connor ist heute mit Wasser getauft worden, aber in der Bibel lesen wir vom Propheten Johannes dem Täufer der über sich sagt: „Ich taufe euch mit Wasser als Bestätigung für eure Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“ (Mat 3,11)

Johannes spricht dies zu Erwachsenen. Bei Connor können wir davon ausgehen, dass er nicht umkehren muss, weil er noch unschuldig – naja zumindest weitgehend unschuldig – ist. Für Connor gilt die Gnade, die ihn hineinnimmt in die Gemeinschaft mit Gott.

Johannes spricht von Jesus und er spricht von der Taufe mit dem Heiligen Geist, wie wir es in der Apostelgeschichte gehört haben: „Gleichzeitig sahen sie so etwas wie Flammenzungen, die sich verteilten und sich auf jeden Einzelnen von ihnen niederließen.“ (Apg 2,3)

Habt ihr so etwas in eurem Leben erlebt? Eine Flammenzunge, die sich auf dir niedergelassen hat und weswegen du in fremden Sprachen reden konntest? Woher weißt du dann, dass du überhaupt Heiligen Geist empfangen hast?

Ich erinnere mich noch sehr gut an diese Zeit, als mich diese Frage wirklich verunsichert hat. Ich war 18 Jahre alt oder jung und ich wollte unbedingt eine deutliche, spürbare Antwort auf mein Gebet und die Bitte um die Gabe des Heiligen Geistes von Gott. Ich glaube, ich bin sogar auf die Knie gefallen und habe gebetet. Eine Form des Gebets, die ich sonst nie angewendet habe. Und ich erinnere mich an die Enttäuschung, dass es nicht so gekommen ist, wie ich mir das erwartet hatte oder wie es in dem Buch „Das Kreuz und die Messerhelden“ das ich damals gerade gelesen hatte, beschrieben worden war.

Aus heutiger Sicht würde ich sagen: „Siehst du Frank, Gott ist eben nicht der Automat, in den man einen Wunsch steckt und der dann deine, von dir erwartete Antwort ausspuckt. Auch wenn du auf die Knie fällst.“

Aus heutiger Sicht würde ich mich ganz auf das Wort verlassen, dass wir heute in der 2. Lesung gehört haben: „Niemand, der unter der Leitung von Gottes Geist redet, wird jemals sagen: „Jesus sei verflucht! „Und umgekehrt kann niemand sagen „Jesus ist der Herr“, es sei denn, er wird vom Heiligen Geist geleitet.“(1.Kor 12,3)

Ist es wirklich so einfach?

Ich fürchte – ja!

Der Geist Gottes bezeugt unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind. (Röm 8,16). Wer sagt und bekennt und glaubt, dass er oder sie ein Kind Gottes ist, kann das nur sagen, weil er oder sie den Heiligen Geist empfangen hat.

Ok, Heiliger Geist, aber wo ist dann das Feuer, von dem Johannes der Täufer gesprochen hat?

Ich glaube, das muss kein konkretes, offenes Feuer oder eine Feuerzunge sein, sondern mich erinnert es an die Jünger in Emmaus: „ Brannte nicht unser Herz, als er unterwegs mit uns redete, als er uns die Schriften aufschloss?“ (Lk 24,32) Ich glaube, dass dieses Brennen mit einem Zutiefst ergriffen sein gleichgesetzt werden kann. Ein Bibelwort, das uns in einer besonderen Lebenssituation mitten ins Herz trifft, oder dass uns in seiner Schönheit erschüttert. Das ist nicht jeden Tag gleich und kann auch nicht wirklich gemacht oder herbeigeführt werden, aber ich kann es bezeugen. Ich habe es schon so erlebt. Und mich gefreut, dass Gott mir so nahe kommt.

Kommen wir zu den Gaben des Heiligen Geistes und was sie bewirken. Viele von uns kennen die Früchte des Geistes wie sie im Galaterbrief angeführt werden: „Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Güte, Rechtschaffenheit, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.“(Gal 5,22f).

Mein Problem, mein höchstwahrscheinlich sehr persönliches Problem mit dieser Aufzählung ist, dass ich mich erstens zuwenig in ihr wiederfinde und dass sie mich zweitens, in ihrer Perfektion eher abschreckt als begeistert. Es tut mir leid, aber – noch – hört sich das für mich eher langweilig an.

Ich fühle mich bei den Gaben des Geistes mehr mit unserem 2. Lesungstext aus dem 1. Korintherbrief verbunden. Es werden viele Bereiche genannt und er überrascht doch in seiner Vielfalt. Was ist damit gemeint, was können wir uns darunter vorstellen?

Mit der Gabe oder Fähigkeit „Einsichten in Gottes Weisheit“ weiterzugeben, kann eine gute Predigt genauso gemeint sein wie ein einfühlsames Gespräch am Krankenbett.

Mit der Gabe zu „erkennen, was in einer bestimmten Situation zu tun ist“ lassen sich Probleme lösen. Wie komme ich weiter, wenn ich anstehe? Diese Gabe kann auch weit in die Zukunft greifen, wenn es zum Beispiel um den Erwerb einer Immobilie geht, die später im Wert steigt. Eine sehr praktische Gabe, die wir uns in Wirklichkeit für uns alle, ständig, wünschen würden.

Wozu bedarf es „ein besonderes Maß an Glauben“, was kann damit alles gewirkt werden?

Das kann ein Glaube sein, der in seiner Hoffnung und Zuversicht andere Menschen aufzurichten vermag. Das kann ein Glaube sein, der aus der inneren Freiheit der Zugehörigkeit zu Gott, mutige und gefährliche Dinge zu tun vermag. Das kann ein Glaube sein, der fest und treu im Gebet Gott bittet, dass er, Gott, sich seiner Schöpfung annehmen möge.

Weiter geht es mit der Gabe Kranke zu heilen und der Gabe Wunder zu tun. Auch dies geschieht heute noch, mitten unter uns. Kranke werden geheilt und Wunder geschehen. Manchmal muss man sie eben auch so benennen.

Dann wird die prophetische Rede genannt. Nur weil wir keinen alten Mann mit grauem Bart vor unserem inneren Auge sehen, so geschieht doch auch prophetische Rede um uns herum, denn prophetische Rede hat entweder die Hoffnung oder die Umkehr im Sinn. Hoffnung auf den Frieden Gottes angesichts der vielen Kriege und Umkehr von den Wegen der Selbstzerstörung den wir oft in Umweltbelangen eingeschlagen haben. Dazu gibt es Stimmen, die man hören oder überhören kann.

Als letzte Gabe möchte ich noch auf die wichtige Gabe der Unterscheidung hinweisen. Wann etwas vom Geist Gottes gewirkt ist und wann eben nicht. Manchmal ist das nicht so einfach und vielfach denke ich gilt: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. (Mat 7,16) Wessen Geistes Kind zeigt sich an den Auswirkungen.

Die Gaben des Heiligen Geistes als ungeheure Vielfalt. Eine der wichtigsten Aussagen ist aber Folgende: Bei jedem und jeder zeigt sich das Wirken des Geistes auf eine andere Weise. (1.Kor 12,7) Bei jedem und jeder.

Also auch bei dir und bei mir. Niemand ist ausgeschlossen.

Dem möchte ich noch zwei wichtige Feststellungen hinzufügen: Erstens, das Wirken des Geistes ist immer zum Nutzen der ganzen Gemeinde und zweitens, es gibt keine Wertung.

Dadurch, dass alle Gaben vom Geist kommen ist nicht eine mehr wert als die andere. Oder wichtiger oder vornehmer. Alle Gaben sind gleich viel wert, denn es ist die freie Entscheidung des Geistes welche Gabe er jedem Einzelnen zuteilt.

Es gibt verschiedene Gaben, so wie es verschiedene Dienste und verschiedene Kräfte gibt, aber es ist ein Geist, ein Herr, ein Gott der die Gaben zuteilt, der uns beauftragt und der sie in uns wirksam werden lässt.

Das wäre doch mal was, wenn wir so leben könnten, oder?

Wir müssten augenblicklich zufrieden sein, kein Vergleich wäre mehr notwendig, geschweige denn Mißgunst oder Neid. Ja liebe Gemeinde es ist ein Weg, aber genau dafür haben wir ja Gottes Wort, dass es uns zurückführen möge auf den richtigen Weg. Der richtige Weg. Könnte es sein, dass wir hören lernen sollen, was Gottes Geist uns geben möchte? Statt von Gottes Geist zu verlangen, dass er uns gibt, was wir wollen?

Zum Abschluss möchte ich noch ein Erlebnis mit euch teilen, dass ich meiner letzte Frage zuordnen würde: Wo erlebe ich das Wirken des Heiligen Geistes oder der Geisteskraft ganz konkret in meinem Leben?

Einer meiner Söhne tat eine große Reise. Zu diesem Zwecke musste er schon sehr früh nach Graz gebracht werden, was dankenswerter Weise meine Frau übernommen hat, denn ich bin in der Früh – sagen wir es einmal vorsichtig – anfällig. Ich schlafe wirklich und würde mich der „Morgenstund hat Blei im Schlund Fraktion“ zuordnen, die eher grantig als freudig verzückt ist, wenn die Sonne aufgeht. Nun trug es sich zu, dass sich dieser Sohn um 4:30 Uhr von mir verabschiedete, als ich noch schlafend im Bett lag. Dass ich ihn, in dieser Situation, drei Sekunden in den Arm nehmen konnte und ein freundliches Wort meine Lippen verließ ist für mich Wirken des Heiligen Geistes. Ich war selbst überrascht, aber eben um so glücklicher, weil das was sein soll und wie wir es uns wünschen, auch gelungen ist.

Nicht aus mir heraus, oder nur zum Teil aus mir heraus, aber auf alle Fälle mit Gottes Hilfe. Amen