26. Juni 2017

Gottesdienst am 11. Juni 2017

11. Juni 2017
10:00bis11:00

Predigt: Frank Moritz-JaukEnglish

Warum glaubst du?

Liebe Gemeinde, wir haben heute einen besonderen Gottes-dienst.

Einen Gottesdienst auf den wir – das sind die Teenager, ihre Eltern und ich – schon seit vielen Monaten hinarbeiten.

Ein Ereignis, einen Segen, den wir zum Anlass genommen haben, um miteinander ins Gespräch über Gott und den Glauben zu kommen.

Um ein Miteinander zu leben, das es braucht um selbstständig etwas Großes zu schaffen – siehe Jesusstatue.

Bei Essen, Spiel, Musik und Gespräch war es ein kennenlernen und einander vertrauen. Ich denke, in diesem kleinen Kreis ist viel von dem gelungen, was christliche Gemeinschaft ausmacht: Verlässlichkeit, Aufeinander Hören und Vertrauen.

Gerade das Vertrauen, also das Erleben, dass ich meine noch nicht ausgereiften Gedanken, meine Wünsche, meine Sorgen aussprechen kann, ohne, ich betone, ohne dass sich mein Gegenüber darüber lustig macht oder mir zu verstehen gibt wie blöd er oder sie das findet: das fördert Vertrauen.

Es sind diese Räume des Vertrauens die christliche Gemeinschaft auszeichnen.

Natürlich gibt es solche Räume auch außerhalb der Kirche, aber sie sind nicht in dieser durchgehenden Selbstverständlichkeit vorhanden wie hier.Warum ist das so?

Mit dieser Frage nähere ich mich meinem Predigtthema an. Einem Thema, das wir zwar an verschiedenen Nachmittagen und zu verschiedenen Themenbereichen angesprochen haben, dass ich aber heute nochmal klar auf den Punkt bringen möchte: Warum glaubst du? Warum glaube ich?

Das ist doch eine der wichtigsten Fragen, wenn wir von Glauben, von Gott, von der Erlösung durch Jesus Christus und alles was dann folgt, sprechen: Warum?

Ich denke, dieses „Warum“ kann man auf verschiedene Weisen hören. „Warum“ im Sinne von: Wie machst du das? oder „Warum“ im Sinne von: Was hab ich davon?

Ich werde versuchen, auf beide „Warums“ einzugehen.

Zum ersten Warum: Wie machst du das?

Beweisen, im Sinne eines naturwissenschaftlichen Beweises, kann ich Gottes Existenz nicht. Darüber bin ich mit unseren Teen-agern überein gekommen.

Aber gibt es nicht auch noch eine andere Wirklichkeit außerhalb des Bereiches Messen, Dokumentieren, Wiederholen? Ist Wirklichkeit wirklich davon abhängig, ob wir sie sehen und anfassen können?

Für mich, gibt es diese Wirklichkeit, die auf Erfahrungen und Empfindungen beruht. Die ganze Welt der Gefühle gehört dazu.

Jetzt ist es doch unbestritten, dass sich Gefühle nicht wie naturwissenschaftliche Gesetze oder Größen bestimmen lassen. „Grüß Gott, hier hast du 1250g Liebe“. „Danke, ich wollte dir eh meine 2150m Traurigkeit vorbei bringen.“

Und auch wenn wir Adjektive zur genaueren Bezeichnung verwenden – „Ich bin sehr traurig, ich hab dich unheimlich lieb“ – bleibt doch ein Unschärfebereich.

Was heißt denn für dich „sehr traurig“?

Heißt „sehr traurig“ dass du nicht mehr aufhören kannst zu weinen oder heisst „sehr traurig“, dass du diese Leere in dir fühlst, weil du enttäuscht worden bist?

Zu diesen Gefühlen kommt die Beurteilung von der Person, der wir uns mitteilen: „Also ich wäre deshalb nicht sehr traurig, sondern nur ein wenig verstimmt.“ oder „Du brauchst deswegen doch überhaupt nicht traurig zu sein.“

Wie auch immer, was ich damit sagen will ist: Nur weil wir Gefühle wie Traurigkeit, Liebe, Wut nicht in der gleichen Weise messen können, wie physikalische Größen mit ihren verschiedenen Einheiten, sind sie deswegen doch um kein bißchen weniger real, als die sichtbare Welt.

Ein Gefühl kann man nicht anfassen, aber man kann es spüren.

Und man kann einem Gefühl eine Bedeutung zumessen. Man kann es glauben.

Ha! Da ist es wieder. Dieses unheimliche Wort: Glauben.

Eben. Aber wenn ich meiner Mutter, meiner Freundin, meinem Ehemann glaube, dass er oder sie mich liebt – Warum glaube ich es dann Gott nicht?

Gut, die Mama kann ich sehen und Gott kann ich nicht sehen.

Aber die Aussage, dass mich jemand liebt, die kann ich doch auch nicht sehen! Sprechblasen und Denkblasen gibt es doch nur im Comic!

Welchen Anlass hat Gott mir gegeben, dass ich an seinen Zusagen, an seinen Verheißungen, zweifeln könnte?

„Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ oder „Wenn du mich von ganzem Herzen suchst, dann werde ich mich von dir finden lassen.“ Und viele mehr.

Ich kann bezeugen, dass Gott sich von mir hat finden lassen. Ich glaube an Jesus Christus.

Zugegeben, alles andere wäre auch ein wenig komisch für einen Laienpastor.

Aber noch einmal, ich finde den Schritt von der Erkenntnis, dass Gefühle Wirklichkeit sind, zur Erkenntnis, dass auch Gott Wirklichkeit ist, nicht so weit. Nicht so weit weg.

Und auch noch einmal: Welchen Grund habe ich, an Gottes Zusagen zu zweifeln?

Warum sollte ich Jesus nicht glauben?

Jesus der von sich sagt: „Niemand liebt seine Freunde mehr als der, der sein Leben für sie hergibt.“ (Joh 15,13) Hat er das getan oder hat er das nicht getan?

Bevor ich zum zweiten „Warum: Was habe ich davon?“ weitergehe, möchte ich an dieser Stelle doch noch kurz ein paar Gedanken zum Thema Suche und Gebet ansprechen.

Ich habe ja Jeremia zitiert: Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, dann werde ich mich von euch finden lassen.“(Jer 29,13f)

Bitte –  „von ganzem Herzen suchen“ ist nicht zu verwechseln mit einer Kindersuche:

„Mami, wo ist mein gelbes T-Shirt?“ „Im Kasten.“ „Ja aber ich hab doch schon überall gesucht.“ „Ganz sicher, im Kasten im 2. Fach links“ „Ach so, da ist es aber gar nicht.“ Die Mutter betritt genervt das Zimmer: „Entschuldige, dass ich nicht genau sagen konnte, dass es das 3. T-Shirt von oben ist, aber du könntest auch selbst mal die Gucker aufmachen.“

Nein, ein solches Suchen ist nicht gemeint. Suchen heißt Bibeltexte lesen. Suchen meint, Gespräche zu führen. Suchen heißt, nicht nach dem ersten Gebet und dem fehlenden Donnergrollen vom Himmel, aufzugeben.

Das Gleiche gilt fürs Gebet.

Gebet ist nach meiner Erfahrung kein Gespräch, so wie wir Menschen miteinander sprechen.

Ich stelle dir eine Frage und du gibst mir eine Antwort.

Im Gebet spreche ich, ob laut oder leise, mit Gott.

Ich wende mich vertrauensvoll an Gott und bringe ihm meine Fragen, Wünsche oder Bitten.

Die Antwort Gottes ist spürbar oder erfahrbar, der Zeitpunkt allerdings unabhängig von unserem Zeitempfinden.

Auch, und das fällt uns manchmal schwer zu akzeptieren, muss die Antwort Gottes nicht die Antwort sein, die wir uns erwartet haben.

Einmal unabhängig davon zeigt sich Gottes Wirken ja nicht nur darin, was er für uns tut, sondern auch in dem, wovor er uns bewahrt. Wir kennen das. Es kommt auf die Sichtweise an:

Ist das Glas halbleer oder ist es halbvoll.

Ich möchte jetzt zum Abschluss, wie versprochen noch das zweite „Warum: Was habe ich davon?“ behandeln.

Was habe ich davon?

Materiell, spirituell, psychologisch, was willst du wissen? Es gibt jede Menge Ebenen zu dieser Frage.

Zwei Ebenen biete ich euch heute einmal an. Die Versöhnung und Gemeinschaft mit Gott und die Fürsorge, das Leben in Gottes Hand.

Bei der ersten Ebene müssen wir uns einige Fragen gefallen lassen und sie ehrlich beantworten.

Glaubst du dass Gott dich erschaffen hat? Ja.

Glaubst du, dass du für dein Leben und wie du es lebst verantwortlich bist? Ja.

Glaubst du, dass es Gott gefällt, so wie du lebst, nicht wie du bist, aber wie du lebst? Manchmal.

Glaubst du, dass ein Sünder in den Himmel kommt? Nein.

Bist du ein Sünder? Manchmal.

Dieses wesleyansiche Frage-Antwort-Spiel müssten wir jetzt noch lange weiterführen um zum Kern der Sache zu kommen:

Ich glaube, dass ich mit meinem Leben, meinen Taten, nicht vor Gott bestehen kann. Ich glaube, dass mich meine Sünden, also alles was ich so tue, wie Gott es nicht möchte, mich von Gott trennen. Daher glaube ich, dass ich die Vergebung meiner Sünde brauche und damit brauche ich Jesus.

Warum glaubst du, was hast du davon?

Ich habe durch den Tod Christi am Kreuz, wieder Gemeinschaft mit dem ewigen Gott. Demjenigen, dem ich mein Leben verdanke.

Eine zweite Ebene ist die erlebte Fürsorge.

Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, dann erkenne ich, dass Gott immer für mich gesorgt hat. Gut gesorgt hat.

Wo Türen zugegangen sind, da sind neue Türen aufgegangen. Wo ich etwas, z.B. meine erste Arbeitsstelle verloren habe, da habe ich eine mehrmonatige Fortbildung gemacht. Eine Fortbildung, für die ich während der Arbeit nie Zeit gehabt hätte. Aber ich habe immer gewusst, dass ich genau das machen werde, sollte ich arbeitslos werden.

Wo etwas zu Ende gegangen ist, da hat etwas Neues ange-fangen. Wieder ein Beispiel: Nach vierjähriger, erfolgloser Grundstückssuche für unser Haus – neben der Arbeit – hat es ein Ende gebraucht. Es hat das Ende meiner Arbeit gebraucht, um das Grundstück zu finden, dass wir gesucht haben.

Habe ich jemals nichts zu essen gehabt? Nein.

Warum glaubst du, was hast du davon?

Ich kann mich auf Gott verlassen. Ich erkenne ihn als treuen Begleiter meines Lebens.

Warum glaubst du?

Weil Gott mir und uns verheißen hat: „Berge mögen einstürzen und Hügel wanken, aber meine Liebe zu dir wird nie erschüttert, und mein Friedensbund mit dir wird niemals wanken. Das verspreche ich, der HERR, der dich liebt!“ (Jes 54, 10)   Amen