18. August 2017

Gottesdienst am 30. Juli 2017

30. Juli 2017
10:00bis11:00

Predigt: Gerhard WeissenbrunnerEnglish

Matthäus 13: 31-33, 44-52                           das Himmelreich ist wie …

Das Himmelreich ist wie …! Mit diesen Worten beginnt unser Herr Jesus Christus Vergleiche mit dem Reich Gottes. Himmelreich und Reich Gottes sind nur zwei Ausdrücke für ein und dieselbe Sache. Wenn wir im Vater Unser beten „dein Reich komme“ so beten wir auch, dass der Himmel unter uns sei.

Der Himmel ist ein Ort an dem Gott gegenwärtig ist und seine Herrlichkeit von Anbeginn der Welt offenbar ist. Auch uns ist ein Platz an diesem Ort bestimmt. Christus ist vom Himmel gekommen um uns den Weg dorthin zu zeigen. Einen Weg, der zum ewigen Leben führt.

Wir erleben immer wieder Momente, da fühlen wir uns „wie im Himmel“.  Wir spüren, da ist etwas besonderes, das wir gerade erleben – „Augenblick verweile doch, du bist so schön“ – Wir wollen den Moment festhalten, und die Sehnsucht ist groß, dass er sich wiederholt. Aber es geht nur selten. Und was bleibt ist die Erinnerung.
Aber wir wissen: der Himmel war da!

Jesus will jedoch die Gedanken seiner Zuhörer auf die alltägliche Gegenwart des Himmelreiches lenken. Er nimmt Beispiele aus dem täglichen Leben. Beispiele, die sie selbst mit dem Himmelreich nicht verbinden würden, die ihnen aber vertraut sind. Beispiele, wie der Himmel in die Welt hineinwirkt. Das Reich Gottes wächst nicht von der Erde dem Himmel entgegen, sondern es kommt vom Himmel herab. Und es ist schon da.

Heute soll uns das in 4 Gleichnissen verdeutlicht werden. Die Gleichnisse vom Senfkorn, vom Sauerteig, vom Schatz im Acker und von der kostbaren Perle.

Das Gleichnis vom Senfkorn:
>>Das Himmelreich ist wie ein Senfkorn. Ein kleines Korn wächst zu einem Baum, sodass die Vögel unter dem Himmel kommen und in seinen Zweigen wohnen<<
Von vielen möglichen Deutungen für dieses Beispiel möchte ich die „Gerechtigkeit“ herausstreichen.
Es wird die Zeit kommen, wo alle Menschen in Frieden miteinander und nebeneinander leben werden. Ohne Ansehen der Person, der Hautfarbe, der Herkunft, der Sprache, der Religion usw. Das ist der Baum auf dem die Vögel wohnen.

Und diese Zeit hat schon begonnen. Wir sehen das in der gegenwärtigen Entwicklung auf unserer globalen Welt. Unrecht wird an allen Ecken und Enden aufgezeigt und Gerechtigkeit gefordert. Noch nie haben sich so viele Menschen für umfassende Gerechtigkeit eingesetzt. Für faire Lebensbedingungen, Gleichberechtigung der Frau, gerechten Lohn; gerechte Arbeit, fairen Handel, faire Wirtschaft, faire Steuern, religiöse Toleranz u.v.a.m.

Auch die Kunst spielt viel hinein, dass Streit und Feindschaften ein Ende finden.
Tripoli im Libanon ist eine zerrissene Stadt: auf der einen Seite leben Alawiten und auf der anderen Seite Sunniten. Jahrelange tödliche Feindschaft prägte die ständigen Kämpfe. Dann konnte ein Mann die Todfeinde für ein Theaterprojekt gewinnen. Ein Miteinander war schwer vorstellbar. Und doch entstand es. Einstige Todfeinde scherzten miteinander, spielten ihre Wut in der Rolle des anderen und entdeckten: „Eigentlich sind wir beide gleich!“

Ja, es stimmt auch, dass sich das Böse aufbäumt  und die positive Entwicklung an vielen Orten boykottiert wird. Und es stimmt auch, dass viele einzelne ihren Einsatz für Gerechtigkeit mit dem Leben oder großem Leid bezahlen. Aber die Wurzeln der Gerechtigkeit breiten sich aus. Und der Baum der Gerechtigkeit wächst. Das ist der Lebensbaum dieser Welt.

Das Gleichnis vom Sauerteig:
>>Das Himmelreich ist wie ein Sauerteig. Eine Frau nimmt eine Hand voll davon, mengt ihn unter einen halben Sack Mehl und am Ende ist die ganze Masse durchsäuert<<

Dieses Beispiel kommt direkt aus der Küche. Es ist allen ganz nah, die jemals Brot gebacken haben. Ungesäuertes Brot schmeckt fad. Es ist wie Wasserzwieback, hart, trocken, wenig appetitanregend. Durchsäuertes Brot hingegen schmeckt. Es ist weich, locker, saftig und von ausgesprochen gutem Geschmack.

Eine mögliche Deutung für den Sauerteig ist das „Wort Gottes“. So wie der Sauerteig eine Verwandlung des Teiges bewirkt, so bewirkt das Wort Gottes eine Verwandlung des Lebens.

Wo Menschen sich von Gott ansprechen lassen verändert sich ihr Leben. Es bekommt einen Sinn. Der Glaube wächst, Friede kehrt ein. Sie bekommen einen guten, festen Stand.

Mein erster Pastor in dieser Gemeinde, Franz Kramaric, hat mir die Bibel besonders schmackhaft gemacht. Wir lesen sie seither zu Hause jeden Tag. Das Wort Gottes ist eine Richtschnur für unser Leben und es ist ein köstlicher Weg entlang dieser Richtschnur.

Wir hören das Wort Gottes jeden Sonntag im Gottesdienst.
Ein Mann zu John Wesley‘s Zeiten wurde gefragt: „gehen sie in den Gottesdienst um John Wesley zu hören. Nein, antwortete dieser, ich gehe in den Gottesdienst um Gott zu hören.“

Wir gehen in den Gottesdienst um eine Zeit zu haben, Gott zu begegnen, ihn zu loben, sein Wort zu hören, ihm nahe zu sein. Wir spüren, wie uns diese Kraft des Wortes verändert. Wie Gott in unser Leben hineinwirkt. Wir genießen einen Vorgeschmack des Himmels. Und wir spüren, wie herrlich es sein wird, wenn Jesus Christus wieder kommt und sein Reich in Besitz nehmen wird. Und wir mit ihm.

Das Gleichnis vom Schatz im Acker:
>>Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war und von einem Mann entdeckt wurde. Er freute sich so sehr, dass er alles verkaufte und dafür den Acker kaufte<<.

Der Schatz im Acker könnte der „Glaube“ sein.
Der Mann wusste nicht, dass hier ein Schatz vergraben war. Aber weil er tief ackerte hat er ihn gefunden. Das war sicher sehr anstrengend und kostete viel Schweiß, aber es hat sich ausgezahlt. So ist es auch mit dem Glauben.

Der Mann hatte bei seiner täglichen Arbeit den Schatz gefunden. Unser Glaube an Gott wächst im täglichen Verhalten. Da sind die Fragen: Welche Gedanken pflege ich? Wie gehe ich mit den Menschen um, die mir täglich begegnen; ob ich sie kenne oder nicht? Macht meine Beschäftigung Sinn? Ehre ich mit meinem Leben Jesus Christus? Spiegelt sich in meinem Leben die Herrlichkeit Gottes wieder? Auch in meinem Umgang mit meinen engsten Angehörigen, wie meinen Kindern und meinem Ehe- oder Lebenspartner?

Es ist der Glaube, der in der Liebe tätig ist!

Wer den Schatz des Glaubens sucht, muss tief ackern um ihn zu finden. Oberflächliche Beschäftigung mit Gott, die nur am Sonntag oder zu allen heiligen drei Zeiten stattfindet, wird kaum einen festen Glauben bewirken.
Nein, das Himmelreich möchte in unseren Alltag hinein.

In einer nicht sehr bekannten Stelle wird ein Wort Jesu überliefert: „wer den Stein hebt, wird mich finden; wer das Holz spaltet wird, wird mich sehen.“ Christus ist anwesend, wenn der Steinmetz den Stein behaut und der Zimmerman das Holz bearbeitet; wenn der Verkäufer seine Ware anbietet; wenn der Manager das Unternehmen leitet; wenn der Künstler sein Talent ausübt und wenn der Koch in der Küche das Essen zubereitet. Gott ist gegenwärtig!

Glück und Befriedigung soll unsere tägliche Beschäftigung hervorbringen in Verbindung mit unserem Glauben an die Gegenwart Jesu Christi. Das ist unser himmlischer Schatz …

Das Gleichnis von der kostbaren Perle:

>>Mit dem Himmelreich ist es, wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte dafür diese eine Perle<<.

Die Perle stellt noch heute den kostbarsten Schmuck dar an dem sich Menschen erfreuen können. Sie wird betrachtet und bewundert. Der Vergleich des Himmelreiches mit der kostbaren Perle ist der schönste Vergleich von allen Gleichnissen. Er meint, es gibt nichts Schöneres auf der Welt als das Reich Gottes. Jesus Christus führt uns ins Himmelreich. Das ist die frohe Botschaft für alle, die an ihn glauben. Das Evangelium von Jesus ist diese kostbare Perle.

In der Nachfolge Jesu haben wir auch mit mühsamen und schmerzhaften Folgen zu rechnen. Aber sie sind nicht das Letzte. Dahinter steht etwas mit solcher Schönheit, wie sie sonst nirgends anzutreffen ist.

John Wesley behauptete: „der Glaube an das Evangelium Jesu Christi ist die heiterste und fröhlichste Sache der Welt. Es ist Liebe, Friede und Freude im Heiligen Geist. Es ist völlig unvereinbar mit Griesgrämigkeit, Missmut, Hartherzigkeit und allem, was nicht der Sanftmut, Güte und Freundlichkeit Jesu entspricht.“

In Jesus Christus bietet Gott sein Kostbarstes an. Jesus ist diese Perle. Wer sonst?
Seine Schönheit bringt unsere Seele zum Singen und unseren Körper zum Tanzen.  In ihm erfüllen sich Gottes Verheißungen für uns. Amen

 

Nachspann:
Vielleicht kann es gelingen, dass unsere Seele spürt, wie wertvoll die Hingabe an Christus ist. Ich lese einige Verheißungen, die wir für uns persönlich nehmen dürfen vor. Chang-Jun wird diese Texte mit dem Refrain des Liedes 137 unterstreichen.