26. September 2017

Gottesdienst am 13. August 2017

13. August 2017
10:00bis11:00

Predigt: Pastor Mag Christoph Petau

zu Mt 14,22-33 (Röm 10,5-15)

„Das Boot wurde von den Wellen hin und her geworfen, denn sie hatten Gegenwind“. So wird in dieser Wundererzählung das Leben beschrieben. Wie das Leben ist der See rau, unwirtlich, gefährlich und unberechenbar. Nicht immer gibt der See her, was man zum Leben braucht. Nicht immer sind Fische im Netz. Die Felder am See sind schwer zu bewässern. Oft ist alle Arbeit umsonst. Drei Nachtwachen auf einem kleinen See treibt Einem schon die Verzweiflung in die Augen. Da müsste das Ufer schon längst erreicht sein. Am Ende alles umsonst. Und das nach gemeinsamer Kraftanstrengung! Aber gehen wir an den Anfang der Geschichte.

Gleich darauf forderte er die Jünger auf, ins Boot zu steigen…Dabei hätte es ein schöner Abend werden können. 5000 Männer, dazu Frauen und Kinder hatten das Brotwunder erlebt. 12 Körbe Brotstücke wurden noch eingesammelt. Es hätte ein schöner Abend sein können. Und auch Tage danach hätte man gut gelebt. Kein ausruhen nach bewirten und aufräumen.

Jetzt schickt er sie voraus. Allein, ohne ihn. Dabei waren sie immer gemeinsam unterwegs. Jetzt schickt er sie ins Leben. Mit all den Widrigkeiten. Als „Wandern im finsteren Tal“ beschreibt etwa der Beter/die Beterin des Psalms 139 das Leben. Der Weg des Lebens kommt uns bei weitem nicht immer freundlich entgegen, wie ich es in Anlehnung an einen irischen Segenswunsch sage.

3 Nachtwachen, 6 bis 9 Stunden am sonst kleinen, harmlosen See. Die Jünger meistern die Situation durch Arbeitsteilung in Wachen und Ruhen, am Steuer, Ausguck und Ruder. Sie entlasten und helfen sich gegenseitig. Schicken manch Stoßgebet in der Nacht gen Himmel. Zittern und zagen in widrigen Umständen auf dem See des Lebens. Sie segeln miteinander. Das ist das erste Wunder dieser Erzählung.

Wunder Nummer 2: Jesus betet und scheint von all dem nichts mitzubekommen. Wären die Jünger dabei gewesen, wären sie vielleicht eingeschlafen (was ja an anderer Stelle passiert ist). In der ihm eigenen Kraft geht Jesus ihnen entgegen. Er nimmt die Angst, sagt: Fürchtet euch nicht! Und bevor er ins Boot steigt, geschieht Wunder 3.

„Komm!“ Petrus geht, zweifelt und strauchelt. Jesus streckt die Hand. Geht mit ins Boot. Der Sturm legt sich. „Du bist Gottes Sohn“, bekennen die Jünger. Das ist das wunderbare an dieser Geschichte: Jesus traut uns zu, auf dem Wasser des Lebens frei zu gehen mit Kraft, Mut, Geduld, Ausdauer, Zweifel, Courage… Er muss nicht im Boot sitzen, aber wir wissen ihn an Bord.

Leben ist mehr. Darin kommt Jesus auf uns zu. Mal leise wie ein Windhauch, mal tanzend auf den Wellen und er traut uns zu das Boot des Lebens zu meistern.

Ich muss gestehen: Die Sprache des Römerbriefes ist mir heute „schwerlastig“. Und auch in dem Kommentar von Karl Barth (1922), ein theologischer Klassiker, finde ich nicht meine Sprache. Schließlich fällt mir die heutige Lesung im Kommentar unter der Überschrift „Das Licht in der Finsternis“ auf. Möge uns der Glaube ein Licht in der Finsternis sein. Bei der Fahrt auf dem See oder auf dem offenen Meer.