24. Januar 2018

Christmette 24. Dezember 2017

24. Dezember 2017
22:00bis23:00

Pastor Mag Christoph Petau

zu Röm 16,25-27 und Lk 2,1-20

Das Vaterunser ist in die Diskussion geraten. Die römisch-katholischen Bischöfe der französischsprachigen Schweiz haben eine neue Übersetzung der letzten Vaterunser Bitte in die Liturgie eingeführt: „…und lass uns nicht in Versuchung geraten.“ Peter Graf schlägt in Publik Forum Nr. 22/2017 (24. 11) eine eigene Übersetzung vor: “Und überlasse uns nicht der Prüfung, sondern befreie uns von dem Übel.“

In der Folgenummer spricht sich Norbert Mette mit Blick auf die Reich-Gottes-Verkündigung Jesu für einen Beibehalt der Übersetzung aus. „“Führe uns nicht in Versuchung!“ So zu beten heißt, sich der Realität von Versuchungen und ihren verhängnisvollen Auswirkungen zu stellen, in der Hoffnung, dass angesichts des tatkräftig erbetenen Reiches Gottes nicht Gewalt, Zerstörung und Vernichtung das letzte Wort behalten.“

Kein theologischer Weihnachtsfriede also über dem Stall von Bethlehem. Auch ich selbst komme bei dieser Bitte in Erklärungsnot, stoße mich am Text, oder gerate ins Stolpern. Beten meint einüben in die größere Wirklichkeit Gottes, meint Suche nach dem, was Frieden schafft. Für diese Wirklichkeit findet der Heilige Benedikt ein ausdruckstarkes Bild. Öffne das Ohr deines Herzens, suche den Frieden und jage ihm nach. So lebe ich mit der gewachsenen Form des Vaterunsers seit Kindertagen.

Menschen machen sich immer wieder zum neugeborenen König auf, dem Retter, dem Messias und Herrn. Er hat die Macht uns Kraft zu geben. Damit weist der Text der heutigen Lesungen in den Abschluss des Vaterunsers. Lasst uns also beten, wie Jesus uns beten gelehrt hat:

Unser Vater, himmlischer du,

Was du bist, das gelte,

was du wirkst, das komme,

was du willst, geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser Brot für morgen

gib uns heute,

und lass uns nach,

was wir verschuldet,

wie auch wir hiermit

nachlassen denen,

die sich uns verschuldet.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern entreiße uns dem Bösen.

(Eugen Drewermann)

Denn dein ist das Reich

und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Sind Sie mit dieser  Übersetzung aus  dem   Matthäusevangelium nun völlig  verwirrt,   oder  näher an dem, wie Jesus uns beten gelehrt hat?

Wir werden das Vaterunser weiterhin gemeinsam beten. So wie es für den Gebrauch im Gottesdienst gewachsen ist. Dieses Gebet ist dreigeteilt. Die ersten Bitten haben Gott im Blickfeld, dann beten wir um das das, was wir täglich brauchen. Unser Mensch-Sein geht in das Gebet ein. Schließlich öffnet sich der Blick für den Kosmos: Reich, Kraft und Herrlichkeit.

Gott im Blickfeld: Das Kind in der Krippe lehrt uns beten. Unser Vater. Name, Reich und Wille sind die nächsten Hauptwörter. Gott Wirklichkeit werden lassen, ist die Einladung dieser Weihnacht.

Mensch-Sein: Dazu gehören wieder drei Dinge: Die tägliche Nahrung, Vergebung der Schuld, Augenmerk auf Widergöttliche Kräfte. Menschwerdung ist die täglich neue Botschaft der Heiligen Nacht.

Blick für den Kosmos: Aus den Büchern der Propheten ist der letzte Vers in das Vaterunser gekommen. Dies ist mehr als ein abschließendes Bekenntnis. Als Menschen in der Nachfolge sind wir eingeladen, an dieser Schöpfung mitzubauen, sind eingeladen, diese Welt enkeltauglich zu hinterlassen. So schließt unser Soziales Bekenntnis mit dem Satz: Wir nehmen seinen Auftrag an, das Evangelium in unserer Welt zu leben.

Himmeloffen und erdenschwer ist so der Gang nach Bethlehem. Mögen in dieser Region der Welt Frieden und Gerechtigkeit sich endlich umarmen.

 

 

Literaturhinweis:

Soziales Bekenntnis, in Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche. Stuttgart u.a. 2002, S. 1342f

Eugen Drewermann. Das Vaterunser. München 1993

Publik Forum. Zeitschrift, herausgegeben von der Leserinitiative Publik Forum, Oberursel Nr. 22 und 23 2017