17. Juli 2018

Gottesdienst am 7. Jänner 2018

Bundesschlussgottesdienst – Frank Moritz-Jauk

In deine Hände …

Liebe Gemeinde, wir feiern heute den Gottesdienst zur Erneuerung des Bundes und tatsächlich sind wir an der Stelle in der Liturgie angelangt an der es heißt Predigt oder Zeugnis. Viele Jahre habe ich mich vor diesem Gottesdienst gefürchtet. Warum gefürchtet?

Weil ich wußte, dass ich beim letzten Teil aussteigen würde. Dass ich innerlich nicht bereit war, mich ganz Gott zur Verfügung zu stellen. Oder war mir das Bekenntnis schlicht zu radikal?

Wie kann ich sehenden Auges, wachen Verstandes sagen „ stelle mich für dich zur Seite, lass mich nichts sein…..

Wie kann ein Mensch dankbar sein für das Leid? Wer leidet schon gern?

Die gleichen Probleme hatte ich auch immer beim Bonhoeffer „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ Dort heißt es ja in der 3. Strophe: „Und reichst du uns den vollen Kelch den bittren, gefüllt mit leid bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern, aus deiner guten und geliebten Hand.“

So ein Quatsch, habe ich mir lange gedacht: Leid akzeptieren, damit zurecht kommen ok. Aber dankbar sein dafür? Und außerdem, kommt denn das Leid von Gott? Sind dafür nicht andere Mächte verantwortlich?

So hatte ich Jahr für Jahr ein Problem mit dem Gottesdienst zur Erneuerung des Bundes. Ich war gespalten. Einerseits fand ich die Idee des Bundes, der Selbstverpflichtung, der Ernsthaftigkeit attraktiv und geeignet meine Beziehung zu Gott zu festigen, verbindlicher und damit vertrauenswürdiger zu machen. Und anderseits hatte ich einen inneren Widerstand, mich ganz Gott auszuliefern. Ja ich empfand es als Auslieferung und Selbstaufgabe. Noch dazu diese ausgesprochene Verpflichtung auch zu leiden oder Scham und Verspottung zu ertragen.

Also habe ich an dieser Stelle immer brav den Mund gehalten. Denn so ehrlich wollte ich sein, dass ich nichts ausspreche, was ich innerlich garnicht gut heiße.

Wie es meinem Naturell und meiner Herkunft entspricht, konnte ich es natürlich nicht einfach stehen lassen, sondern es hat mich geärgert. Von außen betrachtet fand ich es eine Zumutung. Von innen betrachtet hatte ich das Gefühl, ich gehöre nicht dazu, weil ich das nicht bekennen oder glauben ,oder beides, wollte. Was ist dann passiert?

Ganz genau kann ich es nicht sagen, aber vielleicht hat es die lange Zeit ohne fixe Anstellung gebraucht, vielleicht das Scheitern einiger Projekte die ich mir ausgedacht hatte. Ganz sicher hat auch die Anfrage von Anke, ob ich mir eine Karenzvertretung vorstellen kann etwas damit zu tun. Mehrere Dinge haben dazu beigetragen, dass ich an einem der vergangenen Gottesdienste zur Erneuerung des Bundes plötzlich mit leeren Händen dastehen konnte. Mit leeren, offenen Händen.

Bereit, etwa zu empfangen, was ich nicht selbst machen wollte.

Bereit mich Gott anzuvertrauen und zwar in der fröhlichen, freudigen Erwartung, dass das gut ist.

Meine Perspektive, mein Blickwinkel hatte sich verändert.

Ich liefere mich Gott aus, aber eben nicht mehr in der Erwartung oder Befürchtung, dass ich dann möglichst viel leiden, möglichst viel erdulden, möglichst viel aushalten werde müssen, sondern ich liefere mich Gott aus, weil er mich zuerst geliebt hat.

Heute denke ich, dass der Text den ich nachher sprechen werde, möglichst nahe das aufgreifen will, was Jesus bereit war für mich zu tun. Weil Jesus bereit war, für mich zu leiden, deshalb möchte auch ich bereit sein zu leiden. Weil Jesus Spott und Hohn ertragen hat, möchte auch ich in der Lage sein, Spott und Hohn auszuhalten. Weil Jesus bereit war bis ans Kreuz zu gehen, möchte auch ich mich von Gott dorthin stellen lassen, wo er mich haben möchte.

Aber liebe Gemeinde, heute bin ich mir mehr denn je, oder mehr als früher bewusst, dass diese Worte leere, bedeutungslose, unerfüllbare Versprechen sind, wenn Gott nicht bei uns bleibt. Denn die Leere ist nur erträglich mit Gott, das Beiseite stehen hat nur Sinn in Gemeinschaft mit ihm und über allem bleibt: Wer von euch würde seinem Kind eine Schlange geben, wenn es um ein Stück Brot bittet, oder eine Skorpion, wenn es um einen Fisch bittet.?

Immer mehr sehe ich bei all den Worten, die undenkbar sind ohne Gottes Beistand dieses Bild der auffangenden Hände vor mir. Manche von euch haben es wahrscheinlich schon gemacht in ihrem Leben, dieses Gruppenspiel, wo man sich mit geschlossenen Augen fallen lässt. Hoffend und vertrauend, dass einen die anderen auffangen werden.

Das ist für mich zum Kern des Bundesschlusses geworden: Bin ich bereit mich fallen zu lassen?

In Gottes Hände. Ja Gott ich bin bereit mich wieder fallen zu lassen. In deine Hände.