24. September 2018

Gottesdienst am 8. April 2018

Predigt: Pastor Bruno GasperEnglish

Oster-Gottesdienst

Einstieg: Vor zwei Wochen haben wir das Nouruz-Fest, das persische Neujahr gefeiert. Es bezieht sich auf das Frühlingserwachen – das heuer noch nicht in den Kalender geschaut hat. Ostern wird ja auch gerne mit dem Frühlingserwachen in Beziehung gesetzt. Das Osterei symbolisiert den Kreislauf von Aufblühen und Verwelken, von Geborenwerden und Sterben.

Aber die Natur ist nicht wirklich ein Zeichen für das Ostergeschehen. Ostern hat nichts mit dem Kreislauf von Werden und Vergehen zu tun. An Ostern wird dieser Kreislauf aufgebrochen. Jesus Christus ist auferweckt worden von den Toten!

Wie mit der Natur ist es auch mit unserem heutigen Predigttext. Er spricht nicht wirklich über den Durchbruch der Auferstehung, aber er nähert sich ihm an. Es geht um die Geschichte von Hanna und ihrem Sohn Samuel. Sie hat lange keine Kinder bekommen können. Diese Kinderlosigkeit hat sie regelrecht krank gemacht. Bis sie vom Priester Eli – unwissentlich – gesagt bekam: Gott wird dir deine Bitte erfüllen (1. Sam. 1,17). So wurde ein Jahr später Samuel geboren, wo zuvor der natürlich Schoß der Hanna verschlossen war. Nach wenigen Jahren brachte sie Samuel zum Heiligtum. Er sollte Gott gehören und Priester werden.

An diesem Tag, als Hanna ihn im Tempel zu Silo abgeliefert hat, betete sie diesen Lobgesang:

Text:

> Hanna betete: »Mein Herz jubelt über den Herrn, er hat mich wieder aufgerichtet und mich gestärkt! Jetzt kann ich über meine Feinde lachen. Ich bin voller Freude, weil er mir geholfen hat.2 Der Herr allein ist heilig; es gibt keinen Gott außer ihm. Auf nichts ist so felsenfest Verlass wie auf ihn, unseren Gott.3 Tut nicht so groß! Spielt euch nicht so auf! Prahlt nicht so frech mit euren Plänen! Der Herr ist ein Gott, der euer Treiben kennt; er prüft alle eure Taten.4 Starken Männern zerbricht er die Waffen; Schwachen und Entmutigten gibt er neue Kraft.5 Reiche müssen auf einmal ihr Brot mit eigener Hand verdienen; Arme müssen nicht mehr hungern und können feiern. Die Frau, die kinderlos war, bringt sieben Kinder zur Welt, doch die Kinderreiche behält nicht eines.6 Der Herr tötet und macht lebendig, er verbannt in die Totenwelt und er ruft aus dem Tod ins Leben zurück. 7 Er macht arm und er macht reich, er bringt die einen zu Fall und andere erhöht er.8 Die Armen holt er aus der Not, die Hilflosen heraus aus ihrem Elend; er lässt sie aufsteigen in den Kreis der Angesehenen und gibt ihnen einen Ehrenplatz. Denn die Grundpfeiler der Erde gehören dem Herrn; auf ihnen hat er die Erde errichtet.9 Der Herr leitet und schützt alle, die ihm vertrauen; aber seine Feinde enden in Finsternis, denn kein Mensch erreicht etwas aus eigener Kraft.10 Alle, die mit dem Herrn streiten, gehen zugrunde; er lässt im Himmel seinen Donner gegen sie grollen. Der Herr hält Gericht über die ganze Erde. Er hat seinen König erwählt und gesalbt, darum gibt er ihm große Kraft.«<

Nun ja, es ist nicht ein Osterbericht, wie wir ihn in der Lesung gehört haben. Es geht um ein privates Geschehen der Hanna. Aber es ist ein Lob auf den Gott, der es Ostern werden ließ, und der den alten Kreislauf von Werden und Vergehen, von Können und Versagen aufgebrochen hat.

  1. Ostern durchbricht den Kreislauf von Leben und Sterben

Wir haben uns daran gewöhnt, vom ersten Klaps auf den Po, vom ersten Schrei des Babys läuft die Uhr. Wie in der Sanduhr rieselt Sekunde für Sekunde unser Leben dahin. Bis die Zeit abgelaufen ist. Dann ist Schluss. Unser Weiterleben ist zu Ende. Das geht höchstens noch in den Nachkommen weiter.

Das war auch Hannas schweres Los. Als Frau ohne eigenes Kind/ eigene Kinder hatte sie damals keine Würde und keinen Wert. Es wurde ihr noch unterstellt von Gott bestraft zu werden. Eine Ehe ohne Kinder galt als sinnlos. Kinder waren die Absicherung fürs Alter, ohne Kinder keine Zukunft, kein Weiterleben.

Das gibt es selbst heute noch, dass Paare unter ihrer Kinderlosigkeit leiden. Zum Glück hängt die Würde der Frau aber nicht mehr allein an ihren Kindern. Leben und Ehe können auch ohne Kinder Sinn ergeben. Viele finden auch das Ja zu dieser Last.

Für Hanna war das undenkbar. Ohne Kinder war sie abgeschnitten vom Leben, gewissermaßen lebendig tot. Und jede jährliche Reise zum Heiligtum nach Silo, wo sie schon wieder ohne Kind auftauchte, war für sie wie der Gang ans Grab. Sehr schmerzvoll!

Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben. Gefangen vom Kreislauf des Leben und Sterben-Müssens. In diesen Kreislauf hat Gott seinen Sohn hineingeboren. Jesus ist ins Leben gekommen und hat den Tod erlitten. Aber dann hat Gott den Kreislauf durchbrochen. Er hat seinen Sohn aus dem Tod erweckt. Der Tod wird zur Tür, zum Durchgang ins neue Leben.

Die ersten Zeugen der Auferstehung haben lange gebraucht, bis sie es glauben konnten. Und noch länger hat es gedauert, bis sie verstanden haben, was die Auferstehung Jesu für Folgen hat.

> Ich lebe, und ihr sollt auch leben.< (Joh. 14,19) sagt Jesus. Der Tod hat nicht das letzte Wort zu sprechen, sondern der Gott, der seinen Sohn aus dem Tod gerufen hat. Das Grab Jesu war am Ostermorgen leer, und so werden auch die Gräber der Gläubigen einmal leer sein.

> Der Herr tötet und macht lebendig, er verbannt in die Totenwelt und er ruft aus dem Tod ins Leben zurück. < (6) Eigentlich müssen wir von Auferweckung reden, anstatt von Auferstehung. Denn nicht Menschen erstehen auf zum Leben, sondern Gott (er)weckt sie zum Leben.

Ostern heißt nicht, dass Menschen aus dem Kreislauf von Leben und Sterben aussteigen, sondern dass Gott ihn aufbricht. Dem Tod gegenüber sind wir Menschen ohnmächtig; Gott macht das Unmögliche möglich.

      2. Ostern durchbricht den Kreislauf von Hoffen und Zweifeln

In den Akten der römischen Justiz wurde nur Jesu Sterben vermerkt. Der Tod ist also nach wie vor amtlich, die Auferstehung aber nicht. Sie gehört nicht zu den offiziellen Daten unserer Geschichte, nicht zu den faktischen Gegebenheiten unseres Lebens. Wir können nur hoffen, mehr nicht.

Um uns herum erleben wir weiterhin Krieg und Hunger und Unrecht, dass es einem schlecht wird – allein von den Bildern im Fernsehen. Und wie oft mussten wir auf dem Friedhof sagen: > Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub? < Man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben – sagt man. Und dann wird doch der Zweifel stärker als die Hoffnung.

Stimmt das mit dem neuen Leben? Kann das überhaupt sein? > Die Armen holt er aus der Not, die Hilflosen heraus aus ihrem Elend; er lässt sie aufsteigen in den Kreis der Angesehenen und gibt ihnen einen Ehrenplatz. < Kann das sein, dass aus Staub und Asche neues Leben erweckt wird?

Für unser Denken, für unseren Verstand kann das nicht sein. Denn unser Denken setzt die Gesetzmäßigkeiten der Natur voraus, und da hat es das noch nie gegeben, dass einer nach drei Tagen plötzlich wieder gelebt hat. Unsere Erfahrung spricht gegen Ostern.

Hanna lobt den Gott, der die Grundfesten der Welt gelegt hat, der selber die Gesetzmäßigkeiten der Natur bestimmt hat: > Denn die Grundpfeiler der Erde gehören dem Herrn; auf ihnen hat er die Erde errichtet. < Sollte dem Schöpfer der Welt etwas unmöglich sein, nur weil es uns unmöglich scheint? Unsere Erfahrung, unser Denken, kann kaum der Maßstab dafür sein, was möglich und was wirklich ist.

Ostern bricht den ewigen Kreislauf von Hoffen und Zweifeln auf. > Ich lebe, und ihr sollt auch leben<, spricht Jesus.

      3.  Ostern durchbricht den Kreislauf von Jubeln und Klagen

> Alles hat seine Zeit< – so lautet die Lebenserfahrung des Predigers Salomo. Lachen hat seine Zeit, Weinen hat seine Zeit. Und so leben wir unser Leben; mal bestimmen uns die Freude und der Jubel, mal drückt uns die Trauer und verschließt uns den Mund.

Ostern bricht diesen Kreislauf auf. > In dir ist Freude in allem Leide< haben wir vor kurzem noch gesungen. Oder mit Hannas Worten: > Mein Herz jubelt über den Herrn, er hat mich wieder aufgerichtet und mich gestärkt! <.
Ostern heißt: Das Leben behält den Sieg. Diese Gewissheit lässt jubeln. Und wir dürfen, auch angesichts des Todes und seiner Schatten, auf das Ziel bei Gott schauen und ihn loben.

Wenn Ärzte nicht weiterwissen – Jesus sagt: > …und ihr sollt auch leben. <

Wenn keiner mehr sieht, wie es je besser werden kann – wir können trotzdem singen > Ich weiß, dass mein Erlöser lebt! <

Beispiel: Ein afrikanischer Christ musste seine 16jährige Tochter beerdigen; er hat ein kleines Kreuz auf das Grab gestellt mit der Aufschrift: > Der Tod hat keine Hände. < Auf die Frage, was das bedeuten soll, erklärte er: Der Tod kann uns nicht festhalten. Irgendwann muss er meine Tochter wieder hergeben. Und dann werden wir uns wiedersehen.

Gott gebe uns Augen, um seine Möglichkeiten zu sehen und nicht vor unseren Unmöglichkeiten zu kapitulieren. Gott gebe uns Hoffnung, die seiner Macht vertraut und sich nicht von unserer Ohnmacht den Blick verdecken lässt. Und Gott gebe uns ein Herz, ihn zu preisen als den Herrn des Lebens, so wie Hanna es getan hat.