24. September 2018

Gottesdienst am 15. April 2018

Predigt: Frank Moritz-Jauk

Lukas 24, 36-49               Jesus ist der Christus, glaubst du das?

Liebe Gemeinde, wir haben heute zwei Texte gehört, die in klaren und unmissverständlichen Worten die Auferstehung von Jesus Christus bezeugen. Im Lukasevangelium geht es noch darum, dass die Jünger selbst endlich begreifen – wortwörtlich begreifen – was hier passiert. Und dann, wer Jesus wirklich ist.

Im Abschnitt aus der Apostelgeschichte verkündigt Petrus diese Erkenntnis schon den Leuten von Israel, die eben erlebt haben, dass ein Gelähmter wegen Jesus wieder gehen kann. Auch hier geht es darum, dass Jesus wirklich auferstanden ist und wer er ist.

Warum durch Jesus solche machtvollen Wunder geschehen können. Wer ist Jesus?

Darum geht es heute und ich möchte daher wirklich bei der Ostergeschichte ansetzen und werde mich hauptsächlich auf das Lukasevangelium beziehen. Das Thema ist:  Jesus, der zum Christus wird. Wann dieser Zeitpunkt exakt ist und ob Jesus das nicht schon von Anbeginn der Zeiten immer war, soll hier nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Mein Thema heute ist, wann er für die Jünger, wann er für Menschen, wann er für uns zum Christus wird. Wann er für uns zum Retter wird.

Denn – und hier hole ich vielleicht für manche wiederholend aus, aber es ist mir wichtig, dass wir alle vom gleichen Wissensstand ausgehen – denn Jesus Christus ist kein normaler Name. Christus ist kein Nachname. So wie Müller oder Moritz-Jauk. Sondern Christus bedeutet: Der Gesalbte. Es ist die lateinisierte Form des Christos. Der griechischen Übersetzung des hebräischen Wortes Messias. Messias: Der Gesalbte. Dieser Messias ist aber nicht irgendein Gesalbter, sondern der endzeitliche Retter, der das Gottesvolk, die Juden, erretten wird.

Christus, ist also in Wirklichkeit ein Ehrentitel, der Jesus verliehen wurde. Ein Ehrentitel mit dem wir ihn heute ganz selbstverständlich bezeichnen. Aber es ist dieser Ehrentitel der besagt, dass Jesus dieser Messias, dieser endzeitliche Retter ist.

So, damit sind wir beim Kern, beim Urgrund christlichen Glaubens angelangt. Nicht nur das, sondern wir sind an einem Wendepunkt der Geschichte angelangt. Sehr gut ersichtlich daran, dass es sich weltweit durchgesetzt hat, dass wir unsere Geschichte, unsere Zeitrechnung an Jesus festmachen. Wir zählen die Jahre vor seiner Geburt und wir zählen die Jahre nach seiner Geburt. Jedes geschichtliche Ereignis, unsere gesamte menschheitliche Erinnerung, macht sich an diesem Datum fest. Im englischen schön sichtbar an der Bezeichnung AC und BC: Die Zeit After Christ und die Zeit Before Christ.

Es ist also ein epochales, ein welterschütterndes Ereignis, das sich in Jesus Christus vollzieht. Und das sollen die Menschen, die mit Jesus zusammen waren, die mit ihm geredet, gelacht und gegessen haben jetzt begreifen. Das wird ihnen zugemutet. Und es wird ihnen eben noch mehr zugemutet, als dass sie einen Toten nach drei Tagen wieder lebendig unter sich haben. Jesus, den sie berühren können, der mit ihnen redet und ihnen zum Beweis auch noch ein Stück Fisch isst. Es wird ihnen zugemutet, dass sich Jesus als der Messias erweist. Mir ist wichtig, dass wir das wahrnehmen. Es sind ja nur wenige Zeilen, wenige Verse in denen uns das berichtet wird. Was den Jüngern hier zugemutet wird ist, dass sie dem Weltenretter gegenüber stehen. Nicht irgendeinem Menschen, der eben von den Toten auferweckt wurde, wie Lazarus zum Beispiel. Lazerus, der Bruder von Maria und Martha, der von Jesus auferweckt wurde.

Oder wie der Sohn der Witwe in Sarepta, der vom Propheten Elia auferweckt wurde. (1.Kön 17, 17-24)

Nein, die Auferweckung allein ist es eben nicht!

Die Auferweckung von Jesus, sagt, dass der Tod Jesus nicht festhalten konnte. Dass die Kreuzigung nicht der Endpunkt ist. Dass Jesus die Wahrheit gesagt hat.

Aber das Entscheidenden ist, dass wir genau hier am Beginn der Heilsgeschichte stehen. Zeitlich gesehen. Für uns Menschen beginnt hier eine neue Zeit. Wann Gott diesen Weg beschloßen hat, wissen wir nicht, aber für uns Menschen beginnt hier eine neue Geschichte. Aus einem Weg, der aussah, als ob er mit dem Tod von Jesus ein Ende hatte, ist ein Neuanfang geworden.

Aus dem Scheitern ein Triumph. Aus dem Kreuz eine Erhöhung. Aus dem Schandpfahl ein Siegeszeichen. Wie war es möglich, dass die Jünger das glauben konnten?

Nun, für die Auferstehung hat ihnen Jesus echte, handgreifliche Beweise geliefert. Sie durften sich die Hände und Füße ansehen und Jesus berühren.

Aber wie konnten sie glauben, dass ihr auferstandener Rabbi wirklich der verheißene und ersehnte Messias ist? Ich finde diese Frage deshalb so wichtig, weil sie einen entscheidenden Hinweis darauf liefert, wie auch wir heute unseren Glauben finden. Wie auch wir glauben können.

Im Evangelium heißt es: „Alles, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben ist, muss sich erfüllen.“ aber der entscheidende Satz kommt jetzt: „Und er öffnete ihnen das Verständnis für die Schrift, sodass sie verstehen konnten.“ Jesus bewirkt, dass sie verstehen, nicht nur lesen oder zur Kenntnis nehmen, sondern dass sie verstehen können. Jetzt könnte man einwenden, dass dieses Verstehen aus der Schrift heraus, doch nur für die Juden von Bedeutung ist. Dem möchte ich widersprechen, denn es macht für mich schon Sinn, dass unsere Bibel nicht nur die Texte des neuen Testaments umfasst. Auch wir kennen die Texte des alten Testaments, auch wir können den Spuren nachgehen die uns gegeben sind. Denn das Entscheidende ist: Wir Menschen wollen verstehen. Der Wunsch zu verstehen ist uns in die Wiege gelegt und untrennbar mit unserer Existenz verbunden. Dieses Verstehen ist meiner Ansicht nach auch mit unserer Erinnerungsfähigkeit verbunden. Unserer Erinnerungsfähigkeit, das heißt mit unserer Fähigkeit oder Möglichkeit auf erworbenes Wissen zurückgreifen zu können. Es wird schon Ausnahmen zu dieses These geben, aber in der Regel ist es doch so, dass wir uns die Dinge besser merken können, die wir verstanden haben.

Mir fällt dazu meine eigene Schulzeit ein. Dinge die ich verstanden habe, kann ich heute noch. Eins plus eins ist zwei und zwei minus eins ist eins. Das sind simple mathematische Regeln, die man verstehen kann. Die auch ich verstanden habe. Aber in welchem Jahr welcher König dem anderen König den Krieg erklärt hat, kann ich nicht mehr sagen. Hier gab es ja nichts zu verstehen. Hier musste ich die Zahl auswendig lernen, um sie in der Schularbeit widergeben zu können. Aber verstanden habe ich nicht, warum ein König dem anderen König den Krieg erklären muss. Das verstehe ich ja heute noch nicht.

Das es beim Verstehen um ein ganz wichtiges, elementares Bedürfnis des Menschen geht, können wir schon im Schöpfungs-bericht der Bibel sehen: Wie war der Name des Baumes, von dessen Frucht der Mensch unbedingt kosten wollte? Richtig, es war nicht der Baum des Wohlstands, auch nicht der Baum der unbegrenzten Möglichkeiten, sondern es war der Baum der Erkenntnis.

Menschen wollen erkennen, Menschen wollen verstehen. Und in diesem Prozess werden wir zeitweilig auch die Grenzen unseres Verstehens wahrnehmen. Ein Beispiel dazu?

Unser Leben ist endlich, wir alle wissen, dass wir sterben werden. Daher können wir uns die Unendlichkeit eigentlich garnicht vorstellen. Die größte Zahl der Welt? Was ist wenn ich eins dazu zähle. Die unendliche Weite des Universums? Was kommt dahinter? Es gibt eine nette Geschichte zur Dauer der Ewigkeit welche die Märchenerzähler Grimm überliefert haben: Ein Hirtenjunge wird vom König gefragt, wieviele Sekunden die Ewigkeit zählt und er antwortet darauf: “In Hinterpommern liegt der Demantberg, der hat eine Stunde in die Höhe, eine Stunde in die Breite und eine Stunde in die Tiefe. Dahin kommt alle hundert Jahr ein Vögelein und wetzt sein Schnäbelein daran, und wenn der ganze Berg abgewetzt ist, dann ist die erste Sekunde der Ewigkeit vergangen.“

Wenn wir nochmal zum Text zurückkehren und uns die Bedeutung der Nachricht vor Augen stellen die hier verkündigt wird, ist – wahrscheinlich – auch so eine Grenze des Verstehens erreicht. Jesus ist der Messias, der Weltenretter. Und zwar nicht nur für die Jünger die das von Jesus hören, sondern „in Jesu Namen sollen alle Völker zur Umkehr aufgerufen werden, damit sie Vergebung ihrer Sünden empfangen.“ Vers 47 der heutigen Lesung. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass diese Zusage für alle Menschen gedacht ist.

Für alle Menschen, das heißt für dich und für mich. Für alle, das heißt für alle, die vor uns waren und für alle, die nach uns kommen werden. Angesichts dieser Dimensionen sind wir schon versucht auszurufen: „Das ist ja unfassbar!“ oder „Das ist ja unglaublich.“ Eben, mit unserem Verstand ist es nicht fassbar und es ist der Glaube der uns diese Dimension erschließt. Es wäre unglaublich, wenn nicht Jesus selbst das Verständnis öffnet. Das ist die zweite große Botschaft unseres heutigen Textes. Die erste große Botschaft war: Ich, Jesus, bin der Christus. Die zweite große Botschaft ist, dass Jesus es ist, der dieses Verständnis ermöglicht. Und die dritte große Botschaft? Was ist denn das für eine Predigt, wenn jetzt nicht noch eine dritte große Botschaft kommt?

In der Tat ist die dritte große Botschaft, dass Gott einen Weg schafft, wie auch wir glauben können. Wir haben nicht Jesus, der uns das Verständnis der Schrift öffnet. Aber Jesus verheißt „die Kraft aus der Höhe, die er herabsenden wird, so wie es der Vater versprochen hat.“ (V49) Der Heilige Geist hilft uns die Schrift zu verstehen. Und was vielleicht noch viel wichtiger ist, ist die Erfahrung der Gottesnähe die wir mit dieser Kraft aus der Höhe machen. Auch heute noch machen können. Ich denke, das soll uns für heute genügen. Jesus, wie er zum Heil für alle Menschen wird. Ich fasse es nochmal folgendermaßen zusammen:

Erstens: Mir ist es wichtig, uns diesen von Gott gewirkten Moment, diesen Kairos, bewusst zu machen, an dem Jesus für die Menschen zum Christus, zum Weltenretter, wird. Zweitens: Erst als die Jünger das mit Jesu Hilfe verstehen, weil er ihnen das Verständnis der Schrift öffnet, können sie diese universelle, also für alle Menschen gültige, Botschaft weitergeben. Drittens: Es wird noch bis Pfingsten dauern, bis diese Kraft aus der Höhe kommen wird und diese Botschaft glaubbar, also für alle Menschen annehmbar machen wird.