22. Oktober 2018

Gottesdienst am 3. Juni 2018

Predigt: Pastor Frank Moritz-Jauk

1. Samuel 3, 1-20              Rede, denn dein Knecht hört                                                               

Liebe Gemeinde, wir feiern heute Gottesdienst, mit Abendmahl und wir feiern die Aufnahme von Michael Gnigler und Martin Möderl in die Bekennende Mitgliedschaft unserer Kirche. Für mich passt es sehr gut in die nachösterliche und nachpfingstliche Zeit, dass 2 Menschen sich öffentlich zu ihrem Glauben bekennen und sich zur Mitarbeit in der Kirche entschieden haben. Zeigen uns doch alle Lesungstexte an, dass es um dieses Bekenntnis zum Glauben, um die Bereitschaft zu hören und um den Entschluss geht, sich zur Verfügung zu stellen.

Letzten Sonntag haben wir von der Berufung des Propheten Jesaja gehört und „I the Lord of Sea and Sky“ gesungen. Heute haben wir von der Berufung des Propheten Samuel gehört und „I the Lord of Sea and Sky“ gesungen. Das ist nicht einfach passiert, weil ich vergessen habe, das Lied aus der Gottesdienstblattvorlage zu löschen. Nein, mir ist erstmalig klargeworden, dass dieses Lied nicht von einem, sondern von den beiden genannten Propheten handelt. Samuel hört die Stimme in der Nacht, „deinen Ruf vernahm ich in der Nacht“ und Jesaja antwortet: „Hier bin ich, sende mich Herr.“

Ich möchte heute in der Predigt die beiden Hauptelemente der Taufbekenntnisfeier, wie die Aufnahme auch genannt wird, aufgreifen: Bekenntnis und Dienst in Gemeinschaft. Persönlicher Glaube und Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, in diesem Fall der evangelisch-methodistischen Kirche als einem Zweig der einen Kirche Christi.

Wenn wir uns den Bekenntnisteil näher anschauen, dann entdecken wir mehrere Aspekte dieses Bekenntnisses. Da ist einmal das persönliche „Ja“. Es ist das persönliche „Ja“ eines urteilsfähigen, reifen Menschen, mit dem er auf die vorauseilende Gnade Gottes, die er in der Taufe empfangen hat, antwortet. Vorauseilende Gnade. Ein sehr typischer Begriff methodistischer Theologie. Was heißt das in einfachen Worten? Ganz vereinfacht, mit meinen eigenen Worten würde ich sagen: Gottes Gnade ist schon da, bevor ich verstehe was Gnade überhaupt ist. Gott liebt jeden Menschen von seinem ersten Herzschlag an. Gott ist dem Menschen von Anfang an gnädig zugewandt. Und das ist einer der Gründe, warum wir schon kleine Kinder taufen. Weil wir wissen, dass sie von Gott geliebt sind, obwohl sie das noch nicht vollständig begreifen können. Ich sage absichtlich vollständig, denn natürlich spürt ein Mensch, auch ein kleiner Mensch, ob er geliebt wird oder nicht. Es erschließt sich ihm vielleicht nicht die umfassende, unbegreiflich große, unendliche Liebe Gottes – aber die erfassen wir ja auch nicht. Einer der anderen Gründe, warum wir Kinder taufen ist, dass wir sie als vollwertige Mitglieder unserer Kirche sehen. Deshalb dürfen sie auch zum Abendmahl kommen. Mit der Taufe nehmen wir sie in die Gemeinschaft der Kirche auf. Sie sind vollständige Mitglieder. Das ist wirklich so. Für eine Steuernummer und die Möglichkeit der Absetzbarkeit des Kirchenbeitrages kann man auch getauftes Mitglied sein. Ich kann 50 Jahre alt sein und noch getauftes Mitglied dieser Kirche sein.

Wenn ich mich aber für eine bekennende Mitgliedschaft entscheide, dann bejahe ich sozusagen diesen Entschluss meiner Eltern. Oder ich lasse mich taufen, wenn das bis dahin nicht geschehen ist. In jedem Fall aber bekräftige ich mein eigenes Ja zum Glauben an Christus.

Das ist ein anderer Aspekt dieses Bekenntnisses: Ich bekenne öffentlich und vor Zeugen meinen Glauben.

Zugegeben, wir tun dies in einem sehr geschützten Rahmen, sozusagen unter Gleichgesinnten. Trotzdem macht es einen Riesenunterschied, ob ich nachher hier vorne stehe oder der Entschluss zuhause „im stillen Kämmerlein“ gefällt wurde. Was nur in meinen Gedanken zwischen mir und Gott passiert oder ausgemacht wurde, hat nicht die gleiche Kraft wie ein öffentliches Bekenntnis. Dem öffentlichen Bekenntnis bin ich in ganz anderer Weise verpflichtet. Alle die heute da sind, wissen was ich versprochen habe.

Aber weil diesem Entschluss ein ganz anderer Nachdenkprozess vorangegangen ist, hat dieser Entschluss auch einen anderen Stellenwert als ein privates Gedankenspiel.

„Hier stehe ich und kann nicht anders“ soll Luther gesagt haben. Aber auch wenn es nicht so dramatisch sein wird heute, so wird doch damit ein weiterer Aspekt – der dritte und letzte für heute – zu diesem Thema angesprochen. Wilfried Nausner, ehemaliger Pastor dieser Grazer Gemeinde und aktuell Superintendent von Mazedonien und Albanien hat gesagt: „Glaube will sich festmachen.“ Zumindest glaube ich, dass er das gesagt hat. Aber was darin auch für mich zum Ausdruck kommt ist der Aspekt des Bundes. Der Bund gehört zu den ganz wichtigen Handlungsweisen Gottes die sich durch die gesamte Heilige Schrift ziehen. Gott schließt einen Bund. Er sagt damit: Ich stehe zu meinem Wort. Was ich ausgemacht habe, das gilt, darauf kann man sich verlassen. Handschlagqualität.

Und dieses Festmachen gilt in beide Richtungen: Ich kann mich auf Gottes Zusagen verlassen. Und umgekehrt: Ich werde von Gott ernst genommen.

Kommen wir zum zweiten großen Teil und das ist der Dienst oder die Mitarbeit in der Kirche. Auch hier werde ich ohne Anspruch auf Vollständigkeit drei Aspekte von Kirche und von Dienst in der Kirche beleuchten.

Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass das Christentum von seinem Wesen her eine soziale Religion ist. Was meine ich damit?

Christlicher Glaube versteht sich meines Erachtens immer als Glaube in Beziehung. Immer wenn es um Liebe geht, dann geht es um Beziehung. Und das Doppelgebot der Liebe mit dem Jesus das Gesetz des Mose zusammenfasst sagt eben genau das: „Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand und du sollst deinen Nächsten / deine Nächste lieben, wie dich selbst.“ Dieses „deinen Nächsten / deine Nächste lieben, wie dich selbst“ ist der unumstößliche Beweis dafür, dass es eben nicht ausschließlich und vorrangig um uns und unser eigenes Seelenheil geht. Dass der Glaube nicht individuell ausgelegt ist, sondern sozial, das heißt in Beziehung zu anderen Menschen.

Jetzt kann man einwenden, dass diese Liebe zum Nächsten oder zur Nächsten ja nicht zwingend den Gottesdienstbesuch oder die Mitarbeit in einer Kirche vorraussetzt. Dazu sage ich mittlerweile, also auf Grund meiner jetzt doch langjährigen Erfahrung als verschieden eingesetzter Mitarbeiter einer Kirche, nur Folgendes: Das ist Theorie. Oder anders gesagt: Mag sein, dass es möglich ist. Vielleicht gibt es tatsächlich Menschen, die so diszipliniert Bibel lesen und studieren, beten und so mit Glauben und fester Überzeugung gesegnet sind, dass ihnen das gelingt.

Aber in der Regel braucht es die Gemeinschaft. Das ist für mich der zweite Aspekt von Kirche, Zugehörigkeit zu einer Kirche und dem Leben in einer Kirche. Es braucht Gemeinschaft. Es braucht die Rückbestätigung, dass man nicht allein unterwegs ist. Dass auch andere manchmal zweifeln oder sich schwer tun, ihren Nächsten und ihre Nächste wirklich zu lieben. Es braucht die Gedankenanstöße der Geschwister. Man sagt doch auch: Mehrere Augen sehen mehr, als nur ein einziges Auge. Oder mehrere Ohren hören mehr, als nur ein Ohr. Wer nicht auf die eigenen Gedanken begrenzt bleiben will, braucht die Gemeinschaft. Es braucht auch Rituale, Fixpunkte an denen ich mich festmachen kann. Und wenn wir gemeinsam singen und Gott gemeinsam loben, dann spüren wir diese Zusammengehörigkeit: Der große Blasebalg mehrerer Lungen bringt Gottes Lob mit einer Stimme vor ihn. Gott bringt uns zusammen.

Als letzten Aspekt möchte ich den Dienst in der Kirche ansprechen. Vielleicht sollte man es auf den Dienst mit der Kirche ausweiten. Im Grunde geht es um ein Einüben von Liebe. Wie kann so etwas ganz praktisch, ganz konkret aussehen?

Wenn du krank bist, dann werde ich für dich beten. Wenn du nicht weiter weißt, dann höre ich dir zu. Wenn du alt bist, dann werde ich dich besuchen. Wenn du nicht mehr ganz so stark wie früher bist, dann werde ich für dich tragen. Wenn du Hilfe brauchst, werde ich dir helfen. Wenn du eine Wohnung suchst, dann erfährst du von mir was ich weiß, gesehen oder gehört habe. Immer geht es darum, dass unser Glaube nicht blutleer ist, sondern „dass er in der Liebe tätig ist“ wie Wesley gesagt hat.

Und so unterschiedlich wie die Menschen sind die verschiedensten Dienste die es gibt. Wenn wir sie doch bitte als gemeinsames Unterfangen sehen könnten ohne zu werten.

Ich habe deshalb das Lied 411 für dieses Thema ausgewählt: Unterschiedliche Strahlen, aber ein Licht. Unterschiedliche Zweige, aber ein Stamm. Unterschiedliche Gaben, aber eine Liebe, die sie vereint.

Ich fasse zusammen:

Im persönlichen Bekenntnis antworten wir auf Gottes Liebe, die wir in der Taufe empfangen haben.

Durch das öffentliche Bekenntnis stärken wir unseren Entschluss Christus nachzufolgen.

Dieser Entschluss hat den Charakter eines Bundes in welchem Gott uns ernst nimmt und zu seinen Zusagen steht.

Gott ist Liebe und Liebe ist Beziehung.

Gelebte Liebe braucht, im Regelfall, die Gemeinschaft.

Und der Glaube der in dieser Gemeinschaft entsteht und gestärkt wird, will in der Liebe tätig sein.

 Amen