17. Juli 2018

Gottesdienst am 1. Juli 2018

Predigt:     Frank Moritz-Jauk

2. Korintherbrief, 8, 6-15                           Einen Ausgleich schaffen    English

Liebe Gemeinde, wir haben heute in den Lesungen drei wunderbare Geschichten gehört, die alle eine eigene Predigt wert sind. Leider muss man sich immer für einen Text entscheiden. Angesichts des wirklich tollen Benefizkonzerts und unserer momentanen Finanzsituation in der Gemeinde, habe ich mich für die erste Lesung, den Text aus dem 2. Korintherbrief, entschieden. „Einen Ausgleich schaffen“. Das erscheint mir das zentrale Thema dieses Textes, dieses Aufrufs von Paulus an die Korinther zu sein. Ein Aufruf, den ich für mich ganz persönlich höre, den ich aber auch für uns als Gemeinde und Kirche höre. Dieser Aufruf berührt ein ganz ein sensibles Thema, er berührt das Thema Geld.

Mittlerweile weiß ich, dass dieses Thema viele Menschen in Österreich und Mitteleuropa augenblicklich die Ohren schließen lässt und reflexartig mit der Aussage bedacht wird: „Geld? Nein, bitte nicht schon wieder.“

Aber ihr alle, die ihr heute hier seid, seid ja nicht irgendwelche Menschen in Österreich oder Mitteleuropa, sondern ihr alle seid ja freiwillig hier. In einer christlichen Kirche.

Ich darf also voraussetzen, dass ich fragen darf, was dieses biblische Wort, das wir heute gehört haben für eine Relevanz, was es für eine Bedeutung, für uns heute hat. Ich verspreche, so sauber wie mir möglich beim Text zu bleiben und schlage vor, dass wir uns zunächst die Grundlage dieses Aufrufs anschauen. Dann möchte ich auf „das Werk der Gnade Gottes“ zu sprechen kommen, um dann mit einer genaueren Betrachtung des Ausgleiches zu enden. Als erstes also die Grundlage, dann die Gnade und zum Schluss der Ausgleich.

Die Grundlage dieses Aufrufs an die Korinther, sich an einer Geldsammlung für die Urgemeinde in Jerusalem zu beteiligen finden wir in Vers 9: „Ihr wisst ja, woran sich die Gnade von Jesus Christus, unserem Herrn, gezeigt hat: Er, der reich war, wurde arm, damit ihr durch seine Armut reich werdet.“ Ich denke, es ist unmißverständlich was Paulus damit meint: Durch das Leiden und Sterben von Christus am Kreuz, sind wir Menschen von der Macht der Sünde befreit worden und können wieder Gemeinschaft mit Gott unserem Schöpfer haben. Oder: Wegen Christus wissen wir, dass wir zwar sterben, aber ewig leben werden. Oder: In Christus offenbart sich Gott uns Menschen und zeigt, wie er wirklich ist: Ein Gott der Liebe. Das sind nur ein paar der Glaubenssätze, die ich ohne große Schwierigkeiten mit diesem Vers verbinde. Die Grundlage all unseres Handelns ist doch, dass Gott uns zuerst geliebt hat. Die Grundlage ist doch immer, dass Christus etwas für mich getan hat, als ich ihn noch nicht einmal gekannt habe. Die Grundlage ist immer und zuerst einmal, die Heilstat Gottes, die ich erfahren habe. Jedes weitere Handeln von mir wird damit zur Folge. Es erfolgt auf das, was ich als befreiend, als erlösend, als lebendig machend erfahren habe. Das ist die Grundlage, die Paulus vor den Korinthern ausbreitet: „Schaut doch mal, was ihr durch Christus erfahren habt.“ Und die gleiche Frage oder der gleiche Hinweis gilt für uns heute: „Schauen wir doch einmal, was Christus für uns getan hat.“

Ich denke damit fängt es an. Das Nächste ist natürlich die Frage, wie bewerte ich all das, was ich jetzt gerade über Christus und seinem Handeln an mir, beschrieben habe. Und hier glaube ich, dass es ganz persönlich wird: Wie bewerte ich das, was Gott mir in Christus schenkt und geschenkt hat. Wie fühle ich wirklich? Löst das Handeln Gottes in irgendeiner Form Dankbarkeit bei mir aus? Ist mein Glaube mein ureigener Verdienst? Habe ich wirklich Gnade erfahren?

Diese zutiefst empfundene Dankbarkeit lässt sich meines Erachtens auch heute noch finden. Auch wenn der Teufel und der Satan weitgehend ihren Schrecken verloren haben, was ja gut ist, denn es ging noch nie um einen Glauben aus Angst, sondern um einen Glauben aus Liebe.

Ein letzter Gedanke noch zu den Grundlagen: Die alte Geschichte vom halbleeren oder halbvollen Glas. Bin ich dankbar für das, was ich erlebt und empfangen habe oder kann ich nicht auch dankbar sein für die Dinge vor denen Gott mich bewahrt hat. Ist Gesundheit so selbstverständlich oder meine Arbeitsstelle so sehr mein eigener Verdienst? Soviel zur Grundlage: Gott hat zuerst gehandelt.

Was meint Paulus, wenn er die Geldsammlung als „Werk der Gnade“ bezeichnet? Wörtlich sagt er: „Genauso sollt ihr euch jetzt auch bei diesem Werk der Gnade auszeichnen.“ Und einen weiteren interessanten Vergleich finde ich im Vers 8, wo Paulus meint, die Korinther hätten durch dieses „Werk der Gnade“ die Möglichkeit, „die Echtheit ihrer Liebe unter Beweis zu stellen.“

Jetzt kann man diesen letzten Teil natürlich als Affront oder Beleidigung hören: „ Meinst du meine Liebe ist davon abhängig wieviel ich gebe? Was weisst du schon von meiner Liebe?“

Natürlich. Wenn Menschen so reagieren und sich sozusagen sofort verteidigen oder zum Gegenschlag ausholen, dann hat man meistens einen wunden Punkt getroffen. Ich gebe zu, ich bin geneigt, hier einen Zusammenhang zu sehen. Auch weil es mich an eine Stelle aus dem Lukasevangelium erinnert: Dort kommt eine Frau zu Jesus und überschüttet ihn mit kostbarem Salböl. Eine Frau, die für ihren „unmoralischen Lebenswandel“, so wunderschön übersetzt es die Neue Genfer Übersetzung, bekannt war. Der anwesende Pharisäer Simon, regt sich auf und Jesus verteidigt die Frau: Weil ihr viel vergeben worden ist, darum hat sie Jesus viel Liebe erwiesen. Und Jesus beendet die Geschichte mit dem Umkehrsatz: „Wem wenig vergeben wird, der liebt auch wenig.“

In Wirklichkeit kann man bei dieser Stelle auch an Theorie und Praxis denken. Ist deine Liebe ein reines Lippenbekenntnis oder wirkt sie sich aus? Folgen deiner erfahrenen Vergebung, auch echte Taten der Liebe? Lässt du dir das etwas kosten? Sogar Geld? Ich denke, Paulus hat von der Auswirkung der Liebe gesprochen, wenn er meint, man kann die Echtheit der Liebe unter Beweis stellen.

Und ein Bild, das mir beim Nachdenken über die Geldsammlung als Werk der Gnade gekommen ist, ist das Bild der vollen Hände: Wenn die Hände voll sind, weil sie alles festhalten und nicht loslassen, dann können sie auch nicht neu von Gott gefüllt werden. Gott kann nur leere Hände wieder füllen. Damit werden die leeren Hände zum Bild der Gnade, denn dann kann ich erfahren wie Gott hilft. Wie er immer wieder füllt. Dazu passt auch das Ereignis, worauf Paulus sich am Ende der heutigen Lesung bezieht: Wer viel gesammelt hatte, hatte nicht zuviel und wer wenig gesammelt hatte, hatte nicht zu wenig. Paulus zitiert hier die Geschichte des Volkes Israel in der Wüste, das hungrig war und von Gott mit dem Himmelsbrot, dem Manna, gespeist wurde. Jeden Morgen war es da. Über 40 Jahre lang. Aber man konnte es nicht aufheben – es verdarb am nächsten Tag. So musste man sich darauf verlassen, dass Gott jeden Tag neu gibt, was man zum Leben braucht. Gott füllt die leeren Hände.

Und wenn Gott die Hände gefüllt hat, dann möchte er, dass es zu einem Ausgleich kommt. Gebt entsprechend dem was ihr habt. Wieder wörtlich heißt es: „Denn eine bereitwillig gegebene Gabe ist Gott willkommen und ihr Wert bemisst sich an dem, was der Geber besitzt, nicht an dem, was er nicht besitzt.“

Das, liebe Gemeinde, war eine Schutzaussage von Paulus, die er den Korinthern zugesprochen hat. Sie sollte von der absoluten Zahl, also dem Betrag den jemand gibt, darauf verweisen, was jemand geben kann. Genauso, wie Jesus ausdrücklich die arme Witwe lobt, die ihre zwei Heller in die Kollekte gegeben hat. Doch heute ist es so: Das was zum Schutz der Korinther gesagt wurde, dass man nicht anderen aus der Not helfen und dadurch selbst in Not geraten soll, ist für die Reichen zur Herausforderung geworden. Gebt entsprechend dem was ihr habt. Das wäre doch einmal etwas!

Interessanterweise ist mir dazu eine Szene aus dem Film Troja eingefallen. Brad Pitt spielt den Archilles, der aus seinem Zelt herbei zitiert wird, um gegen einen Riesen anzutreten. Und er lässt sich dann dazu überreden. Aber zum König gewandt lässt er folgenden bemerkenswerten Satz fallen: „Imagine a king fighting his own battle. Wouldn´t that be a sight.“ Stell dir einmal einen König vor, der tatsächlich selbst in den Kampf zieht. Das wäre doch einmal ein Anblick.

Stell dir einmal einen Reichen vor, der tatsächlich den Zehnten gibt. Das wäre doch einmal ein Anblick. Alles nur eine Relation. Wenn du €500 Pension hast, dann gib € 50, wenn du € 3500 verdienst, dann gib € 350.

Spinnst du, das ist doch viel zuviel! Imagine….

Im schwäbischen sagt man: „Jeder muss sein Päckle tragen.“ Was den einen Entbehrung, Hunger und Not ist, ist den anderen der Umgang mit dieser Herausforderung. Gib, entsprechend dem was du hast.

Gib, damit es zu einem Ausgleich kommt. Zum jetzigen Zeitpunkt hilft euer Überfluss ihrem Mangel ab, damit dann ein anderes Mal ihr Überfluss eurem Mangel abhilft. Auf diese Weise kommt es zu einem Ausgleich. So verstehen wir Methodisten unsere Connexio, also unseren Zusammenhalt mit anderen methodistischen Kirchen und Gemeinden. Und es gelingt!

Mit der Sammlung bei der Jährlichen Konferenz, dem Gedächtnisgottesdienst für Helene und Wilhelm Nausner sowie unserem Benefizkonzert kommen jetzt ca. €6000 nach Mazedonien in das Miss Stone Zentrum. Als Hilfe für deren wichtige und notlindernde Arbeit. Damit ein Ausgleich geschehe.

Amen.