22. Oktober 2018

Gottesdienst am 15. Juli 2018

Predigt: Gerhard Weissenbrunner

Markus 6, 14-29 und
2.Samuel 6, 1-5                         Leidenschaft und Eitelkeit

In den beiden Lesungen der heutigen Perikope kommen zwei bekannte Könige vor, David und Herodes. Beide könnten in ihrer Art und in ihrem Wesen kaum gegensätzlicher sein. Normalerweise sollte man Menschen nicht miteinander vergleichen, weil doch jeder Mensch seine eigene Geschichte hat. Man möge mir verzeihen, wenn ich es trotzdem tue. Denn in diesem Fall drängt sich der Vergleich geradezu auf.

Interessant sind dabei einige Beziehungsfragen, soweit wir sie aus der Bibel herauslesen: der Tanz; Beziehung zu Frauen; Beziehung zu Gott; woran hängt ihr Herz?

1. David tanzt! Herodes lässt tanzen!
David war Dichter, Sänger, Künstler, Heerführer und König über Juda und Israel. Jetzt wollte er die Bundeslade (mit den Gesetzestafeln) mit seiner ganzen Mannschaft und viel Volk, das ihn begleitete, nach Jerusalem holen. Auf dem Weg tanzten David und ganz Israel vor Gott mit aller Leidenschaft, mit aller Macht im Reigen, mit Liedern, mit Harfen und Psalmen und Pauken und Schellen und Zimbeln (2.Sam.6,5). Ein Weg der Freude; ein Fest; Gott ist unter ihnen gegenwärtig; Gott ist mit ihnen am Weg. Sie lassen ihrer Freude freien Lauf, sie tanzen und singen. Und David vorne weg, zum Lob und zur Ehre Gottes.
Herodes, mit dem Beinamen Antipas, ein Sohn Herodes des Großen, ließ tanzen. Er gab zu seinem Geburtstag ein Fest. Beteiligt waren die Großen , die Oberen, die Vornehmen des Landes. Sie lagen bequem bei Speis und Trank und ergötzten sich an den Bewegungen der Salome, einem jungen hübschen Mädchen. Ein Fest zum Lob und zur Ehre des Herodes.

2. Davids Affäre mit Batseba! Herodes Affäre mit Herodias!
David verführte die verheiratete Batseba. Nachdem sie schwanger wurde, veranlasste David , dass ihr Ehemann Uria in der Schlacht umkommt. David wollte seinen Ehebruch vertuschen. Doch als der Prophet Nathan ihm seine Schuld offenlegt, bereut er vor den Menschen und vor Gott und empfängt Vergebung.
Herodes hatte sich Herodias geangelt, die Frau seines Bruders Philippus. Weil Johannes der Täufer dieses Unrecht anklagte, wollte ihn Herodias töten lassen. Doch es gelang ihr nicht. Jetzt nach dem Tanz Salomes war ihre Stunde gekommen. Sie riet der Tochter, sich den Kopf Johannes des Täufers auf einer Schale zu wünschen. Wir lesen (Mk.6,26.27): «daraufhin wurde der König sehr traurig, aber wegen der Eide und der Gäste, wollte er ihren Wunsch nicht ablehnen. Und er befahl dem Scharfrichter den Kopf des Johannes zu bringen«. Herodes hatte offensichtlich unüberlegt etwas versprochen, was ihm später leid tat. Aber er wollte sich nicht blamieren. Und in seiner Eitelkeit war ihm das mehr wert als das Leben eines Propheten.

Das Ergebnis: Die Schuld liegt sowohl bei David als auch bei Herodes offen. Während aber David Reue zeigte und Vergebung empfängt, ist bei Herodes lediglich ein Bedauern vermerkt.

3. Ihre Beziehung zu Gott!
Von David heißt es, «Gott hat sich einen Mann gesucht nach seinem Herzen« (1.Sam.13,14). Und weiter (1.Sam.16,7) «ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an«.  David bekannte sich mit seinem ganzen Herzen zu Gott. Seine Leidenschaft für Gott, den Herrn, machte ihn zu einem der führenden Persönlichkeiten des Volkes Israel. Man kann viel Negatives über ihn aufzeigen, List, Überheblichkeit, Unterdrückung, Massaker an seinen Feinden usw. Aber was ihn vor Gott auszeichnete ist die Leidenschaft für seinen Schöpfer und für das Leben. Seine Psalmen sind voll von Beziehungsaspekten. Z,B,: Psalm 51, nachdem der Prophet Nathan seine Affäre mit Batseba aufgedeckt hatte, bittet er: «schaffe in mir Gott ein reines Herz und, und gib mir einen neuen beständigen Geist. Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir« (V.12-13).
Sein Psalm 23 «der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln …« wird häufig bei Begräbnissen zum Trost der Hinterbliebenen zitiert.
Psalm 63, der seine Sehnsucht nach dem heiligen Gott ausdrückt: «Das ist meines Herzens Freude und Wonne, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann; wenn ich mich zu Bett lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.«
Jede Menge Psalmen mit Bitten um Hilfe, um Schutz, um Vertrauen, mit Dank für Segen, für Führung, für Siege, usw. Seine Lieder und Gedichte drücken diese intensive, leidenschaftliche Herzensbeziehung mit Gott, seinem Herrn, aus.

Was wird nun von Herodes berichtet, was lesen wir in der Bibel?
Er hat von Jesus gehört und dessen machtvolle Taten. Er war der Meinung, dass Johannes der Täufer, den er umbringen hat lassen, auferstanden sei. Sein Gewissen hat ihn eingeholt!
Herodes war eine gespaltene Persönlichkeit. Es heißt (V.20): «Herodes fürchtete sich vor Johannes, weil er wußte, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war. Darum schützte er ihn vor Herodias. Wenn er ihm zuhörte geriet er in große Verlegenheit und doch hörte er ihm gern zu.« Es ist paradox. Einerseits fürchtete er Johannes, dann schützte er ihn vor Herodias und wenn er ihm zuhörte wurde er sehr unruhig, aber er hörte ihm gern zu!!! Da soll sich noch einer auskennen!
Wie nahe doch Verehrung und Ablehnung beisammen sein können? Johannes riet sicher auch ihm zur Buße und zur Umkehr. Das dürfte ihm bewußt geworden sein.
Er bekam sogar ein doppeltes Angebot der Gnade Gottes. Zuerst in der Gegenwart des Johannes und dann in der Gegenwart Jesu. Aber es war ihm scheinbar unmöglich aus seinem System auszubrechen. 

Was wollen uns diese Berichte sagen? Was können wir daraus lernen?

Hatte Gott David lieber als Herodes? Wohl kaum! Heißt es doch, Gott liebt alle Menschen, ohne Ansehen der Person.
Das Problem liegt nicht bei Gott. Es liegt bei den beiden unterschiedlichen Menschen. Beide laden Schuld um Schuld auf sich. Aber indem David für seine Schuld um Vergebung bittet, erfährt er Vergebung. Er spürt die Nähe Gottes wieder und weiß sich geliebt.
Von Herodes heißt es nicht, dass er zur Einsicht gekommen wäre. Im Gegenteil, er beharrt auf seiner Linie. Nachdem Pontius Pilatus Jesus vor seiner Verurteilung zu Herodes geschickt hatte, konnte dieser mit Jesus nichts anfangen und hatte ihn zu Pilatus zurückgeschickt. – Nach der Kreuzigung Jesu wurden Pilatus und Herodes sogar Freunde. „Gleich und gleich gesellt sich gern!“ –
Im Evangelium nach Johannes (Joh.1, 17) heißt es: «die Gnade und Wahrheit ist uns durch Jesus Christus geworden!«. Und obwohl wir Jesus nicht gesehen haben, glauben wir das. Herodes hat Jesus gesehen. Die Gnade und die Wahrheit Gottes ist ihm gegenübergestanden und er hat sie ignoriert. Das Himmelreich war ihm so nahe und es war ihm gleichgültig.

Das macht den Unterschied!
Die Barmherzigkeit Gottes, die Gnade Gottes, die Wahrheit Gottes und die Liebe Gottes ist den Menschen auf vielerlei Art und Weise angeboten. Niemand wird gezwungen Gottes Angebote anzunehmen. 

Für uns Christen ist Jesus Christus das Angebot Gottes. Wer an ihn glaubt und ihm sein Leben übergibt, hat die Zusage zu einem Leben in Frieden, Freude und Gerechtigkeit. Ein volles, gerütteltes, gedrücktes und überfließendes Maß an Lebensqualität ist uns durch Jesus versprochen. Und wir können sicher sein, was er zusagt, das hält er auch. Amen