22. Oktober 2018

Gottesdienst am 22. Juli 2018

Predigt: Pastor Mag Christoph PetauEnglish

zu Eph 2,11-22 und Mk 6,30-34.53-56

 Manchmal bezeichnen wir die Ferienzeit als 5. Jahreszeit. Jetzt in der 2. Julihälfte haben die Ferienorte Hochsaison. Urlaub: eine Zeit der Entspannung und der Erholung. Manchmal auch eine Zeit der Animation und ein rastloses Suchen nach Höhepunkten und ultimativen Kicks oder ein Liegen am Strand im Rhythmus der Dünung und des Wetters.

Im heutigen Evangelium begegnet uns so ein Ferientext. Jesus sagt zu den Seinen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus. Jetzt nehme ich den Epheserbrief zum Evangelium hinzu, lege ihn gleichsam als Schablone über den Text.

Paulus beschreibt Jesus als „dreifaches Friedensgeschenk“. Er ist unser Friede. Er stiftete Frieden. Er verkündete den Frieden. Ich denke dies ist die zentrale Botschaft der heutigen Lesungen: Friede braucht Raum, eine Zeit zum Wachsen, eine Auszeit. Frieden gedeiht im Innehalten und Ruhen.

Abseits dieser idyllischen Szene am See eine ganz andere Situation. Jesus hatte in seiner Heimat Ablehnung erfahren, die Jünger und Jüngerinnen gerade erstmal ausgesandt. Sein Ruhm hatte sich verbreitet. Die Menschen suchten seine Nähe. Zwischen Abfahrt und Ankunft am See lag auch noch das Brotwunder und der Gang Jesu auf dem Wasser.

Jesus weiß um die Kraft des Allein-Seins. „Denn dies ist eine Erfahrung nicht nur des Lebens Jesus, sondern unseres eigenen und jedes menschlichen Lebens: dass etwas Wahres sich nur formen kann in den Stunden, da wir bei uns selber sind und im Alleinsein mit uns selbst nahe bei Gott. Unser Leben gestaltet sich, wenn wir es wahr vollziehen, in einem harmonischen Schwingen zwischen Abgrenzung und Verschmelzung, zwischen Eigenständigkeit und Gemeinsamkeit, zwischen Ich und Du, in einem ständigen Wechsel von Ebbe und Flut, von Stille und Sprache, von Sammeln und Säen von Einkehr und Mitteilung, von Bei-sich-selber-Sein und Zuwendung, in einem Pendelschlag der Zeit zwischen Kommen und Gehen, Warten und Erfüllung, Sehnsucht und Ergänzung.“ (Drewermann, Markus). Mögen sie in dieser fünften Jahreszeit „diesen natürlichen Rhythmus zwischen Ein- und Ausatmen, zwischen Sein und Handeln, zwischen Bewahrung und Bewährung des Lebens“ (ebd.) entdecken oder (zumindest ein wenig) finden.

Wie heißt es doch im Kleinen Prinzen: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Oder in einem vertonten Text aus der Regel des Heiligen Benedikt: Schweige und höre. Neige deines Herzens Ohr. Suche den Frieden.

Paulus entfaltet auch die Lehre von den Gnadengaben, den sogenannten Charismen. Unsere Fähigkeiten werden uns geschenkt. Darum sprach ich von einem dreifachen Friedensgeschenk Jesu. Die Charismen werden uns geschenkt. Gratis. Ob wir die Sprachwurzeln nun aus dem lateinischen oder griechischen nehmen, die Gaben des Heiligen Geistes sollen dem Aufbau unseres Selbst, der Gemeinde, der Gemeinschaft oder der Gesellschaft dienen. Jenem Haus, in dem Jesus Christus selbst der Schlussstein ist.  – Oder wir gleichen einer Herde, die keinen Hirten hat. Die Herde, die hier beschrieben wird, läuft nicht einfach auf einer Alm herum. Ezechiel beschreibt die Herde so: Die Hirten weiden nur sich selbst, trinken die Milch, nehmen die Wolle und nutzen das Fleisch. Die schwachen Tiere stärkt ihr nicht, die kranken heilt ihr nicht, die verletzten verbindet ihr nicht, die verscheuchten holt ihr nicht zurück… (Ez 34,1ff)

Wer den Saum Jesu berührt, erfährt Hoffnung und Heilung aller Zerrissenheit.  Diese Erfahrung möchte ich als Schablone über die Gleichnisse und Heilungswunder legen.

Im Schluss dieser Predigt möchte ich Ihnen die Übersetzung des Predigttextes aus der Bibel in gerechter Sprache vorlegen. Diese Textfassung lässt sich an Aktualität kaum mehr überbieten (Eph 2, 19-22): So seid ihr nun nicht mehr Fremde und Ausländer, sondern ihr seid Mitbürgerinnen der Heiligen und Hausgenossen Gottes, gebaut auf dem Fundament der Gesandten und Prophetinnen und Propheten, dessen Eckstein Christus Jesus ist. Der ganze Bau ist durch ihn zusammengefügt und wächst zu einem heiligen Tempel bei Gott. Auf diesem Fundament seid auch ihr durch Geistkraft miterbaut zu einer Wohnung Gottes.

Ich möchte nurmehr andeuten, was als Themen in den 3 Versen steckt. Üben einer guten Haushalterschaft, Mitarbeit an einer erneuerten Schöpfung und Ursprungstreue als Wesensmerkmal der Kirche. Paulus könnte sich zurecht als ökumenischer Theologe seiner Zeit verstehen.

 

Literatur:

Bibel in gerechter Sprache. Gütersloh 2006

Eugen Drewermann. Das Markusevangelium. 2 Bände. Olten 1987, hier 5. Auflage 1989, Seite 425f