21. November 2018

Gottesdienst am 2. September 2018

Predigt: Pastor Mag Christoph PetauEnglish

zu Jak 1,17-27 und Mk 7,1-8.14f.21-23

In der Vorbereitung zu dieser Predigt fielen mir Redewendungen und Sprichwörter ein, die ich nach und nach in meine Kladde, mein Notizbuch, schrieb. Daran möchte ich Sie jetzt teilhaben lassen.

„aus edlem Holz geschnitzt“ Immer wieder fällt bei uns Holzstaub, Sägemehl, Holzspan und Rinde an. Die Kinder verarbeiten Paletten zu Balkonmöbeln oder den umgeschnittenen Apfelbaum des Nachbarn zu einer Garderobe. Holzreste werden zu Schmuck poliert. Äste werden entrindet und zu Kunstwerken in Haus und Garten verarbeitet. Ich selbst habe es mir einfacher gemacht. Die Österreichische Post hat in Zusammenarbeit mit den Bundesforsten eine Briefmarke aus Holz im Nennwert von 6,90 Euro herausgegeben. Diese „Eiche“, jede ein Unikat, ziert meine Sammlung, oder wartet auf einen Empfänger/eine Empfängerin.

Der/die ist aus edlem Holz geschnitzt, sagen wir auch zu Menschen, die uns als Vorbild dienen. Das können Lehrer, Eltern, Zeitgenossen oder Heilige sein. „Wolke der Zeugen“ nennt die Bibel solche Menschen. Ich mache jetzt eine kurze Pause. Vielleicht holen Sie den Einen oder die Andere vor Ihr geistiges Auge. –

Jakobus, schreibt Renate Kirchhoff in der Einleitung zum Jakobusbrief in der Bibel in gerechter Sprache (Gütersloh 2006), steht unmissverständlich dafür, dass die Lebensführung notwendiger Teil einer Gottesbeziehung ist. Menschen, die aus edlem Holz geschnitzt sind, brauchen wir in der Gemeinde, der Kirche und in der Welt.

„das hat Hand und Fuß“ Wenn etwas gut gelingt, sagen wir es habe Hand und Fuß. Mir fiel bei dieser Wendung das Lied „Kinder“ der DDR-Sängerin Bettina Wegner ein.

Sind so kleine Hände

winzge Finger dran.

Darf man nie drauf schlagen

die zerbrechen dann.

 

Sind so kleine Füße

mit so kleinen Zehn.

Darf man nie drauf treten

könn sie sonst nicht gehn.

Ist so`n kleines Rückgrat

sieht man fast noch nichts.

Darf man niemals beugen

weil es sonst zerbricht.

 

Grade, klare Menschen

wär`n ein schönes Ziel.

Leute ohne Rückgrat

hab`n wir schon zu viel.

Menschen deren Arbeit Hand und Fuß hat, die Rückgrat zeigen, Menschen, die über den Tellerrand blicken, brauchen wir in der politischen Kultur der Gegenwart.

„Feuer und Flamme“ sind neben Wind und Taube Bilder für den Heiligen Geist. Für was sind wir Feuer und Flamme? Was begeistert uns? – Nehmt euch das Wort zu Herzen, das in euch eingepflanzt worden ist (Jak 1,21). Darin zeigt sich das Gesetz der Freiheit, hören, handeln und tun. Wie oft haben wir schon den biblischen Satz gehört: Ihr seid das Licht der Welt, ihr seid das Salz der Erde? Menschen, die vom Evangelium leben, was sie begriffen haben (Frere Roger) überwinden Gräben. Lassen wir uns von der Geistkraft leiten, wenn wir uns im Gottesdienst den Frieden einander zusprechen.

„harte Nuss“ Wenn wir sagen: Das ist aber eine harte Nuss, meinen wir eine Aufgabe, die schwer zu lösen ist. Erdnüsse lassen sich noch leicht aus der Schale lösen. Bei Haselnüssen brauchen wir schon ein Werkzeug und erst recht bei Mandeln. Walnüsse und Paranüsse müssen wir oft aus den Schalenresten herausarbeiten. An Kokosnüsse gehen wir manchmal gar mit Hammer, Nagel und Säge heran. Harte Nüsse erfordern unterschiedliche Fähigkeiten, manchmal gar Zusammenarbeit. Am Ende wird die Arbeit belohnt. Wo unterschiedliche Fähigkeiten ineinandergreifen, wo Zusammenarbeit Gemeinschaft stärkt, wo ein Ziel im Auge ist, wächst Gemeinschaft, Gemeinde. Gottes Geist wird spürbar, wo wir an Aufgaben wachsen.

„ein Herz und eine Seele“ Lukas schreibt in der Apostelgeschichte über die jungen Gemeinden: Sie waren ein Herz und eine Seele. Damit schreibt er nicht nur Geschichte, sondern formuliert auch ein Ideal. Er erinnert die Gemeinden in seinem Umfeld an den Anfangsimpuls. Er ermahnt sie zur Ursprungstreue. In diesem Quellgrund erfährt sich die Kirche eins.

 

Diese 5 Redewendungen (weitere habe ich im Text verarbeitet oder sind mir spontan eingefallen) habe ich schließlich in meiner Kladde durch 2 Sprichwörter ergänzt:

Der Weg zur Quelle führt gegen den Strom und

Steter Tropfen höhlt den Stein

In unseren Breiten machen wir die Erfahrung, dass Gemeinden kleiner werden und Pfarreien/Bezirke zusammengelegt werden. Bankfilialen werden durch Automaten ersetzt. Postämter durch Postpartner in Geschäften und Tankstellen. Christliche Werte lassen sich durch einen „Seelsorgepartner im Ort“ nicht ersetzen. Einer unserer Politiker meinte jüngst in der Diskussion um Ausländer und Abschiebungen, dass sich Politik nicht von humanistischen Ideen leiten lasse dürfe. In der Schule habe ich gelernt, dass Politik von polis kommt und meint „Blick auf das Ganze“. Als Christen und Christinnen ist uns das Wort Ökumene vertraut. Es meint „der ganze bewohnte Erdkreis“. Aus diesem Blickwinkel handeln entspricht der Einheit von Wort und Tat.