21. November 2018

Gottesdienst am 21. Oktober 2018 – Erntedank

Predigt: Frank Moritz-JaukEnglish

1. Mose 41, 25-36                      Normal, was ist schon normal                                                     

Liebe Gemeinde, wir feiern heute Erntedankgottesdienst und haben von Trini einen Ausschnitt aus der Josefsgeschichte gehört.

Wie Josef dem Pharao seine merkwürdigen Träume erklärt. Träume die den Pharao erschreckt hatten, denn dass plötzlich die mageren Kühe – Vegetarier, wir erinnern uns – die schönen fetten Kühe auffressen, das ist ja nicht normal.

Normal, was ist schon normal?

Damit habe ich den Rahmen meiner heutigen Predigt schon gefunden: Normal, was ist eigentlich normal? Ich denke, wir können ziemlich sicher sagen, dass Kühe die einander auffressen nicht normal sind.

Aber wie schaut es mit Josef aus? Ist seine Lebensgeschichte normal? Sind seine Fähigkeiten normal oder außergewöhnlich?

Schon wenn wir uns die Lebensgeschichte von Josef anschauen, ist die Frage garnicht mehr so einfach zu beantworten, denn was ist schon normal? Es ist doch zumindest nicht außergewöhnlich, dass Menschen aus schwierigen Familienverhältnissen kommen.

Josefs Vater Jakob war ein Betrüger.

Jakob hat seinen Vater Isaak getäuscht und seinem Bruder Esau das Erstgeburtsrecht und den Segen gestohlen. Jakob wurde dann selbst betrogen, als er um die Hand von Rahel diente und Lea zur Frau bekam.

Rahel, Josefs Mutter hatte es lange Zeit garnicht leicht. Schön muss sie gewesen sein, aber selbst Kinder zu bekommen, bliebihr lange vorenthalten.

Als sie dann doch Josef und Benjamin geboren hatte, verhätschelte Jakob seinen Sohn Josef und bevorzugte ihn vor allen seinen Brüdern. Daraufhin wenden sich seine Brüder gegen ihn und verkaufen ihn als Sklaven, der dann nach Ägypten kommt. Dort steigt er so rasant auf, wie er wieder absteigt: Vom Hausverwalter des Pontiphars bis ganz nach unten ins Gefängnis, weil er verleumdet wird, Josef hat schon einiges erlebt im Leben.

Aber ist das normal oder außergewöhnlich?

Wer von uns kann sagen, dass seine Eltern nie betrogen haben? Ich nicht.

Wer von uns kann sagen, dass er als Kind nie den Eindruck hatte, die Geschwister, der Bruder oder die Schwester, wurden besser behandelt? Ich nicht.

Wer von uns kann sagen, dass das Leben niemals ganz ungewohnte Wendungen bringt. Ich nicht.

Also ich kann das alles aus meinem Leben heraus nicht sagen.

Meine Eltern haben betrogen, wo und wie das sage ich jetzt nicht, das wäre gemein ihnen gegenüber. Ich hatte als Kind immer wieder das Gefühl dass ich den anderen Geschwistern vorgezogen wurde – als Lieblingssohn. Dann aber auch das genaue Gegenteil, wo ich für alles verantwortlich gemacht wurde. Obwohl ich und mein Bruder beide zum Raufen angefangen haben, war ich schuld, denn ich war ja der Ältere. Und auch das letzte Beispiel kann ich bestätigen: Ja, es gibt ungewohnte Wendungen in meinem Leben.

Ist Josef also normal? Oder ist er außergewöhnlich?

Wenn ich mir die Lebensgeschichte von Josef anschaue, wie ich es eben versucht habe, dann finde ich alles gar nicht so außergewöhnlich, aber eine Eigenschaft fällt mir auf. Eine Eigenschaft erscheint mir garnicht normal zu sein, denn: Josef jammert nicht.

Das finde ich eher außergewöhnlich: Josef jammert nicht.

Ob er jetzt als Sklave verkauft wird, ob er in er in fremdes Land kommt, ob er Hausverwalter ist und dann ungerechterweise ins Gefängnis geworfen wird, Josef schafft es, das Beste aus und in seiner Situation zu machen.

Josef weiß sich mit Gott verbunden. Auch wenn er Träume auslegt, weiß er was seins und was Gottes ist. Auslegen gehört Gott zu, sagt er.

Oder als er sich dann schlussendlich mit seinen Brüdern versöhnt, betont er die wunderbare Fügung Gottes und nicht die Schuld der Brüder, als sie ihn als Sklaven verkauft haben.

Josef jammert nicht, sondern macht mit Gottes Hilfe das Beste aus der jeweiligen Situation.

Und er ist dadurch in der Lage, auch die schwierigen Situationen seines Lebens dankbar anzunehmen.

Er geht durch die Schwierigkeiten, um wieder neu gute Zeiten zu erleben.

Wenn ich dich fragen würde, was hast du lieber, die fetten oder die mageren Jahre, wie würdest du antworten?

Die fetten Jahre? Wirklich?

Hast du dir gut überlegt, was das heißt?

Schau dir das heurige Jahr an.

Tatis hat es richtig gesagt. Die Apfelernte war ein Hammer.

2 Kisten sind voll geworden.

Ja Tatis, das ist aber noch lange nicht alles.

Komm einmal zu uns heraus aufs Land. Da sind die Hälfte der Apfelbäume noch voller Äpfel. Weil niemand soviele Äpfel ernten, geschweige denn verbrauchen kann.

In solchen Jahren bekommen die Bauern, die ihre Äpfel zu den großen Verarbeitungsbetrieben bringen gerade noch 5c für das Kilo Äpfel. Willst du dich bücken und Äpfel aufklauben für 5c das Kilo? 40kg Äpfel, das sind zwei große Lagerhaussäcke voll. Das solltest du schaffen in einer Stunde. Äpfel klauben also zum Stundenlohn von €2,00?

Und wenn du es tust und wenn du tatsächlich alles verarbeitest, dann kannst du im Winter jeden Tag Apfelsaft trinken, jeden Morgen Apfelmus zum Müsli und Apfelmarmelade aufs Brot bekommen, jeden Mittag dann Kaiserschmarrn mit Apfelkompott essen, jeden Nachmittags Apfelkuchen verdrücken und abends können sich die Erwachsenen mit Apfelmost in den Schlaf trinken bis ihnen der Schädel raucht.

Jeden Tag Äpfel, solange bis das nächste fette Jahr wieder kommt und du vor Äpfeln nicht mehr ein noch aus weißt.

Dann wirst du dich vielleicht an das magere Jahr erinnern, das Tatis ja auch beschrieben hat: Ein Apfel. Wie kostbar war doch der. So kostbar, dass er in sechs Teile geschnitten und geteilt wurde. Und so lecker war dieser Apfel, alle erinnern sich an ihn. Weil es eben der Einzige war.

Im mageren Jahren können die Bauern 50c für das Kilo  Äpfel verlangen. Das Zehnfache. Das sind dann zumindest €20 Stundenlohn. Auch nicht viel, aber da überlegt man sich die ganze Arbeit doch noch einmal anders.

Was ist schon normal?

Ehrlich gesagt, ich weiss nicht ob ich jetzt ein fettes oder ein mageres Jahr normal finden soll.

Aber eines wird mir bewusst oder dämmert mir:

Egal, ob es ein fettes oder mageres Jahr ist, beide Jahre haben ihre guten und ihre schlechten Seiten. In jeder Situation kann ich Gott dankbar sein, für das was er gibt. Denn alles hat auch seine guten Seiten.

Ich finde das ist etwas Außergewöhnliches, das wir aus der Josefsgeschichte lernen können:

Gott kann aus jeder Situation etwas Gutes machen. Immer. Immer und überall, zu allen Zeiten.

Selbst als Josef, völlig zu Unrecht, ins Gefängnis geworfen wird schafft Gott, dass er Gnade findet vor dem obersten Gefängniswärter und dieser ihn als Obersten des Gefängnisses einsetzt.

Selbst im Gefängnis ist Gott mit Josef.

Ich denke das kann uns allen Trost sein, dass Gott mit uns ist. Selbst dann, wenn das Leben sich gerade wie Gefängnis anfühlt.

Oder wenn wir das Gefühl haben, wir stecken mitten in einem mageren Jahr.

Darauf hat uns Trini hingewiesen:

Es waren 2 magere Jahre mit vielen Ernteausfällen, aber heuer erleben wir eine überbordende Fülle. Eine Fülle die Gott schenkt und die wir nicht selbst machen müssen.

Amen