13. Dezember 2018

Gottesdienst am 25. November 2018

Predigt: Frank Moritz-JaukEnglish

König über die Sünde                                                              Johannes 18, 33-37

Liebe Gemeinde, heute ist der letzte Sonntag im Kirchenjahr. Auch Christ-König-Tag genannt. Und in diesem Zusammenhang haben wir die 2. Lesung aus dem Johannesevangelium gehört: „Bist du ein König?“ fragt Pilatus und Jesus antwortet nach einer Gegenfrage: „Ja, ich bin ein König, aber mein Königtum ist nicht von dieser Welt.“

Mit dieser Frage von Pilatus und der doch eher nebulösen Antwort von Jesus beschaftigt sich die heutige Predigt. Was bedeutet das „König sein“ das Jesus ja bejaht und was bedeutet es, dass dieses Königtum „nicht von dieser Welt ist“?

Ich denke im Grunde genommen nimmt uns diese Lesung hinein in ein Nachdenken darüber wer Jesus ist. Daher passt der Text auch wirklich gut zum Ende des Kirchenjahres, wenn man sozusagen nochmal fragen möchte: Und? Jetzt am Ende? Was soll das alles?: Wer ist Jesus?

Das ist eine Schlüsselfrage und heute möchte ich mich auf das Königtum beschränken, das in der Lesung angesprochen wird. Denn auch das Königtum ist nur ein Teilaspekt und nicht alles. Viele von uns kennen die Liedstrophe: „Oh so ist uns Jesus alles, König, Priester und Prophet.“

Heute ist Jesus als König das Thema.

Jetzt könnte man lange darüber nachdenken, was oder wer ein König ist, aber ersetzen wir das Wort König einfach mit dem Wort Herrscher. Und Herrscher vielleicht auch nochmal in dem Sinne, dass hier jemand die Macht hat. Die Macht hat, so oder so zu entscheiden.

Pilatus war eine Art König. Er konnte entscheiden, was mit Jesus geschieht. Oder sagen wir es einmal anders: Er hat schlussendlich entschieden, dass Jesus zur Kreuzigung freigegeben wurde. Die Bibel zeichnet Pilatus als wankelmütigen, zögernden Mann. Ein durch und durch weltlicher König. Eben einer, der den Gesetzen der Welt, den verschiedenen Mächten ausgesetzt ist und der in diesem Spiel der Kräfte seine Entscheidung trifft. Wenn wir die verschiedensten Berichte von Pilatus zusammentragen, die wir in der Bibel von ihm finden, dann ist Pilatus alles andere als souverän. Als Pilatus seine Macht Jesus gegenüber anspricht, sagt Jesus „Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben worden wäre.“ Oder die Juden sagen „Wenn du diesen, gemeint ist Jesus, freilässt, bist du ein Freund des Kaisers nicht“, denn „wer sich als König ausgibt, stellt sich gegen den Kaiser.“

Demgegenüber stellt sich Jesus als souveräner König dar. Ein König der nicht erschrickt angesichts des Todes oder was vielleicht noch schlimmer ist, angesichts des bevorstehenden Leidensweges. Und ich finde Jesus bringt ein ganz überzeugendes Argument vor, warum sein Königtum nicht von dieser Welt ist. Er sagt: „wenn mein Königtum von diesere Welt wäre, dann hätten meine Diener oder meine Leute für mich gekämpft.“

So kennen wir das. So funktioniert unsere Welt. Ein Königtum auf dieser Welt kämpft gegen ein anderes Königtum hier auf der Erde. Alle Kriege die waren und alle Kriege die sind, spiegeln diesen Konflikt oder spiegeln dieses Verhalten. Aber so ist es nicht bei Jesus.

Was zeichnet jetzt das Königtum aus, von dem Jesus spricht? Worüber ist Jesus König?

Ich denke, dieser Text, den Johannes uns hier überliefert nimmt Bezug auf eine Herrschaft die schon während des Wirkens von Jesus sichtbar wurde, die aber ihre alles umfassende Erfüllung erst im Licht der Auferstehung voll offenbart: Jesus ist König oder Herrscher über die Sünde.

Unsere christlichen Bekenntnisse haben diese Sündlosigkeit von Jesus stets betont. In Jesus begegnen wir einem Menschen der ohne Sünde ist. Der ohne Sünde war und ohne Sünde blieb. Ein Mensch über den die Sünde keine Macht ausüben konnte. Der König. Der König über die Sünde. Jesus hat die Macht der Sünde durchbrochen. Er hat klar gemacht, wer der König ist.

Was für uns als heutige Nachfolgerinnen und Nachfolger von Jesus dazu kommt, ist, dass diese Macht der Sünde auch für uns gebrochen wurde.

Natürlich ist das eine Glaubensaussage. Und natürlich muss man genau hinhören, denn die Macht der Sünde wurde gebrochen, das ist nicht gleichbedeutend mit einem sündlosen Leben. Die Macht der Sünde wurde durch Jesus gebrochen, das bedeutet, dass die Sünde keine dauerhafte, keine lebenszerstörende Macht über uns hat. Anders gesagt, wir wurde erlöst. Erlöst von Jesus.

Was bedeutet das für unser Leben?

Nun, ich denke es kann Mehreres bedeuten.

Es kann einmal bedeuten, dass ich jederzeits umkehren kann zu Gott. Wenn wir sagen Sünde bedeutet Gottesferne, dann kann ich jederzeit, jede Stunde und jede Minute umkehren zu Gott.

Ich glaube, das ist garnicht so unwichtig oder unwesentlich, das zu wissen. Denn eine Auswirkung der Sünde ist oft oder manchmal ein schlechtes Gewissen. Ein schlechtes Gewissen, das uns einredet, du solltest doch mehr, du solltest doch öfter, du solltest doch inniger oder du solltest doch länger beten.

Das Problem ist, das ändert zunächst einmal wenig bis garnichts.

Aber es kann einen Unterschied machen, ob ich tatsächlich weiß, dass Gott mich so liebt, dass ich jederzeit umkehren kann zu ihm. Die Macht der Sünde wird dadurch gebrochen, dass Gott mir keine Strafpredigt hält, was alles hätte sein können, sondern das er sich freut, dass es eben jetzt gelungen ist umzukehren. Das Bild vom nach Hause kommenden Sohn ist mir dabei immer eine große Hilfe. Der Vater eilt dem Sohn entgegen.

Die Macht der Sünde will uns einreden, dass wir nicht so einfach zu Gott umkehren können. Weil wir unwürdig sind. Weil es so einfach doch nicht geht. Weil da doch irgendeine Wiedergutmachung sein müsste. Das glaube ich nicht.

Ich glaube, dass genau das ein Ernstnehmen dieses Königtums von Jesus ist, dass er die Macht der Sünde dahingehend durchbrochen hat, dass wir jederzeits umkehren können zu Gott. Jede Stunde und jede Minute.

Was kann es noch bedeuten, dass die Macht der Sünde durchbrochen wurde?

Nun, es kann bedeuten, dass ich anders denken lerne oder dass mir andere Dinge wichtig werden in meinem Leben. Kann nicht Sünde auch bedeuten, dass wir oft Dinge tun, die uns garnicht gut tun oder die nicht gelingendem Leben dienen, sondern eher dem Gegenteil? Dafür lassen sich doch ganz schnell ganz viele Beispiele finden. Angefangen vom Umgang den wir mit unseren Mitmenschen haben, mit dem Geltungsbedürfnis jedes und jeder Einzelnen, der Unbarmherzigkeit und Rechthaberei die wir an den Tag legen – es gibt ganz viele Beispiele wo wir Dinge tun, die wir besser lassen sollten. Wenn jetzt Jesus die Macht der Sünde gebrochen hat, dann kann das auch für uns Freiheit bedeuten. Vielleicht gelingt es, die Freiheit einmal tatsächlich als Möglichkeit zu denken oder die Freiheit als Kraft zu entdecken, sich nicht entmutigen zu lassen.

Die Macht der Sünde sagt: Das schaffst du eh nicht. Du wirst niemals liebevoller werden.

Jesus sagt: Warum eigentlich nicht? Halte dich zu mir und vertraue meinen Wegen. Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

Und ein letztes Bild noch zum Thema, was es heißen kann, dass die Macht der Sünde gebrochen wurde: Von Jesus erlöst zu sein bedeutet, dass alles schon getan wurde.

Auch das ist, finde ich, nur vordergründig einfach zu verstehen. Vor allem in unserer westlichen Welt, die in Minuten denkt, aber christlicher Glaube ist keine Leistungsreligion. Nein, sondern christlicher Glaube ist eine Liebesreligion. Alles ist schon getan. Von Gott getan. Und Gott ist allmächtig, das bedeutet Gott steht außerhalb unserer Macht. Es geht also weniger um das was wir tun, sondern manchmal eher um das, was wir zulassen. Das ist ein Geheimnis mit dem wir Menschen oft garnicht so einfach umgehen können, aber christlicher Glaube ist nicht etwas, das wir machen, oder das wir machen könnten, sondern etwas, das Gott schenkt. Wenn wir es zulassen können.

So das wars. Eine furchtbar langweilige Predigt. Nichts Neues unter der Sonne. Alles eh klar und eh bekannt. So ist das leider manchmal, wenn wir uns erinnern, uns wieder neu bewusst machen, was es bedeutet, dass Jesus die Macht der Sünde durchbrochen hat. Dass Jesus König ist. König über die Sünde.

Aber wenn Amen Zustimmung bedeutet und heute zwar alles langweilig und eh bekannt war, dann habe ich mir heute wenigstens ein kräftiges Amen verdient, oder?

Amen.