22. Januar 2019

Gottesdienst am 6. Jänner 2019

Predigt: Frank Moritz-Jauk

Gottes Treue als Verheißung   Jeremia 31, 31-34, Jesaja 54, 10

English

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder, unser heutiges Thema ist der Bund. Der Bund Gottes mit uns und unser Bund mit ihm. Jedes Jahr feiern wir einen ganz besonderen Gottesdienst, mit einer ganz speziellen Liturgie deren Besonderheit die Erneuerung unseres Bundes mit Gott ist. Ich wähle bewusst diese Bezeichnung „besonders“, denn ob es der Höhepunkt der Liturgie ist, darüber ließe sich diskutieren. Muss nicht jede noch so feierliche Erklärung unserseits, hinter das Handeln Gottes zurücktreten?

Unabhängig davon braucht es meiner Ansicht nach aber ein Bewusstsein für das Geschehen. Welcher Bund ist gemeint? Wie unterscheidet sich der Bund Gottes mit uns, von dem Bund den wir mit Gott schließen können? Wie finden wir einen Zugang zu unserem Versprechen, wenn wir leiden oder mit unserem Leben unzufrieden sind?

Zunächst einmal gilt es festzuhalten, dass es einen Unterschied zwischen dem Bund Gottes mit uns und unserem Bund mit ihm gibt und geben muss. Das liegt schlicht und ergreifend an der Tatsache, dass Geschöpf und Schöpfer nicht ident sind. Wenn Gott seinen Bund bekräftigt, dann ist es wirklich ein Versprechen. Wenn er seinen Regenbogen als Zeichen der Bewahrung in den Himmel setzt, dann ist das ein unauslöschbares Versprechen. Etwas , das unumstösslich ist. Etwas auf das wir uns verlassen und auf das wir vertrauen können. Dieses Versprechen ist wohl kaum irgendwo in der Bibel besser in Worte gefasst worden als in der Verheißung, die wir heute auch im Abendmahl nochmal hören werden: „ Berge mögen einstürzen und Hügel wanken, aber meine Liebe zu dir wird nie erschüttert und mein Friedensbund mit dir wird niemals wanken. Das verspreche ich, der Herr, der dich liebt.“

Ich glaube kaum, dass man das noch besser ausdrücken kann. Dieses Bild sagt mehr als tausend Worte. Diese Liebe ist das Fundament und der Fels der unser Leben trägt. 

Gerade an diesem Bild aber sehen wir gleichzeitig, dass unser Bund mit Gott anders aussehen und einen anderen Schwerpunkt haben muss, denn wer kann das von seiner eigenen, menschlichen Liebe behaupten?

Unsere Liebe, und sei sie auch unter den besten Absichten ausgesprochen worden, kann diese Dimension eines unumstösslichen Versprechens nicht entfalten. Das ist und wäre zu viel verlangt.

Unser Bund mit Gott hat also viel mehr den Charakter einer bewussten und willentlichen Absichtserklärung. Eine Absichtserklärung die alles uns Menschen zur Verfügung Stehende in die Waagschale legt und sich dennoch der eigenen Schwachheit bewusst ist. Eine Absichtserklärung, die bittend und hoffend Gottes Handeln an und mit uns im Blick hat. Wenn wir für unsere Art von Bund ein Bild suchen, wie die einstürzenden Berge bei Gott, dann sind es vielleicht die geöffneten Hände. Unser Bild sind die geöffneten Hände.

Ich denke damit können wir unsere Ausrichtung und unsere Erwartungshaltung gut zum Ausdruck bringen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Wie eine Sonnenblume drehe ich mich hin zur Quelle meiner Kraft und das ist Gott.

Was aber mache ich, wenn ich eigentlich gerade im Streit mit Gott bin? Wenn ich eigentlich alles andere als zufrieden und schon garnicht gewillt bin, mich zur Seite stellen zu lassen? Weil ich meines Erachtens schon zu lange an der Seite stehe und es leid bin, mein Leben zu erdulden?

Liebe Gemeinde, das ist eine schwere und ernstzunehmende Frage. Keine Frage die man leicht und im Vorbeigehen beantworten könnte. Eine Frage, die wir Menschen wahrscheinlich nie oder nur unzureichend beantworten, bestenfalls vielleicht uns ihr annähern können.

Dabei macht es sicher einen großen Unterschied, ob wir betroffen oder gerade nicht oder nur leicht betroffen sind. Es macht einen Unterschied wieviel Schmerz da ist oder wieviel Schmerz wir gerade aushalten.

Eine erste Annäherung könnte das Wesen der Liebe sein. 

Wer über das Wesen der Liebe nachdenkt, der wird mir vielleicht in der Äußerung folgen können, dass Liebe kein Diktat sein kann. Damit meine ich, dass Liebe nicht verordnet oder befohlen werden kann. Liebe beinhaltet in ihrem Wesen Freiheit und daher in ihrem Wesen auch Ablehnbarkeit. Das bedeutet, dass es Liebe nicht ohne ihr Gegenteil geben kann.

Das ist meines Erachtens eine erste Annäherung, warum es so etwas wie Leid überhaupt gibt in einer Welt, die von einem liebenden Gott erschaffen wurde. Einem Gott, der in der Person von Jesus Christus selbst bereit war, dieses Leid am eigenen Körper zu erfahren. Der damit seine Liebe zum Ausdruck bringt, indem er das Böse erträgt und es damit schlussendlich überwindet.

Das mag eine erste Annäherung sein und mir ist klar, dass es noch keine Antwort auf die Frage: „Warum ich, Gott?“ ist.

Wie gesagt, das sind keine einfachen Fragen und die Frustration und die Verzweiflung, der Schmerz und die Wut sind echte und wirkliche Gefühle. 

Allen diesen Gefühlen ist gemein, dass sie uns eher von Gott trennen, als zu ihm hinführen möchten, daher wird man ihnen wahrscheinlich nur mit Dank begegnen können. Dank?!? Bist du noch ganz bei Trost?

Auch wenn das auf den ersten Blick unmöglich oder absurd erscheint: Dank ist eine Bewegung auf Gott zu. Im Dank erkenne ich das Gute trotz allem Schlechten in meinem Leben. Der Dank lässt mich in allem die Bewahrung vor noch größerem Unheil erkennen. Dank führt in die Gemeinschaft mit Gott zurück.

Schlussendlich geht es bei unserem heutigen Versprechen immer und vor allem um unsere ganz persönliche Ausrichtung: Woher erwarte ich mir Hilfe?

Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat.

Amen.