19. September 2019

Gottesdienst am 19. Mai 2019

Predigt: Gerhard Weissenbrunner

English

Apostelgeschiche 11, 1-18                 gottergeben …

In der 1.Lesung aus der Apostelgeschichte haben wir gehört, wie Petrus vor der versammelten Gemeinde Rechenschaft ablegen sollte, dass er mit den Heiden bzw. Nichtjuden in deren Haus zusammengesessen ist und mit ihnen gegessen hatte. Das war nach jüdischer Tradition eine Verletzung der Reinheitsgebote. Alle Nichtjuden galten für sie als unrein. Darauf achteten sie. Doch wie heißt es üblicherweise: „der Mensch denkt und Gott lenkt!“

Die Vorgeschichte: Nachdem Jesus in den Himmel aufgefahren war erlebten die Jüngerinnen und Jünger in Jerusalem ihr Pfingsten. Es steht geschrieben (Apg. 2,1-4): »Sie waren am selben Ort versammelt. Plötzlich setzte vom Himmel her ein Rauschen ein, wie von einem gewaltigen Sturm; das ganze Haus, indem sie sich befanden, war von diesem Brausen erfüllt. Gleichzeitig sahen sie so etwas wie Flammenzungen, die sich verteilten und auf jeden Einzelnen von ihnen niederließen. Alle wurden mit der Heiligen Geistkraft/der Ruach erfüllt.« 

Die Voraussagen Jesu haben sich erfüllt! So wie Jesus bei der Taufe mit der Heiligen Geistkraft erfüllt wurde und das Zeugnis Gottes wahrnahm: „du bist mein lieber Sohn!“, so haben die Jüngerinnen und Jünger, die alle jüdischen Glaubens waren, das Zeugnis Gottes erfahren. Gott selbst, die Heilige Geistkraft, sagt ihnen, dass sie Gottes Kinder sind! Das kann sich kein Mensch selber zusprechen. So geschehen beim Pfingstfest in Jerusalem!

Und dann war etwas geschehen, das man auch das zweite Pfingsten der Heiden nennt.

Das gleiche, das in Jerusalem unter den Juden passiert ist, ist nun auch in einem heidnischen Haus passiert. Petrus war in das Haus des römischen Hauptmanns Kornelius geführt worden. Und er erzählte jetzt der Gemeinde in Jerusalem, wie das alles gekommen war. Nie im Traum wäre es ihm eingefallen in ein heidnisches Haus zu gehen. Es war Gott der ihn dazu aufgefordert hat. Es war Gott, der hier etwas grundsätzliches Neues begonnen hat. Gott hat beschlossen seine Heilsordnung durch Jesus Christus von den Juden auch auf alle Nichtjuden, also auf die ganze Welt, zu erweitern. Das war nicht Petrus Idee. Er war nur Überbringer der Heilsbotschaft. 

Petrus nimmt den Vorwurf der Reinheitsverletzung nicht an. Er ist sich keiner Schuld bewußt, um sich rechtfertigen zu müssen. Ruhig und gelassen erzählt er, wie sich alles zugetragen hat.

Für mich ist bemerkenswert, welche Menschen sich Gott ausgesucht hat, mit denen seine Heilsbotschaft verbreitet wird. Petrus war nun nicht der intelligenteste der Apostel. Aber neben allen seinen menschlichen Schwächen war er fest und zuverlässig. Er war anständig und ehrlich, integer und authentisch. Jesus hat ihm den Beinamen Fels gegeben. So reagiert er auf die Aufforderung »schlachte und iss« entschieden dagegen. »Auf gar keinen Fall, Herr. Noch nie in meinem Leben habe ich von etwas Unheiligem oder Unreinen auch nur einen Bissen gegessen!«

Es klingt ziemlich überheblich, wenn alle Nichtjuden von den Juden, als unheilig oder unrein bezeichnet werden. Und noch mehr, wenn sie mit Ungeziefer verglichen werden. Es war aber zur damaligen Zeit festgeschriebene Meinung. Das ist Gott-sei-Dank unter uns heute anders. Meistens zumindest. 

Aber erst nach dreimaliger Aufforderung und der klaren Anweisung: „was Gott für rein erklärt hat, das behandle du nicht, als wäre es unrein“, ließ sich Petrus bewegen, umzudenken. Er hat auch die Stimme Gottes gekannt. Es war ihm geläufig, die Stimme Gottes von anderen zu unterscheiden. Und als Gottes Geist zu ihm sprach, er solle ohne Bedenken mit den Nichtjuden gehen, die schon auf ihn warteten, ging er mit. Petrus war gottergeben. Die ständige Beziehung mit Gott war ihm wichtig. Deshalb war er auch sensibel genug, die Geister unterscheiden zu können.

Wahrhaftig ist die Verbreitung der Heilsordnung in Jesus Christus für die ganze Welt allein dem Willen Gottes zuzusprechen. Aber mit Petrus, der sich auf die Nachfolge Jesu eingelassen hat, hat sie begonnen. Petrus hat begriffen. Es gibt keinen Unterschied mehr, ob jemand zum auserwählten Volk Israel gehörte oder nicht. Gott hat ab jetzt alle Menschen auserwählt und will alle für die frohe Botschaft seiner Liebe zugänglich machen.

Ebenso hat Gott mit dem römischen Hauptmann Kornelius einen Menschen auserwählt, der ein gutes Beispiel von verantwortungsvoller Hingabe war. Von ihm heißt es: »er war ein frommer Mann, der mit allen, die in seinem Haus lebten, an den Gott Israels glaubte; er gab großzügige Spenden für die Bedürftigen und betete treu und regelmäßig.« (Apg.10,2) 

Kein Gebet, das Menschen an Gott richten, geht verloren. Kein Gebet ist umsonst und bleibt unerhört. Und das Gebet eines Gerechten kann viel bewirken. So verfehlen die treuen und regelmäßigen Gebete des Kornelius ihr Ziel nicht. Es heißt, dass Kornelius eine Vision hatte, in der ihn ein Engel besuchte und zu ihm sprach: »Gott hat deine Gebete gehört und gesehen wieviel Gutes du den Armen tust.« (Apg.10,4) 

Auch Kornelius war gottergeben. Vermutlich deshalb hat Gott ihn auserwählt um mit ihm die Heilsordnung für die Ganze Welt zu beginnen.

Mit einfachen Worten macht Petrus der versammelten Menschen um Kornelius klar worum es geht. Es geht um die Botschaft die Gott bereits den Israeliten verkünden ließ: das Evangelium vom Frieden durch Jesus Christus.

Petrus erzählt vom Leben Jesu, von seiner Kreuzigung und seiner Auferstehung. Und dass jeder und jede Vergebung der Sünden bekommt, der oder die an ihn glaubt. Und während er redete kam der Heilige Geist auf alle herab. So wie zu Pfingsten in Jerusalem »hörte man alle Versammelten in geistgewirkten Sprachen reden und Gott für seine Größe preisen.« (Apg.10,46) 

Immer wenn es Gott gefiel, auf Erden etwas Großes zu tun, hat er den Pfad des Gewohnten verlassen. So geschehen mit Abraham, mit Moses, mit Jesus und jetzt auch mit Kornelius.

Was damals im Haus des Kornelius ungewöhnlich begonnen hat, hat sich mittlerweile auf die ganze Welt ausgebreitet. Und auch für uns ist es nicht mehr ungewöhnlich. Wir erfahren bei jedem Gottesdienst die Gegenwart Gottes in der Gemeinschaft der Heiligen Geistkraft. Wir sprechen uns gegenseitig den Frieden Gottes zu. Bei jedem Abendmahl wird uns die Vergebung unserer Sünden zugesprochen. Und der Segen Gottes begleitet uns durch den Alltag, durch Tag und Nacht.

Mit dem Evangelium Jesu Christi hat unser Leben Sinn bekommen. Dafür wollen wir Gott dankbar sein. Ihm gilt unser Lobpreis.

Halleluja!