20. Juni 2019

Gottesdienst am 9. Juni 2019 – Pfingstfest

Predigt Pfingsten 2019 – Pastor Mag Christoph Petau

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zu Joh 14,8-17 und Apg 2,1-21

Manchmal finde ich Werkzeug oder es kommt irgendwie auf mich zu. Es wird nicht mehr gebraucht, liegt in einem Eck, verstaubt, nimmt Platz. Warum aufbewahren? – Vielleicht   für die heutige Predigt.

Bohrmaschine, 150 Watt, vollmetallisch. Damit lassen sich nicht „große Löcher in dicke Bretter bohren“, so sagen wir manchmal zu großen Aufgaben, die vor uns liegen. Mein Vater schenkte uns zur Hochzeit vor fast 30 Jahren eine ordentliche Bosch. Der Motor braucht jetzt neue Kohlen. Da war eine Neue schneller zur Hand. Und doch: Die Alte ließ sich umbauen. Mit Vorsatzgeräten zur Handkreissäge, Stand- oder Stichsäge und Bandschleifgerät. Noch höre ich meinen Vater schimpfen und fluchen, als ich die Varianten in Kindheitstagen heimlich probierte. Heute sind Motoren billiger, oder: Ein Akku für alle Geräte.

Heiliger Geist, lehre uns große Löcher in dicke Bretter zu bohren…

Rasierklingenschärfgerät. Nach Hausübergabe fanden wir es im letzten Winkel einer Lade im Keller. Damit war nichts anzufangen. Bis heute musste ich noch keine Rasierklinge nachschärfen. Vater erzählte von der Gesellenprüfung in der Nachkriegszeit. Heute nutze ich den Bartschneider oder für andere Dinge ein Stanleymesser, das sich durch Bruch der Klinge „schärft“. 

Manchmal, sagen wir, „stehen die Dinge auf des Messers Schneide“. Dann, Geistkraft, lehre uns, das Richtige tun.

Zwei-Mann-Zug- und Ziehsäge. Längst abgelöst durch eine Kettensäge. Ich fand sie in einem Metallcontainer. Einmal nutzte ich sie mit Magneten für eine Infoleiste. Jetzt fand ich sie im letzten Eck des Kellers und mag mich dennoch nicht davon trennen. Sie mag durch und durch ein Evangelisches Werkzeug sein. Mögen die bis zu vierhundert Mannen des Raxkönigs Georg Hubner (*1755 Gosau +1833 Naßwald) mit solchem Gerät geschuftet haben, um Brennholz nach Wien zu driften und zu schiffen. Mit der Aussage „Die Fenster bleiben rund!“ trotzte er dem Kaiser Religionsfreiheit ab und gründete die Evangelische Kirchengemeinde Naßwald/Rax mit Wohn-, Schul-, Arbeits-, Kranken- und Pensionssystem. Als das Holz „wienseitig“ ausging, ließ er seiner Zeit voraus, einen Schwemmtunnel über 430m sprengen. Auch so schrieb der Geheimprotestantismus in Österreich Geschichte. Aus dem Verborgenen und Geheimen wächst Kraft für die Zukunft.

Windhauch Gottes, lass uns die Zeichen der Zeit erkennen…

Mit dieser Säge lässt sich auch Musik machen. Je nach Spannung kommen andere Töne. Man kann sie schlagen oder mit einem Bogen bespielen. Ich sah schon eine Skiffle-Band damit auftreten. Und ich höre Ernesto Cardenal im Hintergrund: „Wir sind noch nicht im Festsaal angelangt, aber wir sind eingeladen und hören die Musik“. In diese Musik möge uns die Geistkraft Gottes hineinnehmen…

Zwingen. Nachbarn überließen sie mir zum Verheizen. Hölzerne und gedrechselte Vorfahren meiner eisernen Schraubzwingen in unterschiedlichen Größen. Ich werde sie künftig als Buchständer im Regal nutzen. 

Der Heilige Geist lässt sich nicht herbeizwingen. Seine Kraft liegt eher in dem Unerwartetem, in der Freiheit. Überraschungen sind eher die Spielart Gottes. Und doch sind mir diese Zwingen eine Metapher für den Heiligen Geist. Leim braucht in Holzverbindungen eine gewisse Presszeit, damit die Verbindung hält.  Sind Sie schon einmal dem Heiligen Geist auf den Leim gegangen oder haben das Unerwartete als große Freiheit erfahren? 

Locheisen. Mit 5 cm Durchmesser wurde es nicht gebraucht und landete in einem Metallcontainer. Ich setze es häufig ein. Untersetzer für Kerzen im österlichen Labyrinth wurden gestanzt. Mit Bewohnern im Altersheim baute ich Mobiles. Selbst in der Wundvorsoge konnte ich es schon nutzen…

Manchmal rechnet der Heilige Geist mit dem Unbeachtetem, dem Unnützen.

In diesen Tagen bete ich ein Gebet aus der Normandie (1913): Mach mich zum Werkzeug deines Friedens…