14. Oktober 2019

Gottesdienst am 11. August 2019

Predigt: Frank Moritz-Jauk

English

Was ist denn der Glaube       Hebräerbrief 11, 1-3 und 8-16

Liebe Gemeinde, ich möchte heute die Anfangsfrage des Abschnittes aus dem Hebräerbrief aufgreifen, den wir gerade gehört haben: Was ist denn der Glaube?

„Was ist denn der Glaube“ ist meines Erachtens für alle Christinnen und Christen eine nicht unwesentliche Frage, die man erst einmal für sich selbst beantworten muss. Ab und zu kommt es auch vor, dass wir diese Frage von anderen Menschen gestellt bekommen. Meistens, oder zumindest oft, in Kombination mit der zweiten Frage, die wir auch gehört haben: Wie können wir verstehen, dass die Welt durch Gottes Wort entstanden ist?

Der Verfasser des Hebräerbriefes beantwortet beide Fragen und doch glaube ich, dass es sich lohnt, noch etwas weiter und umfassender auf das Thema einzugehen. Vor allem, weil wir heute auch andere Theorien zur Entstehung der Welt kennen und weil wir Christinnen und Christen das Wort Glaube oft gleichbedeutend mit dem Wort Glaubensgewissheit verwenden. Und dazu kommt – als wäre alles nicht eh schon schwierig genug – der Umstand, dass der allgemeine Sprachgebrauch zwischen Glauben und Wissen unterscheidet. „Du glaubst, dass es morgen regnen wird, weil du auf deine Wetterapp geschaut hast, aber wissen tust du es nicht. Wissen wirst du es erst morgen, denn dann hat es geregnet oder eben nicht.“ 

Ich werde versuchen schrittweise vorzugehen und es sind selbstverständlich einfach meine Gedanken dazu, denen man zustimmen kann – oder eben nicht.

Die Definition von Glauben, die wir gehört haben, finde ich zum Beispiel in Bezug auf die Entstehung der Welt recht gut formuliert. Ich wiederhole nochmal: „Glauben ist ein Rechnen mit der Erfüllung dessen, worauf man hofft, ein Überzeugtsein von der Wirklichkeit unsichtbarer Dinge.“  Glauben als Überzeugtsein. 

Also ich persönlich bin absolut davon überzeugt davon, dass die Welt, diese Erde auf der wir leben, nicht durch Zufall entstanden ist. Heutzutage können wir mit gigantischen Fernrohren ins Weltall schauen. Wir schicken Raumsonden wie die Voyager 1 in den Weltraum. Zur Zeit, Stand August 2019, ist sie 21,9 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt und damit das am weitesten gereiste Objekt, das Menschen je erfunden haben. Hat man deshalb eine zweite Erde gefunden? Mit Pflanzen, Tieren und menschenähnlichen Wesen? Ich wüsste nicht, also nein.

Und auch das Argument, dass die Erde nunmal den perfekten Abstand zur Sonne hat, sodass sich hier Leben entwickeln konnte – selbstverständlich von alleine – finde ich nicht überzeugend. Unsere Erde, ist ca. 150 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt. Unser Mond ist gerade einmal ca. 386.000 Kilometer von uns entfernt. Man kann also sagen, dass unser Mond bei diesen Größenordnungen gleich weit von der Sonne entfernt ist wie wir auf unserer Erde. Warum gibt es dann kein Leben auf dem Mond?

Und eine letzte oder vorletzte Frage zur Evolutionstheorie hätte ich auch noch: Angenommen der Mensch stammt vom Affen ab, okay. Wirklich, ich bin kein Kreationist, der meint die Erde wäre in sieben Tagen, so wie im Schöpfungsbericht beschrieben, entstanden. Aber meine Frage ist: Warum? Warum laufen unsere Vorfahren dann immer noch auf allen Vieren durch den Wald und fressen Läuse und Früchte? Warum haben sie sich dann nicht auch automatisch weiterentwickelt, wie der Mensch?

Ich weiß nicht. Also ehrlich. Da finde ich die Argumentation des Römerbriefes doch wesentlich schlüssiger. Im ersten Kapitel Vers 20 schreibt Paulus: „ Seit der Erschaffung der Welt sind seine Werke ein sichtbarer Hinweis auf ihn, den unsichtbaren Gott.“ 

In meinen Augen ist es wesentlich einfacher in der unglaublichen Schönheit der Natur, in ihrem komplexesten Aufbau, beim Gedanken an die Möglichkeiten des Menschen an eine ordnende, erschaffende Hand zu denken als umgekehrt die Existenz Gottes zu leugnen oder abzulehnen.

Kann man natürlich machen, aber ich glaube das nicht. Ich glaube „dass das Sichtbare seinen Ursprung in dem hat, was man nicht sieht.“ Und dieses Unsichtbare nenne ich Gott.

Damit kommen wir jetzt zu der sprachlichen Auseinandersetzung mit dem Wort Glaube. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird unterschieden zwischen Glauben und Wissen. Ich habe ja schon das Beispiel vom morgigen Regentag genannt. Aber als Christ oder als Christin ist es eben nicht so eindeutig, denn jetzt kommt die Erfahrung ins Spiel. Als Christ kann ich sagen, dass die Wirklichkeit Gottes nicht nur etwas ist, das ich glaube, also für wahr halte, sondern tatsächlich Wirklichkeit ist, weil ich es erfahren habe. Ich bezeuge, dass Gott Wirklichkeit ist, weil Gott selbst sich mir offenbart hat. Hier sprechen wir vom Wirken des Heiligen Geistes, wenn wir sagen, dass der Geist selbst es unserem Geist bezeugt, dass wir Gottes Kinder sind. (Röm 8, 16)

Ich werde versuchen, das jetzt nochmal mit anderen Worten zu sagen, denn es ist tatsächlich so, dass wir hier gleiche Wörter für ganz unterschiedliche Inhalte verwenden.

Glaube, wie der allgemeine Sprachgebrauch das verwendet, bedeutet nicht wissen.

Glaube, wie die christliche Theologie das Wort verwendet, bedeutet durchaus auch ein Wissen. Wir sprechen von Glaubensgewissheit, wenn wir dieses Wissen benennen wollen.

Und im christlichen Sinne setzt sich Glaube aus zwei einander ergänzenden Teilen zusammen: Dem menschlichen und dem göttlichen Anteil. Denn beides ist wahr: Einerseits Glaube so wie wir es heute gehört haben, also ein „Rechnen mit der Erfüllung dessen, worauf man hofft.“ und anderseits der Unverfügbarkeit des Glaubens. Das ist kein Widerspruch denn die Unverfügbarkeit des Glaubens bedeutet nur, dass wir Menschen Glauben nicht machen können, sondern dass Glauben von Gott geschenkt werden muss. Und geschenkt wird.

„Ich weiß schon, meine Damen und Herren, das alles ist sehr kompliziert so wie diese Welt, in der wir leben und handeln“ hat Fred Sinowatz in seiner Regierungserklärung 1983 gesagt.

Das weiß ich natürlich auch. Aber das Thema Glauben ist, wenn schon nicht kompliziert, dann doch vielschichtig. Denn hier treffen mehrere Bewegungen aufeinander. Der Mensch, der Gott sucht und Gott, der sich finden lässt. Oder Gott, der einen Menschen anspricht, so wie wir dies heute am Beispiel des Abraham gehört haben. Abraham macht sich auf den Weg, obwohl er nicht wusste, wohin er kommen würde. Warum? Weil er Gott glaubt, weil er Gott vertraut. Glauben und Vertrauen sind zwei Begriffe, die sehr miteinander verknüpft sind. Oft kann man das eine Wort durch das andere Wort ersetzen und umgekehrt.

Und ein Letztes noch zu dieser ganzen Fragestellung „Was ist Glaube?“:

Für mich ist Glauben ein Prozess. Etwas, das sich bewegt und entwickelt und nicht immer gleich und statisch ist. 

Glaube kann mit einer Absichtserklärung beginnen: „Ich, möchte dich, Gott, kennenlernen.“ Das ist eine Absichtserklärung. Es kann schon mit einer Hoffnung verbunden sein, aber das ist zunächst einmal nicht erforderlich. Mit dieser Absichtserklärung kann ich mich auf die Suche machen. Ich suche Gott. Ich suche ihn, indem ich, zum Beispiel, in der Bibel lese, um zu erfahren, was denn so alles von ihm und über ihn berichtet wird. Welche Erfahrungen Menschen mit Gott gemacht haben. Wahrscheinlich muss ich heute nicht einmal lesen, sondern kann mir auch Videos im Internet oder auf den verschiedensten Medienkanälen anschauen. Das Lesen in der Bibel hat halt den Vorteil, dass ich hier mit dem Original unterwegs bin. Aber egal, ich suche Gott indem ich mein Wissen über Gott erweitere. Das kann ich natürlich auch im Gespräch mit Menschen machen, die von sich sagen, dass sie an Jesus glauben. Irgendwo und irgendwann wird mir dann Gott begegnen. Das scheint der Unverfügbarkeit Gottes zu widersprechen, ist aber in den Verheißungen Gottes begründet. Gott selbst sagt von sich, dass er sich finden lassen wird.

Glaube als Prozess bedeutet jedenfalls auch, dass die Erfahrung des Glaubens, also dass mein Glaube trägt und ich mich darauf verlassen kann, immer wieder neu gemacht werden muss. Deshalb ist der Glauben lebendig und nicht statisch oder mit einer Sache vergleichbar, die ich besitzen und dann in die Hosentasche stecken kann.

Was ist denn der Glaube?

Das war heute die Anfangsfrage und ich habe diese Frage mit der Frage nach der Entstehung der Welt verbunden. 

Weil dieses Thema nicht das allereinfachste ist, versuche ich jetzt noch so eine Art Zusammenfassung in der Hoffnung, dass jede und jeder sich zumindest einen Teil des Gesagten zum Weiterdenken mit nach Hause und in den Alltag hineinnehmen kann:

  • „Glauben, heißt nichts wissen.“ ist ein Sprichwort. Für Christinnen und Christen ist es so aber nicht zutreffend, denn Glauben ist erfahrbar und Glaubensgewissheit ist etwas Echtes.
  • Glauben kann man nicht machen, sondern wird dem Menschen von Gott geschenkt.
  • Die Welt ist durch Gottes Wort entstanden. Das glaube ich auch.
  • Die Werke Gottes verweisen auf ihn den unsichtbaren Gott. Auch das glaube ich.

Und das meiner Meinung nach Schönste ist:

Wer Gott sucht, von dem wird Gott sich finden lassen. Denn Gott selbst hat es verheißen.

Amen