21. November 2019

Gottesdienst am 18. August 2019


Predigt: Gerhard Weissenbrunner

Lukas 12, 46-59 tut, was vor Gott richtig ist …

Die Wahlkampfmaschine für die nächste Nationalratswahl ist schön langsam im Anlaufen. Die Politikerinnen und Politiker werden ihre Wahlprogramme vorlegen. Sie werden sie wieder in den Medien begründen und verteidigen. Sie werden überzeugt sein von ihren Meinungen und man wird ihnen ihr Bemühen und ihren Einsatz nicht absprechen können. Mit dem Brustton der Überzeugung werden sie uns sagen, was die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes eigentlich wollen und was die richtige Richtung ist. Sie werden sich schon kümmern, dass das Volk in Sicherheit, Frieden und Wohlstand leben kann. Wir müssen ihnen nur unsere Stimme geben, dann werden wir schon sehen.

Ganz anders haben wir es aus dem Evangelium nach Lukas gehört. Jesus spricht: „Meint ihr ich bin gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Entzweiung.“

Eine seltsame Äußerung, die wir so von Jesus eigentlich nicht gewohnt sind. Jesus, der Friedenskönig, spricht von Entzweiung? Jesus, der seine Jünger begrüßt mit „Friede sei mit euch!“ und Jesus, der sein Lebensziel auf Frieden und Gemeinschaft ausgerichtet hat, spricht von „Trennung“? Und das bis in die engsten Familienbande hinein?

Es ist offenbar, bei Jesus scheiden sich die Geister!

Wir sollten uns einmal vergegenwärtigen wer das ist, der da so spricht? Und weiter, zu wem spricht Jesus was?
Kann man Jesus gleichstellen mit einem anderen Menschen, z.B. einem der heutigen Politiker? Keineswegs! Im Nizänischen Glaubensbekenntnis sprechen die Christinnen und Christen: „wir glauben an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen.“ Es ist also etwas anderes, wenn Jesus die Richtung vorgibt. Er spricht Gottes Wort!

Und zu wem spricht Jesus hier? Die Verse 49 – 53 spricht er zu den Jüngerinnen und Jüngern und die Verse 54 – 59 zur Volksmenge. Also die Worte vom Feuer, von seinem Leidensweg und von Entzweiung spricht Jesus zu den Christinnen und Christen. Und die Worte von der Wettervorhersage, von Heuchelei und vom Gerichtsspruch spricht Jesus zu allen Menschen.

Feuer! „ich bin gekommen, um auf der Erde ein Feuer anzuzünden!“ Gott selbst ist dieses Feuer.
Mose sieht den brennenden Dornbusch, der nicht verbrennt. Er wird aus dem Dornbusch angesprochen, sieht aber nur das Feuer. Neugierig geht er hin und wird sofort ermahnt: „Zieh deine Schuhe aus. Du stehst auf Heiligem Boden!“
Ein lieber Freund hat erzählt, vor vielen Jahren hatte er das Verlangen, er möchte Jesus sehen! „Jesus, I want to See you!“ Und wirklich, in einer Vision ist ihm Jesus als Feuergestalt erschienen. Sofort musste er sich abwenden und feststellen: »ich kann dich nicht anschauen! I can’t see you!«
Dieses Feuer ist in der Person Jesu auf die Erde gekommen. Und der Heilige Geist überträgt dieses Feuer auf uns. Damit wir brennen für Jesus, für Gott!

Jesus spricht weiter von einer Taufe, die noch vollzogen werden muss. Wohl dachte er dabei an seinen Leidensweg und seinen Tod am Kreuz. Es muss schrecklich für Jesus gewesen sein, die Wahrheit zu repräsentieren und die Wirklichkeit Gottes in die Welt zu bringen und dann zu wissen, die Welt lehnt ihn ab. Menschen wollen von der Wahrheit Gottes nichts wissen. Sie vertreten ihre eigene Wahrheit und setzen ihre eigenen Massstäbe. Die Welt Gottes interessiert sie nicht, Ja, sogar mehr noch, sie lehnen sie ab und beseitigen den unbequemen Boten.

Das ist auch der Grund für Entzweiung. Wo Menschen sich für Jesus entscheiden und ihm nachfolgen, erleben sie Ablehnung. Sogar im engsten Kreis der Familie. Aber wir wissen und sind fest überzeugt, dass der Weg in der Nachfolge Christi, der richtige Weg ist. Weil es ein Weg in Gerechtigkeit und Liebe ist. Der Weg mit Jesus ist auch ein Weg des Friedens. Nämlich des Friedens mit Gott, oft nicht auch mit den Menschen. 

Die Zusage Jesu soll ein gewaltiger Trost für uns sein, wenn er verspricht: „Selig seid ihr, wenn man euch um meinetwillen beschimpft und verfolgt und euch zu Unrecht die schlimmsten Dinge nachsagt. Freut euch und jubelt! Denn im Himmel wartet eine große Belohnung auf euch.“ (Matt. 5,11-12)

Dann wandte sich Jesus an die Volksmenge (Verse 54-59). Er greift die Zuhörer frontal an. Er nennt sie „Heuchler“. »Beim Wetter kennt ihr euch aus. Eure Wettervorhersage, ob es regnen wird oder ob die Sonne scheinen wird, trifft zu. Das interessiert euch. Aber die Zeichen der Zeit wollt ihr nicht beurteilen? Warum macht ihr euch nicht selbst klar, was vor Gott richtig ist?«

Ich verweise erneut auf die Autorität Jesu und nehme den Vorwurf der Heuchelei ernst.

„Heuchelei“, was ist darunter zu verstehen?
Wikipedia: Die Heuchelei ist eine bei sich und bei anderen nicht leicht zu erkennende Verhaltensweise. Die Heuchelei ist mit der Lüge vergleichbar, allerdings geschieht die Verfälschung der Wirklichkeit hier weniger mit Worten, sondern durch das Verhalten. Wie auch bei der Lüge kann dies bewusst oder unbewusst geschehen.

Ein Heuchler spiegelt falsche Tatsachen vor. 

Ein Heuchler will besser erscheinen, als er ist, um jemanden zu Gefallen oder um Gewinn zu haben. Um vorwärts zu kommen werden politische, religiöse, ethische Grundsätze vorgeheuchelt.

In einer Umfrage unter 1400 Erwachsenen waren 72 Prozent der Meinung, dass die Kirchen voller Heuchler stecken. Ein solches Ergebnis kann man nicht einfach vom Tisch wischen – irgendwo müssen die Gründe dafür liegen.
Über dem Eingang zu einer Kirche, in Nairobi, in Kenia, steht eine Inschrift: „Diese Kirche ist voller Heuchler. Aber wir haben immer Platz für noch einen.“ Ist das nur Humor, oder doch Realität? Bestimmt kämpft diese Kirche gegen jede Art von Heuchelei, so wie andere Kirchen auch.
Wenn Heuchelei in der Kirche vorkommt, bedeutet das aber nicht, dass Christen Heuchler sind. Vielmehr nehmen Christen die Aussagen in der Bibel ernst, wenn steht (1. Petrus 2,1): „So legt nun ab alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und Neid und alle Verleumdungen“. Da sind viele Menschen und immer mehr, die sich bemühen in echter Übereinstimmung mit Jesus Christus zu leben.

Ich denke auch nicht dass Jesus seine Zuhörer mit der Bezeichnung „Heuchler“ auf die Anklagebank stellen will. Sondern er will alle auf den Boden der Tatsachen stellen. Er will aufrütteln, aufwecken. Denkt doch einmal nach! Überlegt doch in welcher Zeit ihr lebt! Kommt heraus aus euren gewohnten Verhalten und seht, was in Wirklichkeit passiert! Wie das Wetter wird, wisst ihr, aber seht doch auch wie nahe das Reich Gottes ist!

Das Reich Gottes oder Himmelreich ist nicht nur eine jenseitige und zukünftige Welt. Es ist die Wirklichkeit in der die verborgene Herrschaft Gottes offenbar ist und alle Lebensbereiche bestimmt. Jesus war überzeugt, dass diese Wirklichkeit ganz nahe war. Und wer in diese Wirklichkeit hineingenommen wird, dessen Leben wird heil und ganz, so krank und zerbrochen es auch sein mag. 

Wir sagen, die Welt ist krank! Sie ist voller Ungerechtigkeit, Unfrieden, Eigennutz und mittlerweile kommt noch die Klimaerwärmung bedrohlich auf uns zu. Wir sagen, die Welt steht nimmer lang!

Dagegen wird durch Jesus betont, was in der Schrift steht (Joh.3,16-17): „Gott hat der Welt seine Liebe dadurch gezeigt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat und nicht verloren geht. Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, um sie zu verurteilen, sondern um sie durch ihn zu retten.“

Gott liebt diese Welt. Sie ist seine Welt. Sie ist seine Schöpfung. Und Gott hat ein Recht darauf, dass wir sie erhalten. Aber sie kann nur bestehen, wenn wir tun, was vor ihm richtig ist und vor niemandem sonst. Das ist unsere Verantwortung, für Gott, für uns, für unsere Kinder und für unsere Enkelkinder.

Deshalb der Aufruf Jesu: „Warum macht ihr euch nicht selbst klar, was vor Gott richtig ist?“ Denkt nach und tut es!

Amen