13. November 2019

Gottesdienst am 25. August 2019

Predigt: Ute Frühwirth

Jeremia 1,4-10 Keine Ausreden mehr!

Den Text zu der heutigen Predigt finden wir am Beginn des Buches des Propheten Jeremia. Wir befinden uns in der Zeit um 600 v. Chr. Jeremia ist Zeitzeuge des Niedergangs des judäischen Königtums durch Nebukadnezar. Er ist Zeuge wie der Tempel und der Königsschatz geplündert werden und Teile der Bevölkerung nach Babylon deportiert werden. Er erlebt den Verlust der politischen Selbständigkeit Judas mit der Zerstörung der Hauptstadt Jerusalem und seines Tempels.

Als Prophet macht Jeremia den Menschen seiner Zeit vehement klar, dass sie Gottes Gericht herausgefordert und verdient haben. Aber so unausweichlich dieses Gericht ist, so fest steht auch, dass Gott seine Verheißung, die er Abraham, Isaak und Jakob gegeben hat, nicht brechen wird. Ein kleiner Teil von Juda wird übrig bleiben. Mit diesem kleinen Teil wird Gott eines Tages einen neuen Bund schließen. Der Unterschied zwischen diesem neuen und dem alten Bund wird sein, dass Gott sein Gesetz nicht von außen gibt, sondern in die Herzen der Menschen hineinlegt. Jeremia verkündet einen Bund, von dem die Christinnen und Christen später sagen werden, dass er sich in Jesus Christus verwirklicht und erfüllt hat.

Na, da hat ja Jeremia noch einiges vor sich. In unserer Geschichte ist Jeremia nämlich noch kein Prophet und weiß noch nichts von den Absichten Gottes ihn als Prophet für die Nationen einzusetzen. Gott holt Jeremia aus seiner Komfortzone und möchte von ihm, dass er als Prophet Gottes Wort den Menschen weitersagt. Und Jeremia solle das nicht nur im Südreich, sprich in Juda tun, sondern Gott sieht auch die heidnischen Völker als Adressaten seiner Botschaft. 

Und was antwortet Jeremia darauf: „Aber Herr, ich kann doch nicht reden, ich bin ja noch so jung!“ Da hat sich Jeremia eine schlechte Ausrede einfallen lassen. Aber Gott lässt diese Ausrede nicht gelten. Er antwortet ihm: „Sag nicht: ich bin zu jung!“ Und im gleichen Atemzug gibt Gott Jeremia noch einmal den Auftrag: „Wohin ich dich auch sende, dahin sollst du gehen, und was ich dir auftrage, das sollst du verkünden.“ 

Bis hierhin erinnert mich die Geschichte ein wenig an Jona. Auch Jona erhielt einen Auftrag von Gott, vor dem er sich zu drücken versuchte. Nur seine Ausrede war nicht sein Alter, sondern Jona versuchte vor Gott davonzulaufen. Wir alle wissen, wie die Geschichte weitergeht. Jona besteigt ein Schiff, das in einen furchtbaren Sturm gerät. Und als Jona erkennt, dass der Sturm seinetwillen gekommen war, bittet er die Seeleute, ihn über Bord zu werfen. Und dann heißt es: „Und der Herr schickte einen großen Fisch, dass er Jona verschlinge.“ Nach drei Tagen und etlichen Lobgesängen und Gebeten spuckte der Fisch Jona wieder aus und der machte sich auf den Weg nach Ninive. 

Wir kehren zu Jeremia zurück. Wir stecken noch immer in diesem Dialog zwischen Jeremia und Gott. Jeremia ist unsicher, vielleicht hat er Angst, denn was auf ihn in der Zukunft wartet ist schon gewaltig. Und dann sagt Gott die entscheidenden Worte: „Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin mit dir, um dich zu retten.“ Diese Worte nehmen einer jeden Ausrede die Kraft. „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir!“ Und in weitere Folge stattet Gott Jeremia mit den richtigen Worten aus, um auszureißen und niederzureißen, um zu vernichten und um zu zerstören, um aufzubauen und einzupflanzen. Jeremia vertraut Gott und wird einer der größten Propheten des alten Testaments. Er steht verschiedenen Königen gegenüber, er trifft die Obersten des Volkes, er muss Priestern Rede und Antwort stehen und er wird sogar gefangen genommen und ihm wird mit dem Tode gedroht. 

Ich kann und möchte Jeremia nicht mit uns heute vergleichen. Was Jeremia aushalten musste ist unbeschreiblich und für uns nur schwer vorstellbar. Wir leben großteils in Frieden, und müssen nicht Menschen, die von Krieg und Verlust gebeutelt sind als „Propheten“ – als Sprachrohr Gottes gegenübertreten. Und doch frage ich mich, wie wäre es, wenn wir heute einen Auftrag von Gott bekommen würden. Würden wir darauf reagieren, oder würden wir ihn dezent überhören? Gott war mit Jeremia ständig im Gespräch und Jeremia mit Gott. Sind wir im Gespräch mit Gott? Wenn wir die Bibel lesen oder beten, kommunizieren wir doch mit ihm. Und trotzdem stellen wir manchmal die Frage: „Warum redet Gott nicht mit mir?“ Vielleicht redet er ja mit uns, aber unsere Welt ist phasenweise so laut, dass wir ihn überhören oder nur ein leises Flüstern von Gott hören. Oder hören wir gach nur das, was wir hören wollen? Wie geht es uns damit, wenn wir Situationen erleben, wo Gott etwas mit uns vorhat, uns aus unserer Komfortzone holen will. Wie gehen wir mit neuen Herausforderungen um? Empfinden wir Herausforderungen als Last oder können wir sie annehmen? Sagen wir: „Ich würde ja gern, aber…“ 

Ich möchte euch dazu eine Geschichte erzählen:

Ein Schüler kam einst zu einem Meister.
“ Meister“ sprach er mit trauriger Stimme „das Leben liegt wie eine Last auf meinen Schultern. Es drückt mich zu Boden und ich habe das Gefühl, unter dem Gewicht zusammenzubrechen.“ Der Meister antwortete mit einem liebevollen Lächeln „Das Leben ist so leicht wie einer Feder.“ „Meister, bei aller Demut, aber hier musst du irren. Denn ich spüre mein Leben wie eine Last von tausend Pfunden auf mir. Sag, was kann ich tun?“
„Wir sind es selbst, die uns Last auf unsere Schultern laden.“ antwortete der Meister, immer noch milde lächelnd. „Aber…“ wollte der Schüler einwenden. Der Meister hob energisch die Hand: „Dieses Aber wiegt allein tausend Pfund.“

Wenn ich so über meine Herausforderungen nachdenke, bin ich auch der Überzeugung, dass Gott nichts von mir fordert, mit dem ich nicht fertig werde bzw. nicht zurechtkomme. Ich bin deshalb dieser Überzeugung, weil ich mir bewusst bin, dass Gott mich mit verschiedenen Gaben ausgestattet hat, um diese Herausforderungen zu meistern. Und dort, wo ich mir noch nicht sicher bin, wie ich an die neue Sache heran gehen soll, berührt Gott meinen Geist und lässt mich vor Energie und guten Gedanken nur so sprudeln. So wie er Jeremias Mund berührte und ihm auf diese Weise die nötige Hilfe gab, um die Arbeit für Gott anzugehen.

Allerdings gibt es eine Sache in meinem Leben, die auch jetzt noch immer eine große Herausforderung für mich ist. Und ich weiß nicht wieso!? So wie er Jeremia aufgefordert hat, seine Botschaft den Menschen zu überbringen, so wünscht sich Gott auch von mir, dass ich eine lebendige Zeugin für ihn bin. Dass ich mit Begeisterung von ihm rede, dass ich andere Menschen an meinem Glauben teilhaben lasse. – Warum fällt es mir nur so schwer, offen über Gott und meinen Glauben zu sprechen? 

Vielleicht geht es jemanden von euch genauso. Bin ich in einer Runde mit Christen und Christinnen sind Gespräche über die Bibel, über Gott und Jesus kein Problem. Bin ich allerdings in der Arbeit, oder mit Freunden zusammen, die mit Glauben nichts am Hut haben, bin ich sehr schweigsam. Von meiner Seite aus spreche ich dieses Thema nicht an. „Ja nicht unangenehm auffallen, kein Moralapostel sein. Das passt jetzt nicht, dieses Thema zerstört die Stimmung!“ Solche Gedanken schleichen sich in meinen Kopf. Mutiger werde ich, wenn eine andere Person mit diesem Thema beginnt. Dann spreche ich zaghaft über meinen Glauben und versuche ein kleines Zeugnis abzulegen. Ich traue mich einen kleinen Schritt neben den scheinbar einfachen Weg zu machen.

Am Ende meiner Predigt möchte ich euch noch eine kurze Geschichte erzählen.

Ein Schüler kam zum Meister. „Ach Herr,“ stöhnte er, „um Euren Lehren zu folgen, ist so viel Veränderung nötig. Das ist mir eigentlich alles viel zu anstrengend. Ich glaube, ich werde das Studium hier beenden.“ Da schaute der Alte mit einem traurigen Blick auf seinen Schüler. „Kennst du die Geschichte von der Raupe?“ fragte er. Der Schüler verneinte.
„Es war einmal eine Raupe, die das Gefühl hatte, dass die Metamorphose zum Schmetterling zu anstrengend sei. Also beschloss sie, Raupe zu bleiben. Und während sie mühsam und langsam durchs Leben kroch, schaute sie immer mal wieder hinauf zu all den Schmetterlingen, die im Sommerwind von Blume zu Blume tanzten…“ erzählte der Meister die Geschichte.
„Und nun überleg wohl, ob der scheinbar einfachere Weg auch tatsächlich der einfachere ist.“

Der Herr berühre unseren Mund und lege seine Worte hinein, auf das wir reden und erzählen. Er helfe uns unsere Komfortzone zu verlassen und nicht auf dem einfachen Weg zu bleiben, damit wir seine Herausforderungen annehmen und Veränderungen herbeiführen können.

Ich schließe mit Gedanken von Andrea Schwarz

Gott und Mensch

du und ich

zugegeben

solch eine Entscheidung macht

auch einsam

weil sie trennt

weil sie nein sagt

zu jemand anderen und etwas anderem

weil jedes ja zugleich ein Nein ist

weil manche den Kopf schütteln

weil manche nicht verstehen

weil manche nicht verstehen wollen

aber solche Entscheidungen 

verbinden auch 

mit all denen

die sich dafür entschieden haben

du bist nicht allein

auf deinem Weg

auch wenn du ihn alleine gehen musst

Gott geht mit

und Menschen begleiten dich

und du gehst

deinen Weg

und nicht den 

der anderen

und wenn du aufbrichst

wirst du schon angekommen sein

und du wirst zu Hause sein

und da wird Heimat sein

Amen