14. Oktober 2019

Gottesdienst am 6. Oktober 2019

Predigt: Frank Moritz-Jauk

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Jesus, das Brot des Lebens     Johannes 6, 27-35

Liebe Gemeinde, wir feiern heute das Abendmahl. So wie wir schon viele, viele Male Abendmahl gefeiert haben. Wenn wir das Brot bekommen, hören wir oft genau diese Worte, die Bezug nehmen auf die heutige Lesung: Iss vom Brot des Lebens. Jesus sagt: Ich bin das Brot des Lebens.

Und auch wenn alle Erwachsenen hier im Raum genau wissen, wie das gemeint ist, frage ich heute halt einmal die Kinder: Wie soll das eigentlich gehen? Wie soll man denn Jesus essen können?

Ich nehme an, dass die Zuhörerinnen und Zuhörer von Jesus, ihn an dieser Stelle auch mit großen Kulleraugen angeschaut haben: Hä, wie soll das gehen? Sollen wir uns jetzt ein Stück von dir abreißen? So macht man das ja manchmal mit Fladenbrot oder sollen wir dir, Jesus, jetzt in den Arm beißen? Das geht natürlich nicht. Wie sollen wir das also verstehen? Ich denke wir können einmal überlegen was denn das Brot ist. Brot ist in vielen Kulturen auf der ganzen Welt ein ganz wichtiges Nahrungsmittel. So wichtig, dass es auch heute noch in vielen Ländern extra subventioniert wird. Subventioniert, das bedeutet, dass der Staat den Preis für Brot unterstützt, dass er Geld dazu gibt, damit der Brotpreis niedrig bleibt und sich auch die ärmsten Menschen im Land Brot leisten können. In Ägypten ist das beispielsweise auch heute noch so, dass der Staat Ägypten bis zu einen Viertel von all dem Geld, dass er zur Verfügung hat für die Unterstützung des Brot- und Speiseölpreises ausgibt.

Auch wenn Ägypten sicher nicht zu den reichen Ländern dieser Erde gehört, ist das doch eine ganze Menge und zeigt wie wichtig das Brot ist. Brot braucht jede und jeder.

Wenn also Jesus sagt, ich bin das Brot des Lebens, dann stellt Jesus diese Verbindung her, zwischen dem was jeder Mensch braucht um zu leben, dem Brot, der Nahrung und…

Was könnte das sein? Was brauchen wir Menschen noch um zu leben?

Wir brauchen Luft zum Atmen, das ist richtig und wir brauchen Wasser, weil wir durstig sind. Nicht nur weil wir durstig sind, sondern weil wir hauptsächlich aus Wasser bestehen wir Menschen. Babys bestehen zu 95% aus Wasser und wir in die Jahre gekommenen, gut gereiften Erwachsenen bestehen immerhin noch zu 70% aus Wasser. Aber neben den körperlichen Dingen, die unseren Körper am Leben erhalten, was brauchen wir noch zum leben?

Ich glaube, wir Menschen brauchen Gemeinschaft mit anderen Menschen, um zu leben. Nicht alle von uns brauchen gleich viel Gemeinschaft mit anderen Menschen aber immer allein sein? Eine Zeit lang ist das vielleicht cool, weil einem niemand reinredet und sagt, was man machen soll oder machen darf. Aber immer allein? Dann kann man ja garnicht erzählen und teilen was man Neues entdeckt hat oder was man jetzt endlich begriffen hat oder was man Wunderschönes gefunden hat. Wer möchte schon allein in Urlaub fahren? Gibt´s natürlich auch und ja, es kann schon Gründe geben, einmal allein in Urlaub zu fahren aber irgendwie sind wir Menschen doch eher gemeinsam unterwegs. Wir Menschen leben in Beziehungen. Eine Beziehung habe ich zu meiner Mama. Eine Beziehung habe ich zu meinem Opa. Oder zu meinen Freunden. Oder zu Menschen, die ich aus der Kirche kenne. Es gibt ganz viele verschiedene Beziehungen.

Was macht diese Beziehungen aus? Was passiert hier eigentlich?

In unseren menschlichen Beziehungen zeigen wir einander die ganze Bandbreite unserer Gedanken und Gefühle in einem unterschiedlichen Maß. Das heißt wir sind freundlich zueinander, wir helfen uns, wir lachen zusammen, ja wir Menschen können einander lieben. Aber weil wir Menschen sind mit unserem je eigenen, zum Glück angewachsenen, Dickkopf, haben wir nicht nur positive Gefühle. Wir Menschen können einander auch sehr verletzen. Wir beleidigen einander, wir tun uns gegenseitig weh, ja es kann sogar soweit kommen, dass Menschen einander hassen.

Wir Menschen werden of schuldig aneinander. Unser Miteinander ist unbeständig, brüchig und wankelhaft. Mal so mal so, um es ganz einfach zu sagen. Aber, um es auch so einfach wie möglich zu sagen, aber das alles weiß Gott, denn er hat uns ja geschaffen. Gott weiß das alles, denn er kennt uns besser, als wir uns selber kennen. Gott weiß, dass wir etwas brauchen, das so wichtig ist wie Brot. Was könnte das sein? Wozu brauchen wir Gott? Oder wofür brauchen wir Jesus, das Brot des Lebens? Ich denke wir Menschen brauchen Vergebung.Und diese Vergebung hat Jesus für uns erwirkt. Gott ist vom Himmel herabgekommen und hat in der Person Jesu gezeigt, dass die Liebe stärker ist als der Tod. Um es ganz einfach zu sagen, Jesus hat die Menschen geliebt. Er hat sich für die Schwachen eingesetzt. Er wollte die Verlorenen, wie beispielsweise die Zöllner, zurück in die Gemeinschaft holen. Und man hat versucht, diese Botschaft der Liebe zum Schweigen zu bringen indem man Jesus am Kreuz getötet hat. Aber Gott hat das nicht zugelassen, sondern Jesus ist von den Toten auferstanden. Es ist nicht gelungen, diese Botschaft zum Schweigen zu bringen. Und deshalb sagen wir, die Liebe hat sich durchgesetzt, das Leben hat sich durchgesetzt.

Diese Verbindung spricht Jesus an, wenn er sagt: Ich bin das Brot des Lebens. Ihr könnt meinen Leib töten, aber Gottes Botschaft der Liebe könnt ihr damit nicht aufhalten. Und um uns daran zu erinnern, was hier geschehen ist, deshalb feiern wir das Abendmahl.

Das Abendmahl sagt: Du kannst diese gute, lebenswichtige Botschaft in dir aufnehmen, so wie du ein Stück Brot isst. Du kannst schmecken und erfahren, dass Gott dir gibt, was du zum Leben brauchst. Vergebung, als etwas, dass du dir nicht selbst geben kannst. Schmeckt und seht wie freundlich der Herr ist werden wir nachher hören. Wohl dem, der auf ihn traut. Amen