13. Dezember 2019

Gottesdienst am 24. November 2019

Predigt: Christoph Petau

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zu Jer 23,1-6 und Lk 23,33-43

Ein junger Mann betrat im Traum einen Laden. Hinter der Theke stand ein Engel. Hastig fragte er ihn: „Was verkaufen Sie, mein Herr?“ Der Engel antwortete freundlich: „Alles, was Sie wollen.“ Der junge Mann begann aufzuzählen: „Dann hätte ich gern das Ende aller Kriege in der Welt, bessere Bedingungen für die Randgruppen der Gesellschaft, Beseitigung der Elendsviertel in der Welt, Arbeit für die Arbeitslosen, mehr Gemeinschaft und Liebe in der Kirche, und…und…“

Da fiel ihm der Engel ins Wort: „Entschuldigen Sie, junger Mann, Sie haben mich falsch verstanden. Wir verkaufen keine Früchte, wir verkaufen nur den Samen.“ (Hoffsümmer 1)

Vielleicht kennen sie diese Kurzgeschichte. Sie kam mir beim Nachdenken über die Texte der Lesungen als erstes in den Sinn. Und ich hatte sie gleich griffbereit auf dem Bucheinband einer Sammlung von Kurzgeschichten. 

Mit der Kreuzigung findet eine gängige Gottesvorstellung ihr Ende. Kein Gott, der in den Lauf der Geschichte eingreift, der von Fremdherrschaft befreit, der so mir nichts dir nichts ein Reich errichtet, in dem Recht und Gerechtigkeit herrschen. 

Und doch ein Gott, der Geschichte schreibt. Dem wir sagen möchten: “Denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ Das Reich Gottes kommt nicht mit dem Ende der Welt oder mit der Schaffung eines irdischen Paradieses, sondern mit jedem Samen, der aufgeht. Und jede Frucht braucht anderen Boden, anderes Klima, andere Pflanzengemeinschaften…Darauf zu achten, sind wir mit dieser Geschichte eingeladen. Die Tradition unserer Kirche nennt dies Haushalterschaft üben oder Mitarbeit an einer neuen Schöpfung.

Die Bitte des Vaterunsers „Dein Reich komme“ kam mir als zweites in den Sinn. Und ich spreche diese Bitte heute am Ende des Kirchenjahres ganz bewusst aus. Das Reich Gottes ist mitten unter uns und dennoch lehrt Jesus uns beten „Dein Reich komme“. In dieses schon und zugleich noch nicht ist unser Leben eingebettet. Ein Jahr geht zu Ende und die Lichter des Adventes senden schon ihre Vorboten. Und mit Weihnachten feiern wir wieder die Ankunft des Erlösers. 

Dein Reich komme in der Bilanz eines Jahres und in der Erwartung von etwas Neuem. In diesem Übergang hat die Bitte ihren besonderen Platz.

Einen dritten Gedanken mache ich an 2 Sprichwörtern fest. Eine Afrikanische Weisheit sagt: Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, werden das Gesicht der Erde verändern. Suchen wir also in unserer Gemeinde viele kleine Leute mit ihren Träumen, ihren Idealen, ihrer Phantasie, ihren Begabungen und Fähigkeiten, ihrer Herzlichkeit und Kreativität und bauen an einem nicht zu Ende gehenden Puzzle der Gemeinschaft und Kirche.

Eine Asiatische Weisheit sagt: Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen. Leisten wir also dem Wehen des Geistes Gottes keinen Widerstand, sondern suchen wir sein Wehen in der Welt und nutzen seine Energie. 

Nachfolge, so sagt man, bedeutet eintreten in das Kraftfeld Gottes. Mit der Taufe haben wir die Eintrittskarte bereits gelöst, aber Spieler und Spielerinnen auf der Bühne des Lebens sind wir selbst. Mit Martin Luther können wir sagen: Mit dem Wasser der Taufe wird der alte Mensch ersoffen und muss täglich neu geboren werden. Der Weg Jesu zu Kreuz und Auferstehung zeigt, dass Friede und Gerechtigkeit nicht leicht zu haben sind, aber dass sich die Mühe lohnt.

Abschließend füge ich den Weisheiten aus 2 Kontinenten den Vers eines Gebetes aus Brasilien hinzu: …Gott allein genügt sich selbst, aber er hat es vorgezogen, auf dich zu zählen.

Literatur: Willi Hoffsümmer. Kurzgeschichten Band 1. Mainz (8) 1986, Einband