18. Januar 2020

Gottesdienst am 22. Dezember 2019 – 4. Advent

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Predigt: Ute Frühwirth

„Hier bin ich Herr, sende mich! Römer 1, 1-7

In zwei Tagen ist Weihnachten und wir werden wieder unseren alljährlichen, sicher auch liebgewonnenen, Ritualen nachgehen. Wir werden mit unseren Liebsten das Weihnachtsessen genießen, gemeinsam Geschenke auspacken, vorher am Nachmittag noch zum Gottesdienst mit dem Krippenspiel gehen und vielleicht in der Nacht zur Christmette. Wir werden die Weihnachtsgeschichte nicht nur einmal lesen bzw. hören und wir werden die Geburt Jesu mit richtig schönen Weihnachtsliedern besingen. Wir dürfen die Faszination von Weihnachten erleben. Oder ist diese Faszination schon ein wenig zur Routine geworden und das Strahlen in den Augen vor einem beleuchteten Christbaum ist nicht mehr so strahlend. Hier beneide ich ein wenig die Kinder, die Feuer und Flamme für dieses Fest sind, wir Erwachsene vielleicht jedoch nur noch ein Flämmchen. 

Die Faszination von Weihnachten wiederfinden? Paulus schreibt in seinem ersten Brief an die Christen in Rom von seinem Weihnachten. „Gott hat mich zu seinem Apostel berufen und dazu bestimmt, seine Botschaft bekannt zu machen, die er schon vor langer Zeit durch seine Propheten in der Heiligen Schrift angekündigt hatte. Es handelt sich um das Evangelium seines Sohnes.“ Dieser stammt seiner irdischen Herkunft nach von David ab, und nachdem er von den Toten auferstanden ist, ist ihm die Macht gegeben worden, die ihm als den Sohn Gottes zukommt.“ Und in Vers 7 schreibt Paulus weiter: „Ihr seid von Gott geliebt, ihr seid berufen, und ihr gehört zu seinem heiligen Volk.“ Paulus erzählt nichts von Maria und Josef, einer Herbergssuche, keinem Stall, keinen Ochsen und Esel, keinen Engeln und keinen Hirten. Er erzählt aber davon, wie Jesus in ihm geboren wurde, als er am wenigsten damit rechnete. Und Jesus hat sein ganzes weiteres Leben erfüllt, denn Gott hat ihn zu seinem Apostel berufen und dazu bestimmt, seine Botschaft bekannt zu machen. 

„Ihr seid von Gott geliebt, ihr seid berufen, und ihr gehört zu seinem heiligen Volk.“ Diese drei Punkte – geliebt, berufen, gehören zu ihm – machen das Weihnachten für mich zu dem, was es sein soll. 

Aber alles der Reihe nach. Zu Punkt eins: wir sind von Gott geliebt? Lasst mich dazu meine eigenen Weihnachtsgeschichte erzählen. Wie jeden Tag sieht Gott seine Erde. Er beobachtet sie und muss jeden Tag aufs Neue sehen, dass sich seine Erde verändert hat. Nichts ist mehr so, wie er es gemacht hat. Der Friede und die Ruhe sind weg. An dieser Stelle herrscht Krieg, Unruhen, Menschen leiden. Menschen betrügen einander, sie lügen einander an und sie tun einander Unrecht. Sie tun einander nicht mehr gut. Und Gott beschließt, etwas daran zu ändern. Und der beste Weg, etwas zu ändern ist, wenn man direkt einschreitet. Aber wie soll Gott erscheinen? Die Menschen haben ihn vergessen, bzw. ihn in ihren Köpfen in eine vielleicht eigene Schublade gesteckt. Irgendwo ist er noch, aber werden sie ihn erkennen, wenn er daher braust in seiner ganzen Macht? Vielleicht hat Gott überlegt, über was sich die Menschen noch freuen, vor was sie keine Angst haben? Und Gott nimmt die Gestalt eines kleinen, hilflosen Menschen an. Einer, der auf die Hilfe von anderen angewiesen ist, der viel Liebe braucht, um zu wachsen, der allein nicht lebensfähig wäre. Unvorstellbar! Der allmächtige Gott „tut sich das an“ und verbringt als Mensch eine gewisse Zeit unter den Menschen auf der Erde, um ihnen zu helfen, um ihnen wieder Hoffnung zu geben, um die Sünden der Menschheit später mitzunehmen. Aber Gott tut noch mehr, als nur als kleines Kind auf in diese Welt zu kommen. Er setzt seine Liebe in die Herzen der Menschen. Ob dieser Same aufgeht und die Liebe auf andere überschwappt, das liegt bei uns. Doch was macht glücklicher und ist einfacher, als etwas zu teilen, das danach noch mehr wird!

 Das ist meine persönliche Weihnachtsgeschichte, und genauso wie Paulus von der Geburt Jesu in ihm erzählt, so wünsche ich uns allen, dass Gott unser Herr jedes Jahr aufs Neue in uns geboren wird. Wir dürfen diese unendliche Liebe von Gott zu uns am Heiligen Abend feiern.

 „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für uns hingab, damit alle, die an ihn glauben nicht verlorengehen, sondern das ewige Leben haben.“ Und dieses „Hingeben“ hat mit Weihnachten begonnen. 

Wir sind aber auch berufen, diese Botschaft der Weihnacht weiterzugeben. Wir sind dazu berufen, den Menschen weiterzuerzählen, was es mit dieser Weihnachtsgeschichte auf sich hat, warum wir dieses Fest der Liebe feiern, denn wir wissen es! Wir sollen Feuer und Flamme werden für die Botschaft, die Gott uns durch Jesus Christus in Gestalt eines neugeborenen Kindes jedes Jahr aufs Neue schickt. 

Bei unserem letzten Familienfest hatte ich ein Gespräch mit der Frau meines Cousins. Sie erzählte mir von diesen Omega 3 Fetten, die so lebensnotwendig für unseren Körper sind. Aber, nur durch die Nahrung allein, nehmen wir zu wenig davon zu uns. Man braucht dieses essentielle Öl in reinster Form direkt zum Einnehmen. Es hilft gegen Entzündungen und beugt vielen Krankheiten vor. Sie war Feuer und Flamme, als sie mir davon erzählte und man merkte, dass sie absolut von diesem Produkt überzeugt war. Sie setzt sich für dieses Produkt ein. 

Wenn man Feuer und Flamme für etwas ist, dann möchte man die ganze Welt oder zumindest seine nähere Umgebung damit in Brand setzen. Man möchte seine Familie, seine Freunde und Bekannte überzeugen und sagen: „Hey, ich hab da etwas ganz besonderes, etwas essentielles, das du täglich zum Leben brauchst. Und es ist absolut kostenlos! (was man von dem Öl nicht behaupten kann)

Der dritte Punkt war: und ihr gehört zu seinem heiligen Volk. Wir sind Teil von etwas ganz Großem. Wir gehören zu Gottes Volk. Gott wohnt mit uns zusammen. Er freut sich mit uns, er leidet mit uns. Er streitet sich mit uns, er versöhnt sich mit uns. Er trauert mit uns und er jubelt mit uns. Und Gott kommt nicht nur in dieser heiligen Nacht zu uns, sondern er lebt mit uns jeden Tag. Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist die, ob wir es auch so empfinden. Merken wir, dass Gott jeden Tag mit uns ist und uns umgibt. In meinem Fall darf ich diese Frage -Gott sei Dank- bejahen. Ich fahre in der Früh bei eisigen Temperaturen mit dem Rad zur Arbeit und komme an einem nebelbedeckten Feld vorbei, wo gerade die Sonne aufgeht. Ein wahnsinnig schönes Schauspiel. Und ich darf Gott danken für diesen neuen Tag und ihn um seine Begleitung bitten. In Situationen, in denen es nicht rund läuft, darf ich kurz innehalten, ihn um Ruhe, Geduld und Hilfe bitten und weiter geht’s. Gott wohnt mit uns zusammen! Das ist wahrer Luxus! Und diesen Luxus wollen wir Menschen weitergeben. 

Manchmal, wenn ich Menschen sehe, deren Seelenleben ausgemergelt ist, oder die von ständiger Angst begleitet sind, wünsche ich mir, sie von der Gegenwart und Liebe Gottes so überzeugen zu können, dass ihr Leben eine andere Qualität bekommt. Das nicht der Alltag sie ständig niederdrückt, sondern, dass sie erfahren dürfen wie es ist, die Sorgen, die Belastungen des Alltags, die Ängste nicht allein tragen zu müssen. Ruhig schlafen zu dürfen, weil man weiß, dass man in der großen Hand Gottes geborgen ist, ohne dem Leben nicht möglich wäre. 

Paulus hat damals nicht gerufen: „Hier bin ich Herr! Sende mich!“ Aber Gott hat ihn trotzdem zu seinem Werkzeug gemacht. Und Gott möchte auch uns senden. Uns, die wir um die Faszination von Weihnachten wissen, um die Liebe, die durch dieses kleine Würmchen auf die Erde gekommen ist. Wir dürfen sagen: „Hier bin ich Herr! Sende mich!“

Amen