18. Januar 2020

Gottesdienst am 25. Dezember 2019 – Christtag

Predigt: Pastor Mag Christoph Petau

zu Joh 1,1-14

In Goethes Faust klingt das Evangelium nach Johannes mit, nach dem Motto: “Der Worte sind genug gewechselt, lass mich nun endlich Taten sehn!“ Trift der Zusammenhang Wort und Tat die Absicht des Johannes? Die Wundererzählungen lassen diesen schnellen Schluss zu. Gleich im 2. Kapitel folgt mit der Erzählung der Hochzeit zu Kana das Wein- oder Wasserwunder und eröffnet einen Reigen von Taten und Wundern Jesu.

Ich denke auch gleich an das Soziale Bekenntnis der Evangelisch-methodistischen Kirche, das in dem Satz endet: „Wir nehmen seinen Auftrag an, das Evangelium in unserer Welt zu leben.“ Und mir fällt das Motto der Pfadfinder ein: Allzeit bereit.

Aber gehen wir an den Beginn des Johannesevangeliums zurück. Im Anfang war das Wort. Eine großartige Eröffnung. Eine Ouvertüre, die über der ganzen Frohen Botschaft liegt. Das Wort steht am Beginn des Buches. Nicht Chaos, Wüste und Leere, wie es im Schöpfungsbericht anklingt (Gen 1.1). Einfach Wort. Johannes kehrt damit den Schöpfungsbericht um. Man mag auch sagen: Er erdet ihn.

Da fallen mir eine Reihe von Bildern und Sätzen ein. Paulus schreibt einmal: In Christus sind wir eine neue Kreatur. Das Alte ist vergangen. Neues ist geworden. – Ezechiel gebraucht das Bild des Herzens und schreibt: Ich nehme das Herz aus Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz aus Fleisch. – Da ist bei Jesaja die Erzählung vom Himmlischen Tierfrieden. Wolf und Lamm liegen friedlich beieinander. 

Ochs und Esel sind in die Krippendarstellungen eingezogen. Da lässt sich nicht mehr sagen: „Du blöder Ochse“, da steht der Ochse für das Wunder Mensch und hält es warm, ja hat sogar seinen Platz hergegeben. Und im Esel, diesem Wandertier, ist Gott zu den Menschen gekommen. – Und schließlich fällt mir das Wort ein: „Gott hat sein Zelt unter den Menschen aufgeschlagen und hat Wohnung unter uns genommen“.

Am Anfang nicht die Tat, sondern das Wort. Ein Akteur neben Gott. Und damit eröffnet Johannes den Dialog mit den Philosophen seiner Zeit. Über den Logos dachten die biblischen Zeitgenossen nach und Wort setzt Johannes an den Anfang seiner Erzählung. Holt seine Leser und Leserinnen in seine Gotteserfahrung mit hinein. Ein Akteur neben Gott. Diesen Platz hat in der biblischen Tradition auch die Weisheit, die Sophia. Der Evangelist Johannes erweist sich als Gesprächspartner für viele. Im Anfang war das Wort. Dieser Anfang des Evangeliums ist fast wie en Ballspiel. Der Ball wird geworfen, damit er weitergeworfen wird. Am Ende gehören alle, die den Ball fangen zu einer großen Familie. Und die Metapher von der Familie taucht in den folgenden Fersen immer wieder auf.

Ein Bildpaar bestimmt die folgenden Verse: Licht und Finsternis. Man möchte meinen, der Stern über Bethlehem überstrahlt alles. Das Licht lässt sich nicht löschen, nicht verstecken oder verbergen. Dieses Wort bei Johannes tönt ebenso, wie der Gesang der Engel auf den Feldern. In dieses Wort sind wir einbezogen. Dieses Wort ist verlässlich. Auch wenn wir diesen Schatz in irdenen Gefäßen tragen, wie Paulus schreibt. Dieses WORT-LICHT trifft alle, die Zeugnis ablegen, wie Johannes, der erste Zeuge. 

Betroffen vom Wort werden Jene, die sich auf die Worte Jesu einlassen. Wie etwa: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Ich bin der Weinstock. Und am deutlichsten: Ich bin die Tür. Sie ist offen für Alle, die etwas vom Licht begriffen haben, die seine Stimme hören. Die seine Stimme heraushören unter falschen Stimmen der Zeit.

Nicht die Tat steht am Anfang, sondern das Wort. Mag das Soziale Bekenntnis für „tätiges Christentum“ stehen, es beginnt dennoch mit dem Hören: Wir glauben an Gott… Aus dieser Verwurzelung kommt das Tun und Handeln. Gott hat in Jesus Christus in dieser Welt Wohnung genommen. Das feiern wir Weihnachten. Dieses Geheimnis will Licht werden in uns. Diese Einwurzelung Gottes in der Welt will durch Nachfolge Triebe schlagen. 

Der Esel an der Krippe. Dom Helder Camara drückt dies so aus: Lass mich dein Esel sein, Christus, lass mich einer sein, der dich zu den Menschen trägt.    Der Esel: ein trittsicherer Lastenträger, ein zuverlässiger Diener, ein umsichtiger Gefährte, ein störrischer Verweigerer und ein demütiger Lastenträger. 

Literatur: Klaus Scholtissek. Das Evangelium nach Johannes. Ein Anfang, der es in sich hat. In: Egbert Ballhorn u.a (Hg) 73 Ouvertüren. Die Buchanfänge der Bibel und ihre Botschaft. Gütersloh 2018