26. Februar 2020

Gottesdienst am 5. Jänner 2020

Predigt: Frank Moritz-Jauk

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In Gottes Arme fallen

Liebe Gemeinde, wir feiern heute unsere Erneuerung des Bundes mit Gott. Wir befinden uns an dieser Stelle mitten im Geschehen. Was ist denn bis hierher geschehen?

Ich bitte alle, die sich intensiv mit diesem Gottesdienst beschäftigt haben und ihn vielleicht auch schon über Jahrzehnte hinweg feiern, mir diese Frage zu verzeihen. Aber für alle, die ohne große Vorbereitung heute hier im Gottesdienst sind, sei diese Frage erlaubt. 

So eine Liturgie ist sehr, sehr dicht und ich weiß, dass sie noch viel dichter werden wird, also möchte ich auf ein paar ganz grundsätzliche Dinge hinweisen. Vielleicht fällt es dann der einen oder anderen Person leichter, sich für die Erneuerung des Bundes mit Gott zu entscheiden.

Wir haben diese Feier mit der Bitte um ein reines Herz begonnen. Das war sozusagen die „Reset“ Taste. Ihr kennt das wahrscheinlich von euren Handys und Computern. Reset, heißt Wiederherstellung. Man kann damit die ursprüngliche Absicht des Herstellers des Geräts wieder herstellen. Das kann manchmal der einfachere Weg sein, wenn man sich alle möglichen Viren auf das Gerät geladen hat. Und genau so können wir auch die Bitte um ein reines Herz verstehen: Zurück an den Start. Wir beginnen neu und zwar so, wie uns unser Schöpfer, also unser Hersteller,  in seiner ursprünglichen Absicht gedacht hat. Rein, in Einklang mit ihm, unserem Gott, voll des Heiligen Geistes und damit voller unverfälschter Liebe. Das bringen wir mit unserer Bitte um ein reines Herz zum Ausdruck: Lass uns gut beginnen, Gott.

Das anschließende Dankgebet behandelt unsere grundsätzliche Erlösung. Die Erweckung des Glaubens in uns und die Gabe des Heiligen Geistes. In Dankbarkeit erinnern wir uns an dieses Geschehen, das von Gott ausgeht. Das wir nicht selbst machen können, sondern das wir in Dankbarkeit annehmen. Auch die Begleitung bis zu diesem Zeitpunkt in unserem Leben bedenken wir im Dankgebet und die Verlässlichkeit Gottes, der uns nachgegangen ist, wenn wir uns von ihm entfernt haben. Für mich ist der Kern des Dankgebets der Dank für das Wunder des Glaubens. Wir merken doch alle, wie schwer sich die Menschen, die wir kennen, wahrnehmen und lieben, mit dem christlichen Glauben tun. Dankbar erkenne ich also im Dankgebet, dass Gott mich gesucht und gefunden hat, sodass ich an ihn glaube.

Das Sündenbekenntnis beschreibt dann ziemlich genau unsere häufigsten Verfehlungen. Wie wir immer wieder auf uns selbst zurück geworfen werden. Wie vergesslich wir sind. Wie sehr uns andere Dinge oder eigene Anliegen wichtiger sind als die Nachfolge und so weiter. Ich denke, das Sündenbekenntnis ist ziemlich selbsterklärend. Hier erscheint es mir eher wichtig, auf den Befreiuungscharakter eines jeden Sündenbekenntnisses hinzuweisen. Besonders in unserer Abendmahlsliturgie 775 wird das sehr gut beschrieben: Gott will uns nicht bloßstellen oder demütigen. Schau her wie schlecht du bist, nein! Gott befreit uns durch das Sündenbekenntnis von der Last aller offenen und verdeckten Schuld, damit wir wieder frei atmen können. Schuld, die ausgesprochen und benannt wurde, kann vergeben werden. Schuld, die wir nicht bekennen ist deswegen ja nicht weg oder verborgen vor Gott. Gott sieht alles aber er sieht es mit liebevollen Augen und möchte uns von der Last der Schuld befreien.

Deshalb vergibt er uns unsere Schuld und diese Zusage haben wir gehört. Hoffentlich gehört als echtes Versprechen. Es ist wirklich so, weil Gott es selbst sagt: Du bist gereinigt – ich sehe nicht mehr auf deine Schuld – es ist vorbei, es ist wieder gut. Ganz gut, nicht nur ein bischen gut. Sondern ganz und vollkommen gut.

Im Verkündigungsteil haben wir zwei ganz grundsätzliche Aussagen durch die beiden Lesungen erfahren. Die Botschaft der ersten Lesung ist: Es wird eine Zeit kommen, in der jede Person des erwählten Volkes Israel den Herrn erkennen wird. Das ist zunächst einmal wirklich eine Verheißung für Israel und nicht für uns. Warum steht es dann in dieser wichtigen „christlichen“ Liturgie? Weil sie mindestens zweifacher Trost sind. Trost für Israel bedeutet auch Trost für die Christen, die das Judentum oft so gering geachtet haben. Das ist der eine Trost. Der andere Trost ist: Was Gott mit Israel möglich ist, könnte auch für die übrige Welt möglich sein. Es besteht Hoffnung, dass Gott einmal in jedes seiner Geschöpfe hineinwirken wird.

Die Botschaft der zweiten Lesung ist unmittelbar an uns gerichtet: Bleibt in Verbindung zu mir, sagt Christus. Ohne mich könnt ihr nichts tun. Dem könnte man trotzig widersprechen und sagen, wieso, ich kann doch laufen, ich kann doch reden, ich kann doch dies oder jenes. Aber in Bezug auf den Glauben und dessen Verkündigung sagt meine Erfahrung: Als Zeugin oder Zeuge des Glaubens ist es so wie Christus sagt. Unsere Glaubwürdigkeit ist ausschließlich in der Verbindung zu Christus begründet.

Damit sind wir jetzt wieder bei dem Predigtteil angekommen. Ein kleiner Rückblick auf das, was bisher geschah. Was wird jetzt noch geschehen?

Die Hinführung zur Erneuerung des Bundes sagt, warum wir diesen Bund schließen sollen: Weil Christus für uns gestorben ist. Weil wir damit berufen wurden ihm, und damit Gott, zu dienen. Nicht weil wir müssen, sondern weil wir es in freier Entscheidung so wollen. Aus Liebe und aus Dankbarkeit.

Bei der Erneuerung des Bundes lassen wir uns bedingungslos in Gottes Arme fallen.

Ich gebe zu, dass die dort getroffenen Formulierungen eine ernstzunehmende Herausforderung darstellen. Ich gebe auch zu, dass es Jahre gab, an denen ich diesen Teil nicht mitsprechen konnte. Ich gebe zu, dass sie unser Vertrauen und zwar ein sehr weitgehendes Vertrauen auf Gott ansprechen. 

Aber genau darin sehe ich mittlerweile auch eine große Chance: Es ist wirklich so, dass ich mich in Gottes Arme fallen lasse und damit mein Vertrauen, meinen Glauben, an seine Fürsorge und an sein Wirken zum Ausdruck bringe. Jede Prüfung ist auch eine Chance zu wachsen. Und wielange welche Phase des Lebens dauert, darüber spricht dieses Versprechen nicht. Ich verspreche nicht ewig zu leiden, ewig krank oder arbeitslos zu sein, ewig zu trauern. Ich verspreche mich dem Wirken Gottes zur Verfügung zu stellen. Mich durchdringen zu lassen von Gott.

Und das erlebe ich trotz machen Mühen und Anstrengungen als eine große Bereicherung für mein Leben. Ich darf mit Gott in Verbindung sein. Mit ihm gemeinsam unterwegs. Und zwar in einer  liebevollen und befreienden Beziehung.

Amen