26. Februar 2020

Gottesdienst am 9. Februar 2020

Predigt: Gerhard Weissenbrunner

English

Matthäus 5, 13-20; 1.Korinther 2, 1-12 – Salz der Erde, Licht der Welt …

„Ihr seid das Salz der Erde; Ihr seid das Licht der Welt!“
So bezeichnet Jesus seine Zuhörer. Damit stellt Jesus seine Jüngerinnen und Jünger vor den Vorhang. Welch ein Glück und zugleich welch eine Herausforderung?

„Als Jesus die Menschenmenge sah stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, seine Jünger (und Jüngerinnen ) versammelten sich um ihn, und er begann zu lehren. (Mt.5, 1-2)“ Und Jesus erklärte ihnen, wer glücklich sein wird in seinem Leben. Nämlich diejenigen, die sich vor Gott nichts vormachen – die sanftmütig miteinander umgehen – die ein Verlangen nach Gerechtigkeit haben – die barmherzig sind – die Frieden stiften – usw. Wer sein Leben so ausrichtet, wird ein glückliches Leben führen. 

Und anschließend an die Seligpreisungen nennt Jesus seine Jüngerinnen und Jünger „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“. Wohlgemerkt, nicht seine Zuhörer, sondern seine Nachfolger. Jene, die seine Worte hören, sie aufnehmen und danach handeln.

Gleichzeitig gibt Jesus eine Verlustwarnung aus. Gebt Acht, dass euer Handeln nicht an Kraft verliert. Achtet darauf, dass ihr genießbar bleibt. Verbreitet einen guten Geschmack.

Der Vergleich mit dem „Salz“ trifft. Wenn Hilde einmal nicht zu Hause ist, muss ich für mich selber Essen zubereiten. Dann gibt es (was sonst?) Spaghetti! Dabei hatte ich genug Gelegenheiten, die richtige Menge an Salz zu finden. Einmal war es zu wenig. Dann schmeckte das Essen fad. Einmal war es zu viel. Dann war das Essen ungenießbar. Mittlerweile treffe ich die richtige Menge Salz, meistens.
Beim Essen schätzen wir die Bedeutung von Salz und achten auf die Menge. So sollen wir ebenso darauf achten, dass unser Umgang miteinander einen guten Geschmack verbreitet.

Auch der Vergleich mit dem „Licht“ trifft. Das Licht der Liebe Gottes scheint uns ins Herz. Es erhellt unser Innerstes. Es verändert uns. Wir wissen, wir sind geliebte Kinder Gottes, durch unseren Glauben an Jesus. Durch Jesus Christus leben wir in Beziehung mit Gott und Gottes Geist bezeugt unserem Geist, dass wir seine Kinder sind. Und die Verbindung mit Gott lässt uns sprechen, rufen, flüstern, denken: „Abba, Vater! Mein Herr und meinGott! (Röm.8,15)“ 

Die Liebe Gottes soll an uns sichtbar werden. Sie ist nicht vereinbar mit Griesgrämigkeit. Auch nicht mit einem Verhalten, das nicht zur Ehre Gottes dient. Aber sie ist vereinbar mit einem Verhalten, wie es im Hohen Lied der Liebe (1.Kor. 13, 4-6) beschrieben ist: „Liebe ist geduldig, Liebe ist freundlich. Sie kennt keinen Neid, sie spielt sich nicht auf, sie ist nicht eingebildet. Sie verhält sich nicht taktlos, sie sucht nicht den eigenen Vorteil, sie verliert nicht die Beherrschung, sie trägt keinem etwas nach. Sie freut sich nicht, wenn Unrecht geschieht, aber wo die Wahrheit siegt, freut sie sich mit.“ 

Als ich diesen Text zum Ersten mal, vor vielen Jahren, gelesen habe, hat mich die prosaische Schönheit des 13. Kapitels sehr berührt. Jedoch der Inhalt hat mich klein und traurig gestimmt. Ich hatte ihn als unerfüllbare Forderung an mich verstanden. Heute lese ich den Text als Geschenk der Gnade Gottes. Im Leben mit Christus wird diese Liebe eine Kraft, die nach außen drängt und sichtbar wird. Nicht aus mir heraus, sondern aus der Kraft des Heiligen Geistes, der in uns wirkt.

Wie ein Sauerteig den Teig durchsäuert, so verändert die Liebe die Person und ihre Umgebung. Es ist faszinierend zu beobachten, wie ein bisschen Sauerteig einen ganzen Teig durchsäuert. Milchsäurebakterien und Hefepilze halten ihn in Gärung und fördern diesen Prozess. So ist es die Liebe Gottes, die diese Welt verändert.
Jesus vergleicht das Himmelreich mit einem Sauerteig (Matt.13,33). »Eine Frau nimmt eine Hand voll davon, mengt ihn unter einen halben Sack Mehl, und am Ende ist die ganze Masse durchsäuert.« Dieses Gleichnis kann man so übersetzen: wo die Liebe hineinwirkt in die Welt, ist der Himmel auf Erden, ist Gott gegenwärtig.

Die Pharisäer fragten Jesus (Lk. 17,20-21), wann das Reich Gottes komme. Darauf antwortete er: „Das Reich Gottes kommt nicht so, dass  man es an äußeren Anzeichen erkennen kann. Man wird auch nicht sagen können: »Seht, hier ist es!« oder: »Es ist dort!« Nein, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“

Was Menschen von sich aus nicht wissen können und nicht einmal diese Pharisäer, als Diener und Kenner der jüdischen Gesetze erkannt haben, ist schon da. Das Reich Gottes ist in dieser ganzen Welt gegenwärtig! – Gegenwärtig in und durch Jesus Christus. Gott hat sich in Jesus von Nazaret leiblich offenbart. In Jesu Leben, Sterben und Auferstehung ist das Reich Gottes erkennbar und erlebbar. 

Für viele, ja sogar für manche, die sich Christen nennen, ist der gekreuzigte Christus nicht nachvollziehbar. Sie meinen, für sie hätte Christus nicht am Kreuz zu sterben brauchen. Auch verstehen manche nicht, was die Auferstehung Christi für sie und die Welt bedeuten soll. Und dabei kann man ihnen Klugheit und Verstand nicht absprechen. Im Gegenteil, ich kenne einige, die sich für Sozialität und Humanität mühsam, nach ihren Möglichkeiten, einsetzen. Und doch verstehen sie in dieser Weise Gott nicht.
Warum das?

Ich antworte mit Paulus: »Hinter dem scheinbar so widersinnigen Handeln Gottes steht eine Weisheit, die alle menschliche Weisheit übertrifft« (1.Kor.1, 25) und «die Botschaft vom Kreuz ist für viele etwas völlig Unsinniges. Aber für uns ist es der Inbegriff von Gottes Kraft« (1.Kor.1,18).

Die Botschaft, die Paulus den Menschen in Korinth verkündete, sollte nicht auf geschliffene Rhetorik und scharfsinnige Argumente beruhen. Sondern er wollte ihre Aufmerksamkeit einzig und allein auf Jesus Christus lenken – auf Jesus Christus, den Gekreuzigten. Denn ihr Glaube sollte nicht auf Menschenweisheit gründen, sondern auf Gottes Kraft.

Dieselbe Denkweise ist auch für uns ein guter Rat. Wir brauchen uns nicht über andere überheben, weil wir sozusagen wissen, was Reich Gottes bedeutet. Wir brauchen unseren Mitmenschen auch nicht die richtige Richtung für ihr Leben erklären (das hören sie oft genug von den Managern und den Politikern). Nein, im Gegenteil! Wir sollten uns unserer Schwachheit bewußt sein, damit umso mehr Gottes Kraft zur Geltung kommt. Jesus Christus ist der Mittelpunkt unserer Verkündigung. Jesus, der Gekreuzigte und der Auferstandene.

Nicht die Machthaber, Kaiser und Könige sind auferweckt worden vom Tod. Nicht Dschingis-Khan, nicht Alexander der Große, nicht Napoleon haben den Tod überwunden. Und ebenso werden die jetzigen Regierenden, die Fürsten in den Konzernen, die Geldmagnaten und die Generäle dem Tod nicht entgehen können.
Dem Mann aus Nazaret aber, Jesus, den Christus, ist es widerfahren. Er ist der Erste, der Auferstandene. Und er hat den Liebenden und den Gewaltlosen versprochen, dass sie die Erde als Besitz erhalten. 

Durch wen immer das auch geschehen mag: wo ein freundliches Wort gesprochen wird – wo eine liebevolle Tat getan wird – wo sich Unfrieden in Frieden und Unrecht in Gerechtigkeit verwandelt – wo Versöhnung geschieht – wo immer derartiges passiert, da geschieht ein Akt der Auferstehung! Da ist die neue Welt sichtbar! Da verbinden sich Himmel und Erde! Siehe, das Alte ist vergangen, Neues ist geworden.

»Es wird erzählt von einer muslimischen Frau, die als Medium in spiritistischen Sitzungen gedient hatte. Als sie von Jesus hörte und ihr Vertrauen auf ihn setzte wurde sie von diesen Mächten frei. Eines wunderte sie immer wieder: dass Christen nicht wissen welche Autorität sie besitzen. Sie erzählte, dass sie damals als Medium schon von Weitem sehen konnte, wer Christ war und wer nicht. Sie konnte über den Köpfen der Christen ein Licht sehen, das ihr zeigte, dass hier ein größere Autorität vorhanden war als ihre dunkle Kraft. Sie konnte nicht fassen, dass viele Christen nichts wissen von diesem Licht und von der Kraft, die dämonische Mächte erzittern lässt. Jesus, der durch den Glauben in uns wohnt, verleiht uns diese Autorität. Es ist nicht unsere Kraft, sondern Jesus selbst, der uns stark macht. Er ist das Licht der Welt. Wir sollen dieses Licht nicht unter den Scheffel stellen. Das ist unser Beitrag dazu. Mehr nicht.«

Jesus appelliert an seine Gläubigen: „ihr seid das Salz der Erde und das Licht der Welt! Lebt mit mir meine Botschaft. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten: sie sollen eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ 

Amen