28. März 2020

Gottesdienst am 23. Februar 2020

Predigt: Ute Frühwirth

English

„Hört und glaubt!“ Matthäus 17, 1-9

Ich möchte euch heute auf eine Reise mitnehmen die uns durch die Lesung des Matthäusevangeliums Kapitel 17 die Verse 1-9 führt. Reise deshalb, weil ich, in der Vorbereitung auf diese Predigt, mich durch diesen Text Vers für Vers gewunden habe (ich habe mich sozusagen auf die Reise durch den Text gemacht) und ihn , so ist nun mein Gefühl, endlich einigermaßen verstehe und Zusammenhänge zu anderen Textstellen erkennen kann.   Ich werde auch versuchen die zweite Lesung des heutigen Sonntags nämlich 2.Petrus Kapitel 2 miteinzuflechten. Der Text von Matthäus ist fast ident mit der Erzählung im Markusevangelium Kapitel neun, was ich sehr spannend fand, denn die beiden Texte ergänzen sich ein wenig durch ihre unterschiedlichen Formulierungen – später dazu mehr.

Der Predigttext beginnt mit folgenden Worten: „Sechs Tage später nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes mit sich und stieg mit ihnen auf einen hohen Berg, wo sie allein waren.“  Diese drei Jünger Petrus, und die Brüder Jakobus und Johannes, die Jesus hier mit auf den Berg nimmt, wird Jesus auch mit in den Garten Gethsemane nehmen, um mit ihm zu beten und zu wachen, und sie werden Zeugen werden, wie Jesus mit sich ringt und leidet. Ein klarer Kontrast zu dem, was hier in unserer heutigen Geschichte passiert. Beim Lesen des Textes stellte sich mir aber auch die Frage:  was passierte sechs Tage zuvor? Die Zeitangabe bei Matthäus bezieht sich auf ein Gespräch zwischen Jesus und seinen Jüngern. Jesus stellte damals die Frage – Für wen halten die Menschen den Menschensohn, und Petrus antwortete „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Zu dieser Erkenntnis kam Petrus eben sechs Tage zuvor. Außerdem sprach Jesus zum ersten Mal über sein Leiden und seinen Tod. Ich finde diesen kurzen Rückblick für unsere weitere Reise im Predigttext recht hilfreich und deshalb auch erwähnenswert. 

Jesus nimmt also seine Jünger mit auf den Berg. Dass es gerade ein Berg wird, ist nicht wenig überraschend. Der hohe Berg wird gern als Stätte der Begegnung mit Gott gesehen. Viele Menschen machen sich auf, einen Berg zu besteigen, um Gott an diesem Ort besonders nahe zu sein. Und dort geschieht etwas Unerwartetes. Jesus wird vor ihren Augen verwandelt. Luther übersetzt dieses „verwandelt“ mit “verklärt“. Hier musste ich den Begriff „Verklärung“ für mich einmal abklären. Verklärung bedeutet „Offenbarung“. Es ist die Eröffnung von etwas bisher Verborgenen. Markus berichtet so von diesem Ereignis: „Und seine Kleider begannen leuchtend weiß zu glänzen, so hell, wie es kein Färber auf der ganzen Welt hätte machen können.“ Dieser Satz zeigt mir, dass hier der Mensch außen vorgelassen wird und das, was passiert nur Gott kann. Und Matthäus setzt noch eines drauf. „Sein Gesicht begann zu leuchten wie die Sonne, …“ Und damit nicht genug! „Auf einmal erschienen Mose und Elia; die Jünger sahen, wie die beiden mit Jesus redeten.“ 

So, jetzt ist es aber mal genug! Das überfordert doch jedes menschliche Gehirn. Jesus, der leuchtet wie die Sonne und sich dabei mit den beiden Propheten des Alten Testaments unterhält, die selbst Gott schon auf einem Berg begegnet sind. Jesus steht hier mit den Repräsentanten von Gesetz und Prophetie in vertrauter Dreisamkeit. Dass dieses Ereignis für die Jünger ein bisschen zu viel wird, ist eigentlich nur verständlich. Aber Petrus erkennt die Größe des Augenblicks und reagiert, meiner Meinung nach, sehr menschlich darauf- er will nämlich Hütten bauen. Er macht Jesus einen Vorschlag: „Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elia.“ Petrus hat den Wunsch, dieses besondere, himmlische Szenario, das ihm und seinen beiden Begleitern hier geboten wird, festzuhalten. Wie wir! Auch wenn unsere tollen Erlebnisse nicht mit diesem himmlischen Szenario  gleichzustellen sind, so wollen wir sie auch festhalten und so viele Fotos wie möglich machen, damit wir uns immer daran erinnern und ja nichts vergessen, bzw. unseren Lieben zu Hause auch von dem Erlebten erzählen können. Ich denke, das liegt einfach in der Natur des Menschen damals schon, wie auch heute.

Petrus bekommt aber keine Antwort, denn jetzt kommt es erst so richtig dick! Zu dem verwandelten Jesus und den von den Toten auferstandenen Propheten kommt noch eine leuchtend helle Wolke und aus der Wolke spricht eine Stimme: „Dies ist mein geliebter Sohn. An ihm habe ich Freude, auf ihn sollt ihr hören.“ Das sind die gleichen Worte, die Gott bei der Taufe Jesu gesprochen hat, und jetzt erscheint Gott noch einmal persönlich und bestätigt Jesus in seiner Identität – so wie Petrus es sechs Tage zuvor schon getan hat, indem er Jesus geantwortet hat: „Du bist der Messias“. Gott spricht von Jesus als seinen geliebten Sohn. Die drei Jünger erfahren hier aus erster Hand, wer Jesus ist, nämlich Gottes geliebter Sohn. Und wenn wir wieder ein wenig zurückblicken, sehen wir den Zusammenhang zwischen dieser Aussage – du bist mein geliebter Sohn- und der Leidensankündigung, die Jesus sechs Tage zuvor gemacht hat. Die Jünger, die ja auch da dabei waren, sollen wissen; Gott bekennt sich zu seinem Sohn, egal was kommen mag.  Bei der Taufe Jesu blieb noch offen, an wen die Worte Gottes gerichtet waren. Aber in dieser Situation hier am Berg sind die Adressaten klar. Es sind die drei Jünger, stellvertretend für die spätere christliche Gemeinde. Und sie bekommen einen klaren Auftrag von Gott: „Hört auf ihn!“ Allen Leserinnen und Leser des Matthäusevangeliums sei gesagt: Auch wenn wir nicht dabei waren und Jesus nicht verklärt mit Mose und Elia gesehen haben, so ist doch klar, was wir zu tun haben – auf sein Wort hören! Ein klarer Auftrag von Gott.

Ich kehre zurück zu der Geschichte am Berg, denn jetzt zieht es den Jüngern endgültig die Füße weg. „Die Stimme versetzte die Jünger so sehr in Schrecken, dass sie sich zu Boden warfen, mit dem Gesicht zur Erde. Jesus aber trat zu ihnen, berührte sie und sagte: Steht auf! Ihr braucht euch nicht zu fürchten.“ Jesus berührte sie. Eine Berührung in angsteinflößenden Situationen kann Wunder bewirken. Und noch dazu die Worte „Fürchtet euch nicht“ – oder „Fürchte dich nicht“ kann eine unglaublich heilsbringende Wirkung haben. Jesus spricht uns auch heute diese Worte zu. Er berührt uns, wenn wir uns angstsuchend zu ihm wenden. Er umarmt uns durch Menschen, die er uns helfend zur Seite stellt.

„Und als sie aufblickten, sahen sie niemanden mehr außer Jesus.“ Was die drei Jünger gehört und gesehen haben war ein Geschenk eines Augenblicks, ein Einblick in die Wirklichkeit. Zurück in der Normalität ihres eigenen Lebens sind sie wieder mit Jesus allein. Und Jesus verbietet ihnen fürs erste mit jemanden über die Geschehnisse am Berg zu sprechen. „Sprecht mit niemanden über das, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.“ Wie schwierig muss es für die drei gewesen sein, nicht über dieses fundamentale Erlebnis zu sprechen. Und vor allem wie schwierig muss es gewesen sein, Jesus schon wieder von seinem Tod sprechen zu hören? Wir werden es nicht erfahren, denn in der Geschichte sprechen sie in den weiteren Versen über Elia – kein Wort mehr über das eben Geschehene. Wir allerdings wissen, wie die Geschichte weitergegangen ist, und wir wissen auch, dass diese „Berg-Erfahrung“ die die Jünger machen durften, ein Stück vorhergenommene Osterherrlichkeit ist.

Zu Beginn meiner Predigt habe ich von zwei Textstellen gesprochen, die ich miteinander verflechten möchte und damit meine ich nicht die kurze Erwähnung des Markusevangeliums. Es fehlt also noch 2.Petrus 2. Kapitel.  Das, was Jesus ihm noch im Matthäusevangelium verboten hatte, nämlich über die Ereignisse am Berg zu sprechen, das tut Petrus hier. Er legt ein Zeugnis ab. Er berichtet darüber, dass er Augen und Ohrenzeuge von Jesu Herrlichkeit wurde. Und er beteuert, dass diese Geschichte nicht klug ausgedacht ist. Er berichtet ins kleinste Detail wie Jesus von Gott seinem Vater geehrt wurde und er spricht von der Stimme der höchsten Majestät.  Was für mich aber von großer Bedeutung ist, ist die Aussage von Petrus, dass keine prophetische Aussage der Schrift das Ergebnis eigenmächtiger Überlegungen des jeweiligen Propheten ist. Petrus beschreibt es so: „Keine Prophetie hat je ihren Ursprung im Willen eines Menschen gehabt. Vielmehr haben Menschen, vom Heiligen Geist geleitet, im Auftrag Gottes geredet.“ Diese Aussage ist für mich der Beweis, dass ich das geschriebene Wort in der Bibel glauben darf. Es geht mir nicht darum alles wörtlich zu nehmen, was ich in der Bibel lese. Aus Erfahrung wissen wir, dass das auch nicht möglich ist und manche Aussagen und Handlungen von damals in unserer heutigen Zeit anders zu verstehen sind. Und trotzdem bleibe ich bei meiner Ansicht: alles was ich von Jesus lese, darf ich glauben, denn es ist vom Heiligen Geist gegeben. Und somit kann ich auch Gottes Auftrag erfüllen, nämlich „Hört auf ihn“. Ich kann auf den Sohn Gottes hören und mich immer wieder fragen „was hätte Jesus an meiner statt getan?“ Ich kann ihn um Hilfe bitte und er wird mich berühren und mir die Angst nehmen. Und ich kann glauben, dass die Geschichten alle wahr sind, auch wenn sie unseren menschlichen Horizont übersteigen, denn sie sind von Menschen aufgeschrieben, die durch den Heiligen Geist geleitet wurden. 

In sieben Wochen feiern wir Ostern. Dann dürfen die Jünger endlich über das berichten, was sie am Berg erlebt haben. Aber wir dürfen schon heute hemmungslos davon erzählen, was Jesus in uns verändert, welche Möglichkeiten er uns in unserem Leben aufzeigt, welche besonderen Geschichten in der  Bibel stehen und wie Leben mit Jesus an unserer Seite gelingt. Wir müssen nicht erst auf Jesu Auferstehung warten.

Amen