26. Juni 2017

Geschichte

Gemeindegeschichte

Die bischöfliche Methodistenkirche gründete ihre erste Gemeinde in Graz im Jahr 1911. Das heutige Kirchengebäude wurde im Jahr 1923 gebaut. Bis zum Krieg hatte die Gemeinde eine beachtliche Größe erreicht. Der Krieg und die Zeit danach brachte einen gewissen Einbruch. Seit 1984 ist die Gemeinde wieder gewachsen. Die letzte Renovation des Kirchengebäudes fand 1994 statt.

Am 14. Dezember 1911 kamen in einem Haus mitten in Graz sechs Männer zusammen, um in einer konstituierenden Versammlung den „Christlichen Jünglings- und Männerverein“ zu gründen. Ungefähr mit diesem Zeitpunkt beginnt die Geschichte der Evangelisch-methodistischen Kirche in Graz.

Der eigentliche Gründer der Gemeinde war, neben dem Pastor Hinrich Bargmann, Sebastian Kraus. In der Evangelischen Gemeinschaft, die heute zusammen mit der ehemaligen bischöflichen Methodistenkirche die Evangelisch-methodistische Kirche bildet, fand er zu seinem Glauben an Jesus Christus. Es lebten in Graz zwar einige Methodisten, die im Laufe der Jahre zugezogen waren, öffentliche Gottesdienste und andere Versammlungen waren jedoch verboten. Dafür war eine Gesetzgebung verantwortlich, die nicht nur die Römisch-katholische Kirche als Staatskirche bevorzugte, sondern zugleich andere kirchliche Gruppen radikal einschränkte, sofern sie nicht die staatliche Anerkennung besaßen. Das bekamen die Methodisten von Anfang an zu spüren, obwohl die Methodistenkirche weltweit bereits zu einer Großkirche mit vielen Millionen Mitgliedern geworden war. Es war ihr in Österreich nicht möglich, die staatliche Anerkennung oder sonstige Vergünstigungen zu erlangen.

Pastor Hinrich Bargmann hatte, nachdem die in Graz wohnenden Mitglieder an die Konferenz um Hilfe herangetreten waren, den Auftrag erhalten, in Graz eine Gemeinde ins Leben zu rufen. Er tat dies mutig und konsequent. Die Gemeinde begann schon bald zu wachsen. In den ersten Jahren kamen ständig neue Menschen hinzu. Dafür war sicherlich auch die Art und Weise maßgeblich, in der Mission betrieben wurde. Man lud zu Vorträgen ein, mit Themen wie „Das Dasein Gottes“, „Die Unsterblichkeit der Seele“, „Die Funktionen des menschlichen Gewissens“. Viele der neuen Mitglieder kamen aus theosophischen und spiritistischen Kreisen. Sie waren wohl nominell Mitglieder der Römisch-katholischen Kirche, ihr aber innerlich völlig entfremdet.

Der Anfang in Graz zeigt einen Grundzug methodistischer Verkündigung. Ausschlaggebend für die Mission in Graz war die Erkenntnis, dass Österreich für die Kirche  eigentlich  Missionsgebiet  ist, auch wenn die meisten Österreicher einer christlichen Konfession angehören. Der Erfolg gab den Begründern der Gemeinde recht. Die Menschen, die von den methodistischen Versammlungen angesprochen wurden, waren solche, deren kirchliche Bindung schon seit langer Zeit abgerissen war.

Bis heute sind die Methodisten der Überzeugung, dass es eine christliche Pflicht ist, sich um Menschen zu kümmern, die von anderen vernachlässigt werden. Niemals kann es darum gehen, Menschen zu gewinnen bzw. „abzuwerben“, die einen Platz in einer anderen Kirche haben. Jene, bei denen dies nicht der Fall ist, sollen die Möglichkeit erhalten, ihre eigene Beziehung zu Gott zu überdenken und sich zu einem neuen Anfang mit ihm zu entschließen. Methodisten sind der Überzeugung, dass es eine Illusion ist zu meinen, dass alle, die nominell zu einer Kirche gehören, tatsächlich Christen sind. nur weil die Amtshandlung der Taufe einmal in der Vergangenheit an ihnen vollzogen wurde. Heute entdecken viele Staats- und Volkskirchen selbst, dass ihr eigener Bereich Missionsgebiet geworden ist.

Bis zum Jahre 1913 blieb die kleine Gemeinde im Haus in der Sackstraße, dann war es nötig, in ein größeres Lokal umzuziehen. Man wechselte in die Neutorstraße, und schließlich erwarb man das Haus in der Wielandgasse Nr. 10. Bereits 1913 hatten sich Besuch und Mitgliedschaft gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Es kamen viel mehr Menschen, als es Mitglieder gab.

Pastor Johann Dressler mit seiner Frau übernahm die Gemeinde und setzte die Arbeit fort. Bald war die Gemeinde zu einer beachtlichen Größe herangewachsen, sodass man sie nicht mehr übersehen konnte. Im Jahr 1922 konnte mit einer Arbeit im Vorort Eggenberg begonnen werden.

Man suchte einen Saal, der bis zu vierhundert Personen aufnehmen konnte. Die Versuche schlugen fehl. Der Gemeindesaal in der Wielandgasse 10 war jedenfalls viel zu klein. Manchmal standen die Besucher vom ersten Stock über das Stiegenhaus bis auf die Straße hinunter. So entschloss man sich zum Bau eines Kirchenhauses. Im Jahre 1923 entstand im Garten des Hauses Wielandgasse 10 die Kapelle, die bis heute das Zentrum der Gemeinde in Graz darstellt.

Johann Dressler begann mit einer Arbeit in Kapfenberg, von der er sich eine Chance in den steirischen Industriegebieten erhoffte. 1924 konnte er einen Versammlungssaal in Kapfenberg mieten. Er hatte nunmehr mit Eggenberg drei Predigtstationen.

1924 übernahm Josef Spörri die Arbeit. Spörri betreute auch die deutsche Gemeinde in Marburg, die sich später mit den Baptisten zusammenschloss. 1929 wurde Pastor Josef Spörri versetzt und Pastor Max Leonhardt übernahm für drei Jahre die Sorge um die Gemeinde. Er blieb bis 1932 und machte Platz für Karl Seliger.

In den folgenden schweren Jahren von 1937-1946 wurde Graz von Pastor Ferdinand Mayr betreut. Im Jahre 1941 wurde mit einer Außenstellenarbeit in Villach begonnen . Bedauerlicherweise musste dieser Dienst, ebenso wie der in der Predigt-Station Eggenberg, später wieder aufgegeben werden.

Trotz erheblicher Beschädigung der Kapelle durch Bomben überstand die Gemeinde die Kriegswirren. Unter Lorenz Stahl, der 1946-1951 in Graz war, gab es einen Einbruch, sodass der alte Superintendent Hinrich Bargmann die Gemeinde von Wien aus mitbetreute. Anschließend führte Pastor Frank Argelander die Aufsicht im Bezirk Graz, ebenfalls von Wien aus. Um die Gemeinde nicht länger allein zu lassen, entschloss sich die Konferenz, Johann Dressler wieder nach Graz zu berufen. Er war bereits im fortgeschrittenen Alter.

Walter Schwarzinger übernahm die Arbeit im Jahre 1956. Bemerkenswerter ist es, dass die Gemeinde in Graz ausgerechnet in einer Zeit, in der es in vielen Kirchen zu stagnieren schien, weiteren Zuwachs erhielt.

Von 1961-1970 war Hugo Mayr Pastor in Graz. In seiner Zeit war die Methodistenkirche maßgeblich beteiligt an der Entstehung des Interkonfessionellen Arbeitskreises Ökumene Steiermark (IAS). Dem IAS gehörten die Altkatholische Kirchengemeinde Graz, die Evangelische Superintendendenz Steiermark, die Griechisch-orientalische Metropolis, die Koptisch-orthodoxe Gemeinde Graz, die Römisch-katholische Diözese Graz-Seckau und die Methodistenkirche Graz an. Sein heutiges Nachfolgegremium mit der wichtigen Aufgabe der Verständigung unter den Kirchen ist das Ökumenische Forum christlicher Kirchen in der Steiermark.

Nach Hugo Mayr kam Robert Hanson nach Graz. Er hat als Missionar aus den USA der Methodistenkirche in Österreich lange Zeit gedient. In seiner Amtszeit wurden die Kirchenräume umgebaut, und der Kirchensaal befindet sich seitdem im ersten Stock.

Auf Robert Hanson folgte Pastor Franz Kramaric. Er war schon im Ruhestand, als er nach Graz zog, und er tat hier Dienst bis Ende 1983.

Seit 1984 dient Pastor Wilfried Nausner mit seiner Frau Jean in der Gemeinde Graz. 1986 wurde mit einem Studienprogramm für die Ausbildung von Pastoren und Diakonen in Zusammenarbeit mit der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa und dem Diakoniewerk Waiern in Kärnten begonnen. Aus diesem Ausbildungsprogramm sind heute einige Pastoren und Pastorinnen in den Dienst der Evangelisch-methodistischen Kirche in den Balkanländern gegangen und sozialdiakonische Initiativen sind entstanden.

1994 Erneuter Umbau der Kirchenräume um Platz für eine mittlerweile wieder gewachsene Gemeinde zu schaffen. In dieser Zeit begann die Kirche auch einen internationalen Besucherkreis anzusprechen.

1997 Beteiligung an der zweiten ökumenischen Versammlung.

 

Kleine Gemeindechronik

1910     Beginn der Arbeit in Graz

1911     Gründung der Gemeinde durch Pastor Hinrich Bargmann

1916     Kauf des Eigentums in der Wielandgasse 10

1923     Einweihung der Kirche

1941     Beginn der Gemeinde Villach

1945     Starke Beschädigung durch Bomben zum Ausgang des Krieges

1946–1951 Zeit ohne Pastor, von Wien aus betreut

1956–1970 verschiedene Pastoren, gewisse Stabilität

1970–1976 Verkleinerung der Kirche

1983–1984 Betreuung von Wien aus

1992     englischsprachige Bibelrunden

1994     Umbau und Vergrößerung des Kirchenzentrums

1995     chinesische Gottesdienste

1997     Beteiligung an der 2. Europäischen Ökumenischen Versammlung

1998     koreanische Bibelrunde

Pastor/innen in Graz
Hinrich Bargmann
Johann Dressler
Joseph Spörri
Max Leonhardt
Karl Seliger
Ferdinand Mayr
Lorenz Stahl
Walter Schwarzinger
Hugo Mayr
Robert Hanson
Franz Kramaric
Helmut Nausner
Steve O’Malley
Walter Landolt
Wilfried Nausner
Anke Neuenfeldt